Mittelalterfest zue Mattsee

12.6. - 14.6.2015

Mattsee war ein Markt der Extreme für mich. Extrem schwüles Wetter, extrem interessierte Besucher, extrem gutes Essen, extrem reißfreudiges Sonnensegel, extrem hohes Gras, extrem nervige  Musik, extrem lautes Kanonengeböller, extrem produktives Wochenende, extrem schöne Lage. Und ein Abenteuer.


Anreise und Aufbau

Die meisten Via-Nostrianer sind am Freitag Vormittag schon angereist und konnten sich dann gleich einmal von der Gras-Sache überzeugen. Das Gras war ein oberschenkelhoher Pelz über der ganzen Lagerfläche, was für einige von uns das Hinauffahren nicht gerade einfach gestaltet hat. Die Lage war dafür wirklich schön. Ein Hügel mit Blick über die idyllische Umgebung, an einer Seite von Wald begrenzt.

Leider war der Wald nicht nahe genug an unserem Lagerplatz, um Schatten zu spenden. So haben wir den wirklich heißen Freitagnachmittag mit einem sehr sonnigen Aufbau verbracht. Sonnencreme mit Schutzfaktor 50 hat dabei eine wichtige Rolle gespielt, ebenso wie das Sonnensegel, das wir nie schneller aufgebaut haben.

Blick von unserem Platz aus auf die Lagerwiese
Blick von unserem Platz aus auf die Lagerwiese. Gut zu sehen: Das hohe Gras.

Am späteren Nachmittag sind dann noch die Vereinsgäste eingetroffen - Renés und mein Neffe Alex und Griff und Nicky, unsere englischen Gäste.


Internationale Gruppe

Achja, wer war eigentlich dabei? Antje und Willi, Ingmar, Christian und Anwärter Daniel. Also eine recht große Gruppe mit einem ebenso großen Lager. Sechs Zelte sind dann schließlich am Freitag Abend gestanden und haben ein sehr schönes, gemütliches Lager ergeben.

Und unser Lager war diesmal wirklich sehr international und außerdem zweisprachig. Leute aus vier Nationen (England, Deutschland, Niederlande, Österreich) waren bei uns versammelt und es wurde ebenso viel Englisch wie Deutsch gesprochen. Schön war das.

Neben uns haben sich dann noch Vanessa und Sebastian von Sectio Artificerum nieder gelassen - wie immer eine außerordentlich nette und willkommene Nachbarschaft.


Gemütlicher Abend

Das mit dem extrem guten Essen konnten wir dann am Freitag Abend schon austesten. Antje und Willi haben uns und unsere Nachbarn mit Eierschwammerlsauce und Serviettenknödel verwöhnt. Ich glaube nicht, dass viel übrig war.

Am Abend hat sich die schöne Position unseres Lagers direkt auf der Hügelkuppe besonders zur Geltung gebracht. Wir hatten fast den gesamten Markt im Blick und konnten zusehen, wie in der Dämmerung langsam die Feuer, Laternen, Kerzen und Öllampen angezündet wurden. Auch ohne sonderlich poetisch zu werden ist es nicht schwierig sich an dieses Bild von einem Glühwürmchenschwarm in der warmen Sommernacht gerne zu erinnern.


Weniger gemütliche Nacht

Die Nacht selbst war dann leider weniger idyllisch. Dran erinnern werden wir uns sicher trotzdem. Wer vergisst schon einen Kanonenschuss um halb drei Uhr früh? Ja, tatsächlich. Jemand mit entweder sehr begrenzter Geisteskraft oder sehr hohem Alkoholspiegel (wahrscheinlich beides) hat eine Kanone abgeschossen. Um halb drei Uhr früh. Und nein, das ist nicht wie ein Silvesterknaller. Es ist viel, viel, VIEL lauter.

Und das hat dann wohl wieder die Mitglieder der anwesenden Landjugend dazu motiviert Musik zu machen. Die netten, jungen Leute haben ein Auto, das, nach meinem Eindruck, zur Hälfte aus Stereoanlage bestanden hat, auf dem Gelände aufgestellt und das Lager beschallt. Man frage mich bitte nicht, was es für Musik war. Sie war laut, durchdringend, basslastig und unangenehm.

Nach mehrmaligen, immer wieder im selben, freundlichen Ton wiederholten Bitten hat man sich dazu herab gelassen, die Musik auszuschalten.

Bis um halb fünf. Und dann nochmal um sechs.

Am nächsten Tag war die Stimmung auf dem gesamten Marktgelände so, dass die jungen Leute wohl froh sein können, das Ganze nicht in der nächsten Nacht wiederholt zu haben. Ich bezweifle, dass man es bei freundlichen Bitten belassen hätte.

Zumindest die Bass-Lautsprecher des Autos hätten Bekanntschaft mit diversen mittelalterlichen Waffen geschlossen.


Produktiver Samstag

Der Samstag hat also verschlafen begonnen. Dafür aber mit einem guten, gemeinsamen Frühstück und ja, genau - viel Sonne.

Und der Tag war schön. Trotz Müdigkeit und Hitze und diversen Maßnahmen, um beides zu bekämpfen. Die Herren haben sich auf Unterhemd und Bruche beschränkt, was uns Damen leider nicht offen steht. Aber es war - wie immer - auszuhalten.

Fleißiges Arbeiten in unserem Lager
(Fast) alle sind fleißig am Arbeiten.

Besonders schön für mich war der nächste Extremismus, nämlich das Interesse der Besucher. Kaum stand der Stickrahmen, waren schon die erste Leute da. Und von da an war ich (gefühlt) alle zehn Minuten mit Erklären und Zeigen beschäftigt. Etwas, das ich sehr mag und genossen habe. Interessanterweise habe ich trotz der Unterbrechungen ein gutes Stück an meinem Reiter weiterarbeiten können.

Auch die anderen waren produktiv. Es wurde vor allem sehr viel genäht. Sowohl neue Kleidungsstücke als auch Flickarbeiten. Die Besucher haben sich einige Male über die nähenden Männer amüsiert, was unsere Herren mit Humor genommen haben.

Und ich bin stolz auf meine Stick-Schülerin Nicky, die bei ihrem ersten Versuchsstück ihre Abneigung gegen den Kettstich abgelegt hat und ein großes Stück weiter gekommen ist.


Training der 'Foundation of Historical Swordsmanship'

Training der 'Foundation of Historical Swordsmanship'
Training der 'Foundation of Historical Swordsmanship'.

Der Abend hat dann den Kämpfern gehört. Training mit Schwertkampfmeister Griff - etwas, das IMMER gern angenommen wird. Für Alex war es ein ganz besonderes Training. Mit zarten 15 (wenn auch jetzt schon so groß und breit wie René) konnte er Griff mit fliegenden Fahnen davon überzeugen, dass er bei den 'Großen' auf Burg Clam mittrainieren darf. Nach zwei Jahren Training fast nur mit René ist das ein tolles Kompliment und ich hoffe, es ist mir erlaubt, unheimlich stolz auf 'meine' beiden Männer zu sein - auf den Lehrer wie auf den Schüler.


Gutes Essen

Extrem gutes Essen. DAS Stichwort für diesen Abend. Antje hat uns ein wahres Festmahl aufgetischt. Alle Rezepte mittelalterlich von Gewürzfleisch mit Kardamom, Zimt und Nelken in Rotweinsauce über Topfen-Kräuter-Nockerl als Beilage bis hin zur Nachspeise in Form von Mandelspeise mit eingelegten Kirschen.

Man isst in keinem Restaurant besser als wir da mitten im Salzburger Seenland auf einem Hügel an einem schwül-heißen Abend.


Unguter Abend

Zum Glück war das Essen schon vorbei als uns dann doch ein Gewitter eingeholt hat. Erst hat es nicht so schlimm ausgesehen - es war ja nun wirklich nicht das erste Gewitter das wir gut überstanden haben. Bis mit einem hörbaren Knall eine Schlaufe am Sonnensegel abgerissen und das Segel halb herunter gekommen ist.

Da hat es dann auch schon wie aus Kübeln geschüttet. Wir hatten keine Wahl als das Segel kontrolliert über die Möbel zu stürzen (der Tisch war zum Glück schon fast völlig abgeräumt, wie bei Gewittern üblich) und dann ins Bett zu gehen.

Die Nacht war glücklicherweise ruhiger. Ob wegen des Regens oder der oben erwähnten mittelalterlichen Waffen kann ich nicht sagen.


Reparaturen

Am Sonntag Morgen hatten wir dann erst einmal mit den Nachwehen des Abends zu kämpfen. Nein, leider kein Kater vom gemütlichen Zechen. Zunächst einmal haben alle nasse Kleidung aufgehängt und dann war das Sonnensegel wieder aufzurichten. Nun muss man bemerken, dass unser Sonnensegel alt ist. Für eine solche Plane schon ein wahrer Methusalem. Sonnensegel sind großen Belastungen ausgesetzt und eigentlich war zu erwarten, dass es irgendwann kaputt geht. Wir haben also die Schlaufe wieder angenäht und wollten das Segel aufrichten. DAS hat es uns übel genommen. Ein lautes 'Ratsch' und schon war da ein Riss von über einem Meter. Da man Sonnensegel aber nun einmal nicht herzaubern kann, haben Antje und ich uns also wieder an die Nadeln gemacht und das Ganze notdürftig repariert. Wenigstens so weit, dass wir das Ding aufrichten konnten und die Gruppe für den restlichen Tag den dringend benötigten Schatten hatte.


Sonntag

Wettermäßig war der Sonntag nämlich eine direkte Fortsetzung des Samstags. Heiß, schwül. Auch sonst hat sich dieser Tag direkt dem vorherigen angeschlossen mit einem weiteren Training mit Griff für die Kämpfer und – für dieses Badewetter überraschend - vielen, interessierten Besuchern.  

An dieser Stelle übrigens ein Lob an die Veranstalter - die Toiletten waren trotz der starken Frequentierung bis zum Schluss ordentlich, sauber und mit Papier bestückt.

Für den Großteil der Gruppe war es dann Zeit abzubauen. Nur René und ich hatten uns entschlossen, noch eine Nacht zu bleiben und am Montag zurück zu fahren.

Ein großes Lager mit fünf Zelten also, das abgebaut und verstaut werden musste. EINE STUNDE! Wir haben es in EINER Stunde geschafft! Das schlägt alle Rekorde, die wir bis dahin aufgestellt haben. Teils war das Dank Ingmar und seines Buses möglich, so dass wir kein Auto-Tetris spielen mussten. Aber auch Dank des Einsatzes alles Beteiligten, Dank der sichtbaren Erfahrung und des Willens zusammen zu arbeiten. 


Stürmischer Abschied

René und ich haben also den anderen hinterher gewunken und haben uns auf eine ruhige Nacht und geruhsames Abbauen am nächsten Morgen gefreut. Tja.

Unser Zelt - einsam auf der Lagerwiese
Unser Zelt - einsam auf der Lagerwiese.

Der Abend war noch sehr gemütlich, da kann man wirlich nicht meckern. Essen vom Tross (Danke noch einmal!) und Zusammensitzen im Lager der Fideles Spilberg auf dem nun fast leeren Gelände.

Und dann. Sturm. Um halb drei Uhr Morgens. Der Mittelmast hat gewankt, die Zeltwände haben geschlagen wie Segel auf hoher See. Unser Zelt stand halt auch sehr exponiert auf der Hügelkuppe. René und ich wollten kein Risiko eingehen. Wir haben unsere wichtigsten Sachen gepackt und haben uns selbst in unser Auto evakuiert, das wir zum Glück zu diesem Zeitpunkt schon neben dem Lager stehen hatten.

Zwei Stunden Sturm zuhören und das Zelt beobachten. Letztlich haben die Seile gehalten, aber der Wind wurde nicht merklich weniger.

Sobald es dann gegen halb fünf hell genug war haben wir uns daher entschlossen zu packen. An Schlafen war ohnehin nicht zu denken und die aufgezogenen Wolken waren dunkelgrau. Also lieber so rasch wie möglich abbauen und vielleicht trocken davon kommen. Das ist uns dann auch gelungen und so hat Mattsee für uns noch mit einem kleinen Abenteuer geendet.

Ja, ein Wochenende der Extreme. Es wird nicht schnell vergessen werden.


Christa Schwab, 28.5.2015


Weiterführende Links

Sectio Artificerum
Der Tross
Fideles Spilberg

Unsere Fotogalerie


Die Fotos für diesen Artikel stellten uns freundlicherweise Jogi von den Fideles Spilberg und Nicola Juan-Hofer zur Verfügung.

 

Borte (Seitenabschluß)