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Kreuzritter - Pilger. Krieger. Abenteurer (Ausstellung)
Ernst Staehle, "Die Hospitaliter im Königreich Jerusalem" (Buch)
Gerhard Volfing, "Cruciferi" (Buch)
Schaukampfschule für Schwertfechter - Teil 1 (Lehr-DVD)
ARS SACRA – Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum (Ausstellung)

 

Ausstellung: "Die Kreuzritter - Pilger. Krieger. Abenteurer." auf der Schallaburg, Niederösterreich (31.3. bis 4.11.2007)

Ich habe mich nach der Ausstellung gefragt, was ich eigentlich erwartet habe.
Dem Titel der Ausstellung zufolge etwas über die Rahmenbedingungen der Kreuzzüge, besonders geschichtlichen, sozialen, philosophisch-theologischen und geographischen Hintergrund. Etwas über das Königreich Jerusalem. Etwas über den durchschnittlichen Kreuzritter - Motivation, Reiseumstände, Ausrüstung, tägliches Leben. Etwas über die Ritterorden.

Nun muss man voraus schicken, dass die Schallaburg ein perfekter Rahmen für jede Ausstellung dieser Art ist. Die Burg alleine und vor Allem ihr wunderschöner Renaissancegarten ist auf jeden Fall einen Ausflug wert.

Wir haben uns für eine Führung entschieden, um auch wirklich das optimale Maß an Informationen herauszuholen.
Leider konnten weder Ausstellung noch Führung unsere Erwartungen erfüllen.

Für eine Ausstellung über ein so breites Thema in so eingeschränkten Räumlichkeiten ist eine großzügige Anzahl an Ausstellungsstücke vorhanden und auch die Präsentation ist ausgezeichnet.

Einige Stücke kann man aber nur als ... nun, sagen wir eigenwillige Auswahl bezeichnen.

Wir sprechen hier zum Beispiel von einem wirklich schönen Modell von Jerusalem, das allerdings für die Zeit der Kreuzzüge gar nicht mehr relevant ist. Auf diesem Modell ist der zweite salomonische Tempel zu sehen, der bereits 1000 Jahre vor den ersten Kreuzrittern von den Römern zerstört wurde. Als Modell für eine Erläuterung des Spannungsfeldes Judentum – Islam – Christentum, das die verschiedenen Ansprüche der Religionen auf dortige Heiligtümer zeigt, also denkbar ungeeignet. Eine historisch korrekte Karte wäre übersichtlicher und passender.

Es gibt da auch ein ebenso schönes Modell von Crac des Chevaliers ... das die Burg im heutigen Zustand zeigt. Ein Eindruck, den ich mir auch aus jedem Reiseführer heraussuchen kann. Wenn schon ein aufwändiges Modell dann doch bitte eines, das die Geschichte lebendig werden lässt!

Ausstellungsstücke zu Kultur, Medizin und Keramik der arabischen Reiche und zum Leben der Marmeluken sind da zu finden. Es ist auch wirklich interessant - aber der Titel der Ausstellung ist nun mal 'Die Kreuzritter' und nicht 'Die islamische Welt zur Zeit der Kreuzzüge'.

Dagegen kam die Ausrüstung besagter Kreuzritter viel zu kurz. Einige erhaltene Schwerter, Helme und Kettenhemden, ein paar Steigbügel sind zwar eine schöne Sache - besonders wenn man keine Vorstellung davon hat, wie ein Kettenhemd wirklich aussieht - aber es reicht eben nicht, wenn man ein lebendiges Bild vermitteln möchte. Eine Puppe mit einer kompletten Ausstattung oder zumindest Zeichnungen wären an dieser Stelle wünschenswert.

Ich frage mich, warum man nicht versucht hat, heimische Mittelaltergruppen zu kontaktieren. Meiner Erfahrung nach hätte man da so manche sehr authentische Leihgabe in Sachen Gewandung, Rüstungen, Waffen und sonstige Ausrüstung auftreiben können. Das Ganze wahrscheinlich sogar kostenlos, denn wer aus unserer verrückten Szene wäre nicht geehrt, wenn man einem Museum Ausrüstungsteile leihen dürfte?

Und dann das, was für uns ganz besonders störend war: Die Ritterorden und deren doch sehr maßgebende Rolle in der Geschichte der Kreuzzüge sind in Ausstellung und Führung nur als Nebenerscheinung vertreten - in einer Ausstellung, die auf ihrem Plakat einen Mann im Waffenrock der Templer zeigt!

Die Führung war mit kleinen Geschichten und Anekdoten gespickt - eben das, was man in einer solchen Führung erwartet. Es war unterhaltsam, bot aber keine neuen Sichtweisen.
Besonders ärgerlich für uns, die wir doch ein wenig Vorwissen mitbrachten: Kaum kratzte man die Oberfläche an, tat sich ein Informationsloch auf.
Man würde doch erwarten, dass jemand, der durch so eine Ausstellung führt, weiß, was ein Page ist oder was für Kleidung die Ordensritter trugen. Stattdessen wurden Pagen mit Knappen und Templer mit Hospitalitern verwechselt.

Auffällig in der Führung auch die recht einseitige Interpretation geschichtlicher Fakten.
Nehmen wir die klassische Geschichte von Richard Löwenherz und Saladin. In der Führung wurde Saladin als DER Inbegriff von Ritterlichkeit dargestellt, weil er seine Ärzte zu Löwenherz sandte, statt ihn an Malaria sterben zu lassen.
Saladin war bestimmt ein guter Herrscher, aber seine ritterliche Tat war ganz sicher nicht nur schlichter Edelmut. Viel wahrscheinlicher ist, dass er mit Richard 'gut konnte' - besser als mit denen, die nach Richards Tot dessen Stelle eingenommen hätten. Sicher auch, dass ihm diese Tat Prestige auf beiden Seiten einbrachte – wie man an der Führung sieht, bis heute - und damit die Möglichkeit, diesen leidigen Streit um Jerusalem schnell zum erwünschten Ende zu bringen. Ein bewundernswerter politischer Schachzug. Aber ganz sicher keine uneigennützige Ritterlichkeit.

Im Gegensatz dazu kamen sämtliche westlichen Motive schlecht weg. Hab- und Machtgier spielten ganz bestimmt eine wesentliche Rolle in der Geschichte der Kreuzzüge. Aber es gab durchaus auch jene, die hier einer Überzeugung und einem Ideal folgten und im Zuge dessen viel Gutes getan haben - das gilt wohl ganz besonders für die Ritterorden.
Das Bild vom tierischen, gold- und blutgierigen Kreuzritter ist eben genau so falsch wie das des edlen, romantisch-verklärten Gottesstreiters. Wir hätten uns eine kritischere und differenzierte Darstellung gewünscht. Vielleicht auch etwas Aufklärung über die mittelalterlich-christliche Gedankenwelt mit ihrem tief verwurzelten Glauben. Ich glaube nicht, dass dieser Aspekt sehr vielen der Besucher bewusst war.

Zu Gute halten muss man, dass man versucht hat, aus den vorhandenen, zum Teil sogar sehr kostbaren Stücken das Bestmögliche zu machen.

Man könnte zusammenfassend sagen: Man hat sich Mühe gegeben aber die Ausstellung ist eine klassische Themenverfehlung.

Christa Schwab

 

Borte (Seitenabschluß)