Mittelalterfest Burg Aggstein April 2008

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Vorahnungen

'Aggstein wird in irgendeiner Hinsicht bemerkenswert.' habe ich zu René schon einige Tage vor dem Markt gesagt.
Ich habe mich getäuscht.
Aggstein war in weit mehr als einer Hinsicht bemerkenswert.


Der erste Mittelaltermarkt 2008

Zunächst einmal ist ein erster Markt in der Saison immer etwas Besonderes. Man freut sich den ganzen Winter auf das Lagerleben, die Atmosphäre, die Stimmungen, alte und neue Bekannte und Freunde. Man möchte neue Ausrüstung und Werkzeuge ausprobieren und im Winter entstandene Gewandung vorführen. In unserem Fall waren auch noch einige neue Leute mit im Lager. Mike und Julia samt Babybauch waren das erste Mal mit dabei, und auch unser 'Kleiner' Benjamin durfte Lagerluft schnuppern.

Auch für die Organisatorin, Christine Jäger von der Burgverwaltung, war es das erste Mittelalterfest, was wohl auch nicht ganz einfach war. Wenn wir gerade von Christine reden: natürlich wird auch dieser Bericht einiges an Kritik enthalten – Aggstein war schön, hatte aber auch einige Schwächen. Es ist mir wichtig festzuhalten, dass Christine sich sehr um uns bemüht hat. Die organisatorischen Schwächen hatten viel eher mit der recht sturen Einstellung ihrer Arbeitgeber zu tun als mit einem Mangel an Mühe und Fürsorge von Christines Seite.

Aggstein ist bemerkenswert weil wir viele 'erste Male' hatten.


Steinreich

Wie die meisten Burgen in unserer Gegend liegt Aggstein in luftiger Höhe auf einem felsigen Gipfel. Einem SEHR felsigen Gipfel, wie wir beim Zeltaufbau herausfinden mussten.

Schon im Vorfeld war klar, dass wir maximal vier Zelte unterbringen würden. Wir haben uns schließlich - des Gesamteindrucks wegen - für die drei runden entschieden. Der uns zur Verfügung gestellte Lagerplatz war (dem Aussehen nach mit einem wild buckelnden Bagger) notdürftig ein wenig vergrößert worden, was uns zwar mehr Platz einbrachte, aber unser Felsenproblem nicht gelöst hat. Als Vorbereitung für Aggstein haben wir uns massive Heringe aus Baustahl machen lassen - schließlich hatten wir schon so unsere Befürchtungen. Aber nachdem sich der zweite Hering unter Hämmern und Fluchen verbogen hatte, blieb nichts anderes übrig als bei jedem einzelnen Hering nach einer passenden Befestigungsstelle zu suchen.

Letztlich haben wir für das Aufbauen unseres Lagers mehr als doppelt so viel Zeit gebraucht wie sonst.

Holz und Stroh war, soweit wir das mitbekommen haben, in ausreichender Menge vorhanden. Wir mussten uns beides selbst von der Burg bis zum Lager bringen, konnten aber mit Michis mutiger Berta (ihr uralter, quietschorangener VW-Bus) die Aktion sehr beschleunigen.

Apropos Holz: die neue Kochstelle hat sich sehr gut bewährt. Besonders Markus' genialer Natursteinofen war nicht nur schön sondern auch praktisch zum Grillen und für die Pfanne. Wenn dann daneben über einem niedrigeren Feuer noch der Kessel vor sich hinblubberte, war die Kochstelle auf Aggstein eine wahre Augen- und Nasenweide. So felsig Aggstein also war - hier haben die Steine auch ihren Nutzten gefunden.

Über dem Fels gab es bei unserem Lagerplatz nur eine dünne, trockene, kahle, sandig-staubige Erdschicht voller kantiger Steine. Gar nicht ideal. Deshalb haben wir dann auch noch zwei Strohballen aufgemacht und das Stroh gegen Kälte, Staub und depressive Optik unter der Sitzgarnitur bzw. dem Sonnensegel verteilt. Sehr gemütlich und sehr A.

Achja, noch eine Neuerung: das Sonnensegel. Größer, schöner und dichter hat es uns in Aggstein vor Sonne und Regen geschützt und das Lager viel beeindruckender gemacht.

Die von Tina hingebungsvoll bemalten Flaggen mit Via-Nostra-Logo waren das I-Tüpfelchen auf einem perfekten Lagerbild.

Aggstein ist bemerkenswert weil wir noch nie beim Aufbauen dermaßen geflucht haben und weil das Lager nie vorher schöner war.


Staubteufel

Staubig und trocken. Und Wind. Viel Wind. Oben bei der Burg waren einige Stände die ganze Zeit knapp davor, vom Winde verweht zu werden. Wir hatten dagegen einen einigermaßen geschützten Platz erwischt und wurden deshalb 'nur' gründlich eingestaubt. Hätten wir einen exponierteren Platz gehabt, wäre unser Sonnensegel wohl davon geflogen. So wurde es nur einige Mal gründlich durchgeschüttelt. Der Staub setzte sich überall fest. Sogar dort, wo man ihn gar nicht erwartet und wir alle sind wohl gezwungen unsere gesamte Ausrüstung zuhause gründlichst zu entstauben. Sogar die Stücke, die gar nicht im Einsatz waren, haben eine feine, knirschende Staubschicht angesetzt.

Aggstein ist bemerkenswert weil es der erste Markt mit Sandsturm war.


Die glorreichen - 13

Wer von uns war denn nun eigentlich in Aggstein? Sehr viele. Ab Samstag tummelten sich in unserem Lager 13 (!) Leute. Mit nur drei Zelten konnten nicht alle auch im Lager schlafen. Mike und Julia hatten sich mit unserem neuesten Via-Nostra-Mitglied aber ohnehin in einer Pension eingemietet und einige von uns haben in ihren Autos übernachtet. René und ich wanderten in der zweiten Nacht wegen einem hustenden, krächzenden und zeltwandblassen René ebenfalls in eine Pension aus. Schlafplatz war also kein Problem und unsere Sitzgarnitur fasst bequem 13 Leute - ging also auch.

An beiden Tagen kamen dann noch eine Menge Gäste dazu, so zahlreiche Familienangehörige (sogar extra aus dem Burgenland angereist), Jana, Nina, Mike, Linda, Isolde und Stefan. Und natürlich Nachbarn vom Markt, wie die Bocks (Böcke?) oder Zinnmeister Dörr.

Aggstein ist bemerkenswert weil wir noch nie so viele Leute waren.


Es bläst der Wind so kalt ...

Weil auch die Veranstalter ein Fest mit möglichst wenig Konkurrenz möchten, findet Aggstein sehr früh im Jahr statt. Aber es ist um diese Zeit halt auch noch schweinekalt. Ich persönlich habe noch nie auf einem Markt so erbärmlich gefroren wie auf Aggstein.

Dabei hatten wir mit dem Wetter Glück. Das ganze Wochenende war recht sonnig, am Sonntag sogar richtig gut warm. Aber sobald die Sonne weg ist ... selbst mit mehreren Schichten Kleidung wird einem nie wirklich warm. Und wenn man dann in der Nacht vielleicht auch noch einmal auf die Toilette muss, verliert sich sogar noch das bisschen Bettwärme, das man in den vielen, vielen Schichten von Fellen und Decken zusammengezittert hat.

Aggstein ist bemerkenswert weil alle irgendwann einmal gefroren haben.


Liebe geht durch den Magen.

Spinnen mit der Handspindel

Verpflegung. Bei uns nie ein Problem, weil Michi und ihre Kochstelle mit geradezu fanatischer Fürsorge darauf achten, dass nie jemand hungrig bleibt. Griesschmarrn mit Eintopf wird unter Garantie in Erinnerung bleiben. Ebenso wie die himmlisch heiße Eierspeise nach einer durchfrorenen Nacht und die immer wieder einmal spontan auf den Grill hüpfenden Bratwürste.

Wollte dann doch jemand fremdessen (das macht sogar Michi von Zeit zu Zeit ...), wurde man in Aggstein nicht gerade verwöhnt. Der Burggasthof liefert hochpreisige Massenabfertigung mit langen Wartezeiten am Kiosk, der Strudelbäcker Strudel (ja, wirklich) und dann gabs noch irgendwo mittelalterlich betitelte Pizzafladen.

Deshalb ist Aggstein auch dieses Mal wieder bemerkenswert: ein großes Danke und ein Bussi an Michi für das tolle Essen.


Und am anderen Ende?

Und natürlich darf auch hier die sanitäre Situation nicht fehlen.

Die war leider knapp am Katastrophalen. Wenn auch – laut Berichten – besser als letztes Jahr. Vier Dixiklos und die Burgtoilette standen zur Verfügung. Letztere einen halben Wandertag vom Lager entfernt. Wenn man sich nun als Dame in der (saukalten) Nacht erleichtern muss, sollte man sich nicht nur sehr warm anziehen und eine gute Taschenlampe dabei haben, man muss auch mit einem langen Weg über unebenen Boden rechnen. Davon einmal ganz abgesehen waren die Burgtoiletten in der Nacht von Freitag auf Samstag abgesperrt.

Bleiben die Dixies. Sie waren in recht bequemer Entfernung zum Lager platziert, aber es gibt keine Möglichkeit sich vernünftig die Hände zu waschen (von solchen Luxusgütern wie warmem Wasser und Seife rede ich hier schon gar nicht mehr), es gibt in der Nacht kein Licht und es gibt immer dieses wunderbar heimelige Gefühl, auf den Hinterlassenschaften von mindestens 100 Leuten Platz zu nehmen.

Nun kann man bestimmt mit den schwierigen Umständen argumentieren, die auf der Ruine herrschen. Kein Wasser- oder Stromanschluss, kein Kanal. Nehmen wir alles zur Kenntnis. Man muss bei unserem Hobby auch mit so etwas rechnen.

Aber warum lässt man die charmanten Plastiklatrinen nicht am Ende eines geschäftigen Markttages auswechseln? Wäre am Samstag Abend jemand gekommen, der die völlig verdreckten Toiletten mitgenommen und saubere hingestellt hätte, wäre die Situation akzeptabel gewesen.

Aggstein ist bemerkenswert weil die sanitären Grundbedürfnisse noch nie so daneben waren.


Emergency Room

Unsere Lagerapotheke ist ein fixer Bestandteil unserer Ausrüstung. Bisher haben wir sie pro Lager ein- oder zweimal gebraucht.

Ich habe keine Ahnung, woran es gelegen hat, aber in Aggstein war unser Apothekensack in ständigem Einsatz. Ich habe noch nie so viele Pflaster verteilt, Wunden desinfiziert, Salbe auf geschwollene Finger verteilt, und Kopfwehtabletten ausgegeben. Überhaupt waren einige von uns auf die eine oder andere Weise angeschlagen. Schnupfen, Husten, Rückenschmerzen, die oben erwähnten kleineren Verletzungen und Kopfschmerzen. Die starken Temperaturwechsel haben hierbei ganz sicher eine Rolle gespielt, aber abgesehen davon war es wohl einfach Pech.

Aggstein ist bemerkenswert weil wir noch nie so viele gesundheitliche Probleme und Problemchen im Lager hatten.


Schaukampf-Krisenmanagement

Ebendiese Probleme brachten es dann auch mit sich, dass unsere Schaukampfaufführung umgestellt und improvisiert werden musste. Trotz anfänglicher Zweifel hatte aber auch das seine guten Seiten. Weil ein 'normaler' Schaukampf nicht möglich war, verlegten wir uns darauf, den Zuschauern besonders viel zu erklären. Es war ohnehin geplant, einzelne Waffengattungen vorzustellen. Aber nun kamen noch Ausführungen zu deren Handhabung und zum Kampf an sich dazu. Und die Sache kam ganz hervorragend an!

An dieser Stelle möchten wir uns ganz besonders bei Florian bedanken, der als Ersatz für einen der Ausfälle einsprang. Denn bei fünf vorgesehenen Kämpfern wären zwei Ausfälle auch bei dem umgestellten Programm nicht auszugleichen gewesen.

Selbstkritisch muss ich festhalten, dass wir mit dem Kampfplatz völlig daneben lagen. Die abgegrenzte Fläche war viel zu klein, und die Kämpfer konnten mit ihren Waffen den Zuschauern gefährlich nahe kommen. Unsere Lehre daraus: Eine Arena von mindestens 15 Metern Durchmesser und eine doppelte Absperrung (wie in Kaprun) zur Einhaltung eines Sicherheitsabstandes.

Aggstein ist bemerkenswert, weil wir trotz aller Widrigkeiten eine tolle Leistung bringen und den Zuschauern Neues bieten konnten.


Im Interesse der Öffentlichkeit

Als einzige Lagergruppe steht man sehr im Mittelpunkt des Interesses. Das war klar, das war uns bewusst, damit haben wir gerechnet. Dachten wir.

Als dann aber plötzlich Kameramann und Reporterin vom ORF in unserem Lager auftauchten, gewann das mit dem Interesse GANZ neue Dimensionen. Die beiden netten Leute wollten das Lager nämlich nicht nur einfach so mal aufnehmen. Nein. Sie wollten ein Interview, detaillierte Aufnahmen vom Nadelbinden und Spinnen und René beim Verlassen unseres Zeltes (weil er so schön klassisch nach Ritter ausgesehen hat).

Tina als unsere Obfrau und PR-Beauftragte hat ihrer Rolle alle Ehre gemacht und ich denke die Leute vom ORF waren sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Wobei man sagen muss, dass sowohl Kameramann als auch Reporterin nicht nur professionell sondern auch ausgesprochen höflich, freundlich und interessiert waren.

Für uns bedeutet die Sache natürlich vor Allem Ansehen und Werbung. Nur ich ärgere mich immer noch darüber, dass ich in meiner Aufregung ausgerechnet die Spindel mit dem ungleichmäßigsten Faden und dem unsaubersten Lauf erwischt habe.

Aggstein ist bemerkenswert, weil wir nun wirklich nicht damit gerechnet haben im Fernsehen zu landen.


Besuchermassen

Auch die Aufmerksamkeit der Besucher war uns sicher. Schließlich waren wir nicht nur die einzige Lagergruppe, sondern hatte auch einen sehr gut einsehbaren Lagerplatz.

Wir sind daran gewöhnt, bestaunt, fotografiert, gefilmt und befragt zu werden. Aber in Aggstein nahm das schon recht komische Ausmaße an. Gerade am sehr stark besuchten Sonntag passierte doch die eine oder andere Seltsamkeit. Zum Beispiel hatte jemand leichtsinnigerweise unsere Absperrung offen gelassen, worauf eine Karawane von bestimmt 20 Leuten im Gänsemarsch hereinmarschierte, einmal unsere Tische umrundete und wieder hinauswanderte ohne auch nur ein Wort von sich zu geben. Gruselig.

Ein anderer, äußerst interessierter Mensch bat uns darum, das Lager betreten und filmen zu dürfen. Wir haben natürlich ja gesagt. Aber keiner hat damit gerechnet, dass uns der gute Mann die ganze Zeit beim Essen filmt. Ich habe schon fast damit gerechnet, dass der mir jetzt eine Sonde in den Magen stecken will um rauszufinden ob wir Mittelalterdarsteller irgendwie anders verdauen.

Aggstein ist bemerkenswert weil die Leute seltsamer waren als sonst.


Der Markt

Und noch so grundsätzlich zum Markt: Die Zusammenstellung der Stände und Händler war ... kreativ.
Für Mittelalterleute wie uns war leider gar nichts dabei, sieht man von einigen sehr schönen, handgearbeiteten Stücken der Bockschen Werkstatt und des Zinnmeisters und dem wie immer hervorragenden Ziegenkäse der Käsmaus ab.

Die restlichen Händler boten jenen typischen Krimskrams, der leider wie Pilze aus dem Boden schießt, wenn auf einem Plakat irgendwas mit 'Mittelalter' steht. Hässliche pseudokeltische Anhänger und kitschige Gewandung, Dekoschwerter und ein paar Sachen für Kinder. Das Übliche, eben.

Gerade bei einem sehr frühen Markt ist es schade, wenn die Veranstalter die Gelegenheit nicht wahrnehmen, um der Mittelalterszene Einkaufsmöglichkeiten zu bieten. Immerhin liegt Aggstein für einige Ballungszentren der Szene in bequem erreichbarer Nähe.

In Sachen Ramschhändler war Aggstein nicht bemerkenswert - sowas kommt leider dauernd vor.


Fazit

Ich persönlich habe Aggstein trotz aller Widrigkeiten und trotz des Staubes, der immer noch in all unseren Sachen sitzt, genossen. Liebe Leute, gutes Wetter, interessierte Zuschauer und viel, wovon man erzählen kann.

Aggstein ist bemerkenswert.


Christa Schwab, 21.4.2008

 

Borte (Seitenabschluß)