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Ernst Staehle, "Die Hospitaliter im Königreich Jerusalem" (Buch)
Gerhard Volfing, "Cruciferi" (Buch)
Schaukampfschule für Schwertfechter - Teil 1 (Lehr-DVD)
ARS SACRA – Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum (Ausstellung)

 

Einführung: Der Templerorden

Der Templerorden (auch die Templer, Tempelritter oder Tempelherren genannt) war bei seiner Gründung um 1118, neben dem Malteserorden, der zweite geistliche Ritterorden, der in Folge der Kreuzzüge entstand. Sein voller Name lautete 'Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel' (Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis). Der Orden vereinte die Ideale des adligen Rittertums mit denen der Mönche, zweier Stände, die bis dahin streng getrennt waren.

Der Name 'Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel' rührt von dem Umstand her, dass König Balduin dem Orden einen Flügel seines Palastes, der heutigen Al-Aqsa-Moschee, davor Basilika St. Maria auf dem Tempelberg in Jerusalem, als Quartier angeboten hatte, welcher auf den Grundmauern des salomonischen Tempels gebaut worden war.

Schon bald waren zunehmend Schenkungen von Landbesitz an den Orden zu verzeichnen, insbesondere in Frankreich, doch auch in England, Spanien, Portugal und Italien. Ein nicht geringer Teil der Schenkungen wird auf den Einfluss von Bernhard von Clairvaux zurückgeführt, der Abt des Zisterzienserklosters von Clairvaux war.

Im Januar 1128 oder 1129 erhielt der Orden auf dem Konzil von Troyes seine Ordensregeln. Am 29. März 1139 wurde die Organisation der Templer von Papst Innozenz II. durch die Bulle „Omne datum optimum“ bestätigt und der Orden direkt dem Papst unterstellt. Dadurch war er für weltliche Herrscher nahezu unantastbar. So war er nicht nur von der Steuer befreit, sondern durfte selbst Steuern erheben

Seine Hauptaufgabe sah der Orden in der Verteidigung des 'Heiligen Landes' und im Schutz der Pilger, die nach Jerusalem wollten. Nachdem 1291 mit Akkon die letzte christliche Stadt in Palästina fiel, verlor der Orden seine eigentliche Existenzberechtigung. Er engagierte sich allerdings zunehmend in Spanien bei der sogenannten Reconquista, der Rückeroberung Spaniens von den Mauren. Im Gegensatz zu den Johannitern gelang es dem Orden jedoch nicht, sich einen eigenen Staat zu schaffen.

Das war wahrscheinlich auch der Grund für den Untergang des Ordens. Mit zum Schluss mehr als 9000 Besitzungen in ganz Europa und seinen Sonderrechten bildete der Orden in vielen Ländern einen Staat im Staat, der von den regierenden Herrschern immer weniger akzeptiert wurde. Außerdem erweckte der angebliche Reichtum des Ordens (der aber wohl vor allem aus Landbesitz bestanden haben dürfte) die Begehrlichkeiten der Zeitgenossen.

Das Ende für die Templer kam Anfang des 14. Jahrhunderts. 1307 wurden die Mitglieder des Ordens vom französischen König . Philipp IV. der Ketzerei und der Sodomie (im Sinne homosexueller Handlungen) angeklagt. Der Papst war zu dieser Zeit vom französischen König abhängig, daher standen die Chancen des Ordens schlecht.

Am 22. März 1312 löste Papst Clemens V. auf dem Konzil von Vienne (Frankreich) den Orden auf.. Am 18. März 1314 wurde der letzte Großmeister des Templerordens, Jacques de Molay, zusammen mit Geoffroy de Charnay in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

(Aus dem Wikipedia-Artikel 'Templerorden', Stand 30.3.2008, http://de.wikipedia.org/wiki/Templerorden)


Gerhard Volfing, „Cruciferi“

Inhalt

Das Buch gliedert sich in drei Teile.

Den Anfang macht eine Zusammenfassung der Geschichte des Templerordens, um einiges umfangreicher und detaillierter als in obiger Einleitung.

Den Hauptteil des Buches machen natürlich die Legenden aus, die Volfing behandelt. Er führt uns unter anderem zu sehr unterschiedlichen, aber gleichwohl interessanten Orten in Wien, auf die Burg Lockenhaus im Burgenland und nach Eggenburg, Heiligenkreuz und Mödling in Niederösterreich. Auch einige Orte in den Nachbarländern finden Berücksichtigung, so zum Beispiel die Burg Kereszteny in Ungarn. Insgesamt macht uns Volfing in rund zwanzig Kapiteln mit meist sehr dunklen Legenden und deren Örtlichkeiten bekannt.

Jedes dieser Kapitel ist zweigeteilt. Im ersten Teil wird die Legende vorgestellt, im zweiten Teil werden die historischen Zusammenhänge beleuchtet und Erklärungs- bzw. Deutungsversuche vorgeschlagen.

Den Abschluss bildet ein Kartenteil, in dem in mehreren Karten die Lage der behandelten Orte dargestellt wird.


Bewertung

Der Teil über die Geschichte des Templerordens ist der Teil des Buches, an dem nichts auszusetzen ist. Ich kenne zwar einzelne Details anders als hier dargestellt, aber schon bei den Zeitgenossen des Ordens gibt es widersprüchliche Aussagen, je nachdem, welche Ziele sie mit ihren Schriften verfolgten.

Mit dem Hauptteil des Buchs, den Legenden und deren Erklärungsversuchen, habe ich dagegen so meine Schwierigkeiten.

Der erste Kritikpunkt sind die Legenden selbst. Es wird leider überhaupt nicht ersichtlich, wie eng sich Volfing an die Vorlagen hält, oder wie weit er davon abweicht. In einigen Kapiteln kann man die Einführungstexte an Hand des Stils und des Inhalts eindeutig als Zitat erkennen, in anderen Kapiteln würde man vermuten, dass diese Texte vom Autor selbst geschrieben wurden und gar keine Legenden sind. Hier wäre eine eindeutige Kennzeichnung der Zitate (am Besten mit einer Quellenangabe) zu wünschen.

Meine größten Probleme habe ich mit dem Sachteilen zu den einzelnen Legenden. Gerhard Volfing schreibt zwar in seinem Vorwort, dass das Buch keinen wissenschaftlichen Beweis führen will, aber es ist trotzdem ein Sachbuch, kein Roman. Von einem Sachbuch erwarte ich, dass zwischen Fakten, Theorien und reinen Spekulationen unterschieden wird. Das unterlässt der Autor aber an etlichen Stellen. Vieles, was bei ihm als Tatsache dargestellt wird, ist keine. So bleibt für mich beim Lesen der schale Nachgeschmack, dass der Autor seine Leser zu manipulieren versucht.

Ein Beispiel dazu, wie aus etwas Spekulation ein 'wahrscheinlicher Templerbesitz' wird, ist das Kapitel zu Eggenburg. Dieses endet so: "Sollten also jemals Ordensritter den Münichhof in Eggenburg besessen haben, so waren es wahrscheinlich Tempelritter. Zumindest bis 1315." Dass Volfing an so einen Besitz glaubt, daran lässt er in dem Kapitel keinen Zweifel. Ausgangspunkt für seine Argumentationskette ist ein Zitat von Anton Mailly ('Der Tempelherrenorden in Niederösterreich', Wien, 1923), in dem auf die Templerlegende eingegangen wird. Mailly selbst führt aus, dass in der Legende mehrere historische Ereignisse miteinander vermischt wurden, und einer der Ursprünge der Legende die Johanniter sind, die in Eggenburg Besitz hatten und diesen 1315 verkauften.

Volfing hat zwei Hauptargumente:

  1. Die Johanniter verkaufen ihre Liegenschaft im Jahr 1315. Das ist fast zur Zeit der Ordensauflösung der Templer.
  2. Wenn in der Legende von Templern die Rede ist, dann waren das auch Templer. Eine Verwechslung, wie sie Mailly annimmt, sei nicht möglich. Die Bevölkerung habe zwischen Johannitern und Templern unterscheiden können.

Zu 1. lässt sich sagen:
Der Verkauf liegt immerhin 3 Jahre nach der offiziellen Auflösung des Ordens. Volfing ist da also ziemlich großzügig, was die Zeitgleichheit angeht. Und er bleibt die Erklärung schuldig, wieso ein Besitz, für dessen Zugehörigkeit zu den Johannitern es ja anscheinend Beweise gibt, plötzlich den Templern gehören soll.
Und zu 2:
Wer sich ein wenig mit Legendenbildung auskennt, weiß, aus wie vielen historischen Quellen sich Legenden oftmals zusammen setzen, und wie häufig sich im Laufe der Zeit historische Ereignisse und Personen mischen. Es wäre durchaus denkbar, dass sich die in der Legende beschriebene Ermordung der Templer ursprünglich auf einen anderen Ort bezog und dann mit dem Besitz der Johanniter in Eggenburg vermischt wurde. Man denke nur einmal daran, in wie vielen Bergen Karl der Große und/oder Friedrich Barbarossa angeblich schlafen. Außerdem beweist Volfing die Legende mit sich selbst: 'Die Legende über die Templer in Eggenburg ist wahr, weil in der Legende steht, dass es Templer in Eggenburg gab.'

Ein weiteres Beispiel, bei dem es vielleicht noch deutlicher wird, ist das Kapitel 'Das Blutkreuz am Urteilstein' (Seiten 69 bis 71). Auch in dieser Legende geht es darum, dass Templer ermordet wurden. Der Sachteil beginnt mit den folgenden Absätzen:
"Die Sage verlegt den Sitz der Tempelherren auf die Burg Scharfeneck. So wie sich nach der Aufhebung des Ordens nur noch geringe Spuren von den Templern bis in unsere Zeit erhalten haben, ist auch von der Burg nur noch geringer Bestand erhalten. Die wenigen Mauerreste liegen am Südhang des Helenentales, oberhalb der Hauswiese auf einem dichtbewaldeten Kogel.
Die Verfolgung der Ordensritter fand auch hier wie wahrscheinlich auch an vielen anderen Orten aus Habgier statt. Die benachbarten Adeligen konnten sich so noch Besitz sichern, ehe die Templerhabe auf Befehl Papst Clemens V. an die Johanniter auszuliefern war."

Sollte nicht untersucht werden, ob an der Sage etwas Wahres dran ist? Stattdessen steht für Volfing der wahre Kern der Sage schon fest (ohne dass er einen einzigen Grund dafür nennt). Es geht schon nicht mehr darum, ob, sondern warum die Templer ermordet wurden.

Es folgt eine bauliche und geschichtliche Beschreibung der Burg. In dieser werden als weitere Indizien für einen Templerbesitz Ähnlichkeiten zu anderen (vermutlichen) Templerburgen in Österreich gebracht. Eine recht schwache Argumentation. Ähnliche Bedürfnisse und Erfordernisse führen zu ähnlichen Lösungen, besonders wenn die entsprechenden Bauten in derselben Region und zur selben Zeit entstanden sind. Ein gemeinsamer Besitzer ist da keinesfalls notwendig.

Am Ende des Kapitels kommt dann noch folgender Satz: "Das Fehlen sämtlicher urkundlicher Belege für eine Burg im Mittelalter, speziell für die Bauzeit um 1200, bis weit über die Aufhebung des Templerordens im Jahre 1312 hinaus, lässt den Schluss auf eine Besatzung durch die Templer durchaus zu." Eine interessante Interpretation. Wenn man diese auf die Spitze treibt, heißt das, dass jede Burg, zu der es vor 1315 keine Urkunden gibt, vermutlich den Templern gehört hat…


Das Buch und ich

Wie man unschwer erkennen kann, tue ich mir mit diesem Buch ziemlich schwer. In der Tat war es so, dass ich buchstäblich kein Kapitel darin lesen konnte, ohne mich über mindestens eine Textstelle richtiggehend zu ärgern.

Dabei bin ich sogar mit einer gewissen Vorfreude an 'Cruciferi' herangegangen. Mein erster Gedanke nach Lesen der Umschlagklappe war: "Endlich jemand, der nicht auf der Verschwörungstheorie-Welle mitschwimmen will, sondern sich bemüht, alte Legenden auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen. Klasse" Und der lokale Bezug des Buchs war für mich besonders reizvoll. Dass das Buch insgesamt dann auf sehr andere Art 'reizvoll' für mich wurde, ist eigentlich schade.


Fazit

'Cruciferi' ist kein Buch, das ich mir kaufen oder jemand anderem schenken würde. Es enthält eine hübsche Sammlung an Sagen und Legenden, aber mehr auch nicht. Von den Aussagen zu den geschichtlichen Hintergründen würde ich Nichts als Fakt akzeptieren, das mir nicht von einer weiteren, unabhängigen Quelle bestätigt wurde. Und das ist mir bei einem solchen Buch definitiv zu wenig.

Wer es sich anschaffen möchte, dem rate ich dringend, es vorher in einer Buchhandlung anzulesen. Auf diese Weise erspart man sich eine mögliche Enttäuschung.


Volfing, Gerhard, „Cruciferi“, Weishaupt Verlag, Gnas, Österreich

ISBN 978-3-7059-0253-4
1. Auflage 2007
Hardcover, 144 Seiten
23 Abbildungen, 7 Schwarzweiß-Karten


René Schwab

 

Borte (Seitenabschluß)