Golling’sches Mittelmaß

25.8. - 26.8.2007

Mit elf Leuten waren wir in Golling recht zahlreich vertreten. Vier Zelte, ein Sonnensegel und unsere beiden Sitzgarnituren. Schon ein beeindruckendes Lager, wenn alle da waren. Aus diesem Grund haben wir uns auch das erste Mal dazu entschlossen, einen Transporter zu mieten. Eine gute Entscheidung, wie sich herausgestellt hat, weil wir sowohl Zeit als auch Nerven sparen konnten.

Das Wetter war schön und viel heißer als wir gedacht hatten. Entsprechend war Schwitzen eine der Hauptbeschäftigungen im Lager. Die Lagerwiese in Golling bietet nämlich keinerlei Schatten, außer man ist ganz am Rand untergebracht, was bei uns nicht der Fall war.

Leider war unser Platz an einem Ende des Lagermittelstreifens auch sehr exponiert. Besucher konnten das Lager von allen Seiten einsehen, was es schwierig machte, sich irgendwohin zurück zu ziehen oder auch nur den Müllsack unauffällig zu deponieren. Die Händlerstraße – vom Lager strickt getrennt – war dafür die meiste Zeit im Schatten und bereits herbstlich kühl. Ich neide den Händlern die angenehme Kühle nicht und das Lagern wäre auf der Händlerstraße auch nicht gut möglich gewesen, aber ich gebe zu, dass mir so einige Gedanken über ideale Lagerplätze und Schatten durch den Kopf gegangen sind.

Apropos Händler:
Abgesehen von Herbert und seinen Waffen war da nicht viel zu finden. Der übliche Ramschanteil war zwar nicht höher als anderswo auch, aber wirklich außergewöhnliche Ware war nur noch bei den Fellhändlern von Fellini zu finden. Allerdings bringt die Ware dort halt mit sich, dass man kaum einmal einen Spontankauf tätigt. Schöne Felle für das Lager haben nun einmal ihren Preis. Nächstes Jahr wird es dann vielleicht was mit dem Kuhfell für den Zeltboden.

Erwähnenswert sind für mich noch die Dattelschlepper. Ein Stand, den ich noch von Märkten in Deutschland kenne. Orientalische Süßigkeiten und getrocknete Früchte von hervorragender Qualität und durchaus erschwinglich.

Und ja, sanitäre Anlagen spielen auch bei diesem Markt eine unrühmliche Rolle. Eine einzige Toilettenkabine für das gesamte Lager in der Nacht von Freitag auf Samstag. Wahrscheinlich sollte man dankbar sein, denn letztes Jahr waren die Toiletten in dieser Nacht ganz gesperrt.
Man stelle sich die Szene vor: man versucht als weibliches Wesen am späten Abend noch einmal auf die Toilette zu gehen und stellt fest, dass die Tür zu den Damenklos versperrt ist. Bleiben nur die danebenliegenden Herrentoiletten. Mit offenen Pissoires. An denen man auf jeden Fall vorbei muss, wenn man die einzelne Toilettenkabine benutzen möchte. Peinlichkeiten sind vorgezeichnet.
Zumindest wurden die Container aber sauber gehalten und es gab genug Toilettenpapier. Eine Leistung wenn man bedenkt, dass man bei mehreren tausend Besuchern gerade mal zwei solche Container aufgestellt hatte. Wobei man für den zweiten vom Lager aus die gesamte Händlerstraße hätte entlang pilgern müssen, vorbei am See und noch weiter hinauf bis zum Ende des Geländes.
KEINE glorreiche Idee, liebe Veranstalter!

Die vertretene Gastronomie lässt sich nur mit 'unverschämt' zusammenfassen. Selbst für Mitwirkende hatten die ansässigen Wirte keine Rabatte und die Preise für Essen und Getränke waren horrend. Was uns alle wieder einmal bewusst gemacht hat, wie viel Glück wir mit Michis Kochkunst haben.

In Golling blieb uns viel Zeit für Handarbeiten. Wir haben gemeinsam lange Nestelbänder geflochten, was zu zweit leichter geht. Einer flicht, der andere zieht das Gewebe fest. Ab einer gewissen Länge wird das Band sonst zu locker und damit unansehnlich. Das Flechten ist auch bei den Besuchern auf viel Interesse gestoßen. Vielleicht weil es so kompliziert aussieht oder auch weil es einfach auffällt, wenn zwei Leute an 14 bunten, an einen Zeltpfosten gebundenen Fäden arbeiten. Jedenfalls gab es einige Nachfragen und dann erstaunte Gesichter, wenn wir erklärt haben, wie einfach das Prinzip dieser Flechttechnik ist.

Das Spinnen hat - wie immer - auch interessiert. Vielleicht wäre es eine gute Idee, nächstes Jahr Workshops dazu anzubieten.

Den Webrahmen hatte ich diesmal zwar dabei, habe aber nicht daran gearbeitet. Das aufgezogene Doubleface hätte einfach zu viel Konzentration erfordert. Ich dachte eigentlich, ich würde die Borte noch rechtzeitig fertig bekommen, damit ich für den Markt eine einfache Schnurbindung aufziehen kann - ging sich leider nicht mehr aus. Naja, zumindest dekorativ ist der Webrahmen auf jeden Fall.

Feldschlachten am Samstag und Sonntag waren dann auch noch was für unsere kämpfenden Herren, obwohl wir eigentlich ohne geplante Aufführung nach Golling gefahren waren. Da der gesamte Programmpunkt eine spontane Idee war, gab es keinerlei Choreographie, keine fixen Teilnehmer und auch keine Ankündigung.
Was am Samstag noch in kleinem Rahmen als Privatprügelei mit einigen Zuschauern angefangen hatte, wuchs sich am Sonntag zu einem langen Programmpunkt mit Musik, Herold und reger Zuschauermenge aus.
Sören und René waren an beiden Tagen dabei, wobei die gegnerische Gruppe zum Schluss drei Leute auf Sören hetzte, um diesen endlich ruhigzustellen. René hatte am Sonntag wegen der großen Hitze und der Länge der Kämpfe leider Probleme mit dem Kreislauf.

Was mich zum nächsten Punkt bringt: Ein großer Schwachpunkt in Golling war das Fehlen jeglicher medizinischer Versorgung. Laut den Veranstaltern ist die nächste Rotkreuzstation zwar nur um die Ecke und eine der Veranstalterinnen ist ausgebildete Sanitäterin, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass man nirgendwo eine Anlaufstelle finden konnte.
Woher sollen wir auch wissen, dass es eine Sanitäterin bei den Veranstaltern gibt? Es wurde uns weder gesagt noch war irgendwo ein Rotkreuzschild zu sehen.

Alles in Allem war Golling aber in Ordnung. Wir hatten unseren Spaß, wir hatten ein paar neue und alte Bekanntschaften, wir hatten Spritzwein und Bier, wir hatten trockenes Wetter zum Zelte abbauen, wir hatten erträgliche Beschallung durch das Musikprogramm, wir hatten leckeres Essen von Michi. Auch wenn der Markt selbst nun wirklich nichts Besonderes war - Via Nostra ist noch ein Stück enger zusammengewachsen und das war die Sache bestimmt wert.

Christa Schwab

 

Borte (Seitenabschluß)