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ARS SACRA – Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum (Ausstellung)

 

Sonderausstellung ARS SACRA – Salzburg Museum, Neue Residenz

17. Dezember 2010 bis 27. Jänner 2013

Nachdem René und ich unsere erste Urlaubswoche in Salzburg verbracht haben, haben wir auch die Gelegenheit wahrgenommen, diese Sonderausstellung im Salzburg Museum zu besuchen.

Ausschnitt aus einem Marienalter (um 1490)

Eigentlich war dieser Museumsbesuch gar nicht geplant. Angelockt hat uns aber dann ein Plakat mit dem vollständigen Namen der Ausstellung:

ARS SACRA – Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum

DAS konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Das Salzburg Museum (bzw. die gesamte Residenz) ist seit einigen Jahren ganz neu renoviert und hat im Jahr 2007 den Europäischen Museumspreis und im Jahr 2009 den Österreichischen Museumspreis ergattert.

In der Sonderausstellung ARS SACRA werden nun Exponate aus allen Sammlungen des Museums gezeigt. Manche davon sind schon länger nicht mehr oder überhaupt noch nicht in musealer Aufbereitung zu sehen gewesen.


Geistliche Kunst

Die Ausstellung ist – wie der Name schon sagt – fast ausschließlich geistlicher Kunst gewidmet und ist in entsprechende 'Unterabteilungen' aufgeteilt. Statt die Werke chronologisch zu sortieren, sind den  Darstellungen von Christus, Maria oder den Heiligen also jeweils eigene Themenräume gewidmet. Auf diese Weise können die Darstellungen aus verschiedenen Zeiträumen direkt verglichen werden.

Zur Erklärung der einzelnen Kunstwerke hat man im Großteil der Ausstellung von der normalen Beschriftung abgesehen. Stattdessen nimmt sich der Besucher A4-formatige Infotafeln aus Ständern am Eingang des jeweiligen Raumes. Auf diesen Tafeln werden die Kunstwerke und die wissenswerten Tatsachen dazu gelistet. Wenn man den Raum verlässt, stellt man die Tafeln einfach zurück.

Außerdem werden Informationen zu ausgewählten Exponate zusätzlich durch einen Audio-Guide oder per Multimediapräsentation vermittelt.

Die Ausstellung erscheint, wenn man den Kunstreichtum Salzburgs und das sehr umfangreiche Thema bedenkt, nicht besonders groß. Wie der Titel aber ebenfalls andeutet, enthält die Ausstellung ausschließlich Kunstwerke, die dem Salzburg-Museum gehören. Auf Leihgaben aus anderen Museen oder Sammlungen wurde vollständig verzichtet. Trotzdem umfasst die Ausstellung noch 1000 m² und etwa 350 Objekte.

Alleine schon wegen der interessanten und ungewöhnlichen Präsentation lohnt sich ein Besuch. Zugegeben: es war recht gewöhnungsbedürftig, ohne die üblichen Beschriftungen auskommen zu müssen. Die Info-Tafeln waren gut aufbereitet aber eben eine ganz neue Erfahrung. Vielleicht ein Vorgeschmack auf kommende Präsentationsmöglichkeiten per Tablet-PC? Negativ anzumerken ist, dass manche Werke auf den Tafeln gefehlt haben und dass die Möglichkeiten des Audio-Guides, den man ja die ganze Zeit mit sich herum trägt, besser ausgenutzt hätten werden können.

Der Eindruck der Kunstwerke war durch ihre Anordnung subtil aber spürbar anders als sonst. Wenn die Bilder und Skulpturen plakativ nebeneinander hängen oder stehen und man nicht automatisch nach einer Beschriftung schielt, wirken die Werke schon ganz anders. Eindringlicher.

Sehr schön war auch eine Ergänzung des 'Marienraums'. Um die gängigsten symbolischen Pflanzen in Marienabbildungen besser zugänglich zu machen, befand sich im Raum eine Kommode mit herauziehbaren, flachen Laden, in denen die Pflanzen in getrockneter Form zu finden waren. Dazu konnte man nachlesen, welche Bedeutung die Pflanze hat und für welche medizinischen Zwecke sie früher und heute genutzt wurde und wird.

Maria mit UndercutMaria mit dem Undercut. Ausschnitt aus der Tafel eines Flügelaltars von 1490

Apropos Maria. Ein nettes Detail am Rande: uns ist in noch keiner Ausstellung so stark aufgefallen, wie modern und beliebt ein extrem hoher bzw. nach hinten gesetzter Haaransatz in manchen Teilen des Spätmittelalters war. Ein Beispiel: Auf einem Flügelaltar, datiert um das Jahr 1490, hat Maria eine Frisur, deren Seiten heute definitiv als Undercut durchgehen würden. In diesem Fall allerdings noch mit einem stark nach hinten gesetzten Haaransatz auf der Stirn kombiniert. Es wirkt schon sehr seltsam … (Exaktes Bild lt. Beschriftung, falls es jemand nachschlagen möchte: Meister der Virgo inter Virgines, Marienaltar, Flügelaltar mit Darstellung der Geburtsgeschichte Christi, Mitteltafel mit Anbetung der Könige, um 1490)


Mittelalter gar nicht alt

Außerdem hoch interessant für uns: wie erstaunlich modern manche Darstellungen und Ornamente gerade aus dem frühen Hochmittelalter aussehen. Sie sind stark reduziert – nur das Wesentliche wird dargestellt und das führt zu einer sehr schlichten, fast schon abstrakten Kunst.

Ein Christus am Kreuz in der Ausstellung hat das für uns ganz besonders deutlich gemacht. Man könnte das Werk genauso wie es ist in jede moderne Kirche hängen. Leider muss ich gestehen, dass ich vergessen habe, mir die genaue Bezeichnung des Werkes aufzuschreiben. Ich werde aber versuchen, das noch zu recherchieren.

Eine weitere sehr angenehme Überraschung war die schlichte Cafeteria, die in die Ausstellung eingebettet ist. Ein Kaffee-Automat, ein Wasserspender, Tassen und Gläser zum selbst nehmen und einige Tische. Angenehm unverkrampft.

Dazu sind ein paar der Tische mit Spielen ausgestattet, deren Spielfelder unter die gläsernen Tischplatten eingelegt sind. Auf den Tischen findet man weiteres Spielzubehör und die entsprechenden Anleitungen. Und nein, ich spreche hier nicht von den üblichen Kinder-Bespaßungs-Ecken, sondern durchaus von Spielen die auch für Erwachsene gedacht sind, zum Beispiel einem Glücksspiel aus der Zeit Mozarts.


Profane Kunst

Bruchstücke von Fresken mit Ornamenten aus dem 12. Jahrhundert Bruchstücke von Fresken mit Ornamenten aus dem 12. Jahrhundert. Sie können als Vorlage für Muster bei Borten oder Stickereien dienen.

Zu erwähnen wäre noch der letzte Raum der Ausstellung, der mit "Profan-Sakral" tituliert ist. Dort sind Gegenstände ausgestellt, die mit sakraler Kunst nur am Rande oder gar nichts zu tun haben. Es handelt sich vor Allem um Gebrauchs- und Schmuckgegenstände, sowie Münzen und einige Bruchstücke von Fresken und Skulpturen Die bildliche Darstellung fällt hier dementsprechend, im Gegensatz zu den anderen Räumen, völlig weg.

Interessant war hier unter anderem eine Sammlung von Münzen aus dem Mittelalter. Es ist immer wieder spannend, wie klein und dünn die berühmten Goldmünzen eigentlich waren, die im Film meistens als dick und schwer dargestellt werden. Und man kann sich hier sehr gut vorstellen, wie einfach es war, von diesen Münzen kleine Späne abzuhobeln oder sie einfach – zur besseren Verwendbarkeit – zu zerteilen.

In diesem Raum konnten auch wir das Eine oder Andere finden, das für unsere Zeit interessant war. Vor Allem Ornamente aus dem 12. Jahrhundert haben wir festgehalten, um sie später evtl. in Stickmustern oder als Vorlagen für Möbelverzierungen verarbeiten zu können.


Bewertung

Für unsere historische Darstellung war ARS SACRA wenig ergiebig. Der Schwerpunkt lag – wie so oft – beim Spätmittelalter. Aus unserem Darstellungszeitraum – dem ausgehenden 12. Jhd. war wenig zu finden.

Alles in Allem war die Ausstellung aber trotzdem eine sehr lohnende Sache. Einige neue Erkenntnisse – sowohl zum eigentlichen Thema als auch zu musealer Präsentation – haben wir auf jeden Fall mitgenommen. Wer als Mittelalter-Interessierter bis Jänner 2013 nach Salzburg kommt, sollte sich diese Ausstellung auf jeden Fall ansehen.


Christa Schwab, 21.9.2011


Weiterführende Links:

Salzburg Museum

 

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