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Ernst Staehle, "Die Hospitaliter im Königreich Jerusalem" (Buch)
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ARS SACRA – Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum (Ausstellung)

 

Einführung: Die Hospitaliter

Der Hospitaliter- oder Johanniterorden war einer der drei großen Kreuzritterorden, die im damaligen Königreich Jerusalem gegründet wurden, und ist der Einzige, der, wenn auch in Nachfolgeorganisationen, so aber doch bis heute seiner ursprünglichen Aufgabe nachgeht. Hervorgegangen ist der Orden aus einem Spital, das es bereits vor der Eroberung durch die Kreuzritter 1099 in Jerusalem gab (daher auch sein vollständige Name: Orden des Hospitals vom heiligen Johannes zu Jerusalem).

Ursprünglich also ein Spitalorden, der sich der christlicher Pilger annahm, wurde er erst ab ca. 1120 n Chr. zu einem Ritterorden erweitert, der auch militärische Aufgaben wahrnahm, seine karitativen Aufgaben aber nie aufgab. Durch zahlreiche Schenkungen erhielten die Hospitaliter bald überall in Europa Schenkungen, bis sie Ende des 13. Jahrhunderts schließlich rund 19.000 Burgen, Landgüter, Weinberge, Salinen, Mühlen und andere Besitzungen ihr Eigen nennen konnten. In vielen ihrer Niederlassungen unterhielten sie ebenfalls Spitäler zur Krankenpflege. Der Orden war direkt dem Papst unterstellt und besaß zahlreiche Privilegien, von der Befreiung vom Kirchenzehnt bis hin zur eigenständigen Gerichtsbarkeit für seine Ländereien und Angehörigen.

Ursprünglich hatte der Orden seinen Hauptsitz in Palästina. Nachdem 1291 mit Akkon die letzte christliche Stadt in dieser Region gefallen war, ging der Orden zunächst nach Zypern ins Exil, bis er 1309 Rhodos eroberte (das damals zum byzanthinischen Reich gehörte). Von dort aus nahm er wieder den Kampf gegen die Moslems auf, diesmal als 'Ritterorden zur See' mit einer eigenen Galeerenflotte. Mit der Eroberung dieser Insel regierte der Johanniterorden, der fortan auch Rhodenserorden genannt wurde, einen selbständigen Staat.

1522 eroberten die Osmanen Rhodos, der Orden wurde erneut vertrieben, diesmal nach Malta, woher auch der Name Malteserorden stammt. Hier hielt er sich noch einmal rund 280 Jahre. Berühmt wurde die Belagerung durch die Osmanen vom 18. Mai bis 8. September des Jahre 1565, die die Verteidiger Maltas für sich entscheiden konnten. Der Standhaftigkeit der Malteser war es zu verdanken, dass das Osmanische Reich seine Seehoheit nie auf das westliche Mittelmeer ausweiten konnte.

Das Ende für den Johanniterorden als Herrscher über einen eigenständigen Staat kam 1798 mit der Eroberung Maltas durch Napoleon. Aber dies war nicht das Ende des Ordens als solchen. Heute findet man die Nachfolger des Johanniterordens als Träger von Krankenhäusern und anderen karitativen Einrichtungen. Und die Rettungsfahrzeuge der Johanniter Unfallhilfe und des Malteser Hilfsdienstes tragen noch heute das achtspitzige Kreuz.

Ernst Staehle, „Die Hospitaliter im Königreich Jerusalem“

Das Buch "Die Hospitaliter im Königreich Jerusalem" von Ernst Staehle ist der erste von vier Bänden einer Reihe, die sich bemüht, die Geschte des Ordens der Hospitaliter von seinen Anfängen in Jerusalem bis in die heutige Zeit darzustellen. Der erste Band umfasst dabei die Zeit im Heiligen Land, also bis zur endgültigen Eroberung von Akkon im Jahr 1291 n.Chr.

Inhalt

Das Buch beginnt mit einer Beschreibung des Heiligen Landes zu Beginn des ersten Kreuzzugs und einer Zusammenfassung der historischen Ereignisse, die zum ersten Kreuzzug geführt haben.

Den Hauptteil nimmt natürlich die Geschichte des Hospitaliter- oder Johanniterordens selbst ein. Sie ist gegliedert in die Amtszeiten der jeweiligen Vorsteher und Großmeister, und beschreibt nicht nur die Entwicklung des Ordens, sondern auch die des Königreichs Jerusalem, da beide eng miteinander verknüpft sind.

Ein längeres Kapitel liefert vertiefende Informationen über die die wirtschaftlichen Grundlagen des Ordens und dessen Finanzierung zur damaligen Zeit, sowohl in Palästina als auch in Europa. Wichtig für Staehle ist außerdem das soziale Engagement des Ordens und dessen Kontinuität in der karitativen Arbeit. So geht er auf allein 15 Seiten (also ca. fünf Prozent des Buchs) auf das Hospital in Jerusalem und dessen Leistungen ein, und auch sonst taucht dieses Thema im Buch immer wieder auf.

Den Abschluss bildet ein umfangreicher Anhang:

  • Eine Liste von ehemaligen Besitzungen der Johanniter in Europa, die man heute noch besichtigen kann.
  • Eine Zeittafel.
  • Die Liste aller Vorsteher und Großmeister des Ordens von seiner Gründung bis zum Erscheinungsjahr des Buchs (2002).
  • Eine sehr umfangreiche Bibliographie.
  • Ein solides Namens- und Ortsregister.

Für besonders erwähnenswert halte ich die für Besucher zugänglichen ehemaligen Besitztümer der Johanniter und die Bibliographie, da dies Informationen sind, die wichtig werden, möchte man sich eingehender mit den Hospitalitern und ihrer Geschichte beschäftigen. Die Anhänge komplett abgerundet hätte ein zusätzliches Sachregister, das leider nicht vorhanden ist.


Eindruck

Das Buch liest sich sehr angenehm. Die Fakten werden leicht verständlich und oftmals sogar unterhaltsam dar gebracht, so dass es ein echtes Vergnügen ist, das Buch zu lesen.

Beim Lesen des Vorworts beschlich mich die Befürchtung, dass sich das Buch zu einer einzigen Lobpreisung der Hospitaliter entwickeln würde. Eine Befürchtung, die zum Glück unbegründet war. Im Großen und Ganzen ist das Buch objektiv gehalten. Nur ab und zu wird es 'pro-johanniterisch', besonders wenn er die soziale Arbeit des Ordens beschreibt. Die Hospitaliter waren bestimmt nicht in allen Fällen so edel, wie er es manchmal darstellt. Aber das war zu erwarten - Staehle ist schließlich Rechtsritter des Johanniterordens. Und es gibt auch kritische Töne im Buch, z.B. wenn es um die finanziellen Praktiken der (damaligen) Johanniter geht.

Einziger Werutstropfen – der Preis. € 28,50 sind für ein Buch dieses Umfangs (knapp 300 Seiten im DIN-A-5-Format) etwas zu teuer. Zwanzig bis zweiundzwanzig Euro wären angemessener gewesen. Zum Glück gibt es bei Amazon mittlerweile Angebote (für gebrauchte Exemplare) ab ca. 18,00 Euro. Und für diesen Preis kann man nur sagen: Kaufen.

Ziel Stähles war es, die Geschichte des Ordens darzustellen. Dies ist ihm gut gelungen. Aus diesem Ansatz folgt aber auch, dass er auf viele andere Themen nicht oder nur sehr oberflächlich eingeht. Für die wissenschaftliche Arbeit oder die glaubhafte Darstellung eines Hospitaliters auf Mittelaltermärkten liefert das Buch daher nicht genügend Informationen. So gibt es kaum Hinweise und gar keine Abbildungen, die Ausrüstung, Kleidung oder Bewaffnung korrekt darstellen.


Zusammenfassung

Mit diesem Buch hat Ernst Staehle eine gut recherchiertes, umfassende Übersicht der Geschichte der Hospitaliter in ihrer Zeit im Heiligen Land geschrieben, die eingängig ist und sich gut lesen lässt. Als Einstiegslektüre für Interessierte und als Nachschlagewerk zu historischen Ereignissen im Zusammenhang mit dem Orden ist dieses Buch eigentlich ein Muss für alle, die an der Geschichte der Hospitaliter interessiert sind.


Staehle, Ernst, „Die Hospitaliter im Königreich Jerusalem“, Weishaupt Verlag, Gnas, Österreich

ISBN 3-7059-0154-0
1. Auflage 2002
Hardcover, 294 Seiten
22 farbige Abbildungen, 1 Farbkarte

René Schwab

 

Borte (Seitenabschluß)