Herbstmarkt Burgruine Aggstein Oktober 2008

Unsere Marktberichte:

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Herbstmarkt Burgruine Aggstein
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Gaudium zur Purg in Purgstall
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Im April wurden wir eingeladen in diesem Jahr noch einmal nach Aggstein zu kommen.
Anfang Oktober.
Anfang Oktober? Kalt, Regen, Wind - was soll daran erstrebenswert sein?
ABER es ist einer der letzten, wenn nicht der letzte Markt der Saison. Also haben wir uns entschlossen, Christines Einladung ein zweites Mal zu folgen.


Durch alle Schwierigkeiten ...

Der Beginn war nicht besonders vielversprechend. Gregor, René und Tina mussten zunächst alleine nach Aggstein fahren und hatten von Anfang an so einige Probleme. Erst verzögert sich das Abholen des Transporters - die Türe des eigentlich reservierten Autos ist kaputt, also bekommen wir ein anderes. Ein größeres. Ein VIEL größeres. Wahrscheinlich hätten wir damit noch vier oder fünf andere Mittelaltervereine samt Ausrüstung nach Aggstein schaffen können. So wurde eben alles so gut wie möglich verstaut und festgezurrt und dann machten sie die drei auf den Weg. Regen, Wind, Hagel, eine durchgehend dunkelgraue Wolkendecke. Dazu dann noch ein hängengebliebener Anhänger auf der Zufahrt zur Ruine, den man gemeinsam beiseite schaffen musste. Nur um dann erst wieder beim Weg zum Lagerplatz fest zu sitzen, weil ein anderes Auto im Weg stand.
Und dann natürlich das schon bekannte Hardcore-Aufbauen auf original Aggsteiner Granit.


Das Sammeln der Horde

Am Nachmittag trafen dann noch Sabine und Michael ein.

Stefan und ich kamen erst gegen sechs Uhr. Wir haben dann beschlossen, Stefans Navi den Göttern zu opfern und seine winzigsten Einzelteile zu Staub zu verarbeiten. Wir könnten es alternativ auch einfach in die Donau werfen oder es von René zum Tode verurteilen lassen. Alles ist besser als das Teufelsding noch einmal auf die Menschheit los zu lassen.

Markus und Michi konnten überhaupt erst Samstag Abend nachkommen, was aber weniger mit Navi als mit Beruf zu tun hatte.


Böses, böses Essen

Freitag Abend waren wir also zu siebt. Wegen des Wetters hatten wir uns für Chili con Carne zum Abendessen entschieden - schon grundsätzlich ganz und gar un-A und dann auch noch fertig aus der Dose (bzw. dem Säckchen). Heiß werden lassen, dazu Tortilla Chips und Brot und dann noch kräftig nachwürzen ... wenigstens ein bisschen Wärme im Mund und im Magen.

Wir sind an diesem Abend alle sehr früh schlafen gegangen. Kalte Nässe lädt nicht zum sitzen bleiben ein.


Wenigstens bleibt man frisch

Ich finde ja, dass jeder einmal die Erfahrung machen sollte, wie es ist, wenn man im Bett liegt und den eigenen Atem sieht. Zum Glück hatten René und ich uns schon sowas gedacht und hatten entsprechend eingepackt. Ein Beispiel: eine Luftmatratze, zwei Felle, zwei Decken, dann ich mit drei Schichten Kleidung, dann noch eine sehr dicke und warme Decke. Das waren meine Vorkehrungen und soweit ich es mitbekommen habe, haben die anderen in ähnlichen Fell-Decken-Nestern übernachtet. Ich habe selten so gut auf einem Markt geschlafen wie auf Aggstein ... warum auch immer.


Geliebtes Feuer

Der Samstag begann trüb und ziemlich kalt. Für uns Damen drängte sich ein "Juhu! Wir dürfen Gebende tragen!" auf, was ja nun wirklich nicht oft vorkommt. Nach einer Runde über den Markt, mit Zwischenstop bei den Schlosstoiletten (die beliebt-bekannten Dixies haben wir uns diesesmal, glaube ich, alle erspart), waren dann auch die Füße wieder warm.

Das Wetter hat sich auch sehr deutlich bei unserem Getränkekonsum gezeigt - wenig Mineralwasser und nur hin und wieder zum Essen einmal einen Radler, dafür war der Kessel mit heißem Wasser über dem ständig brennenden Feuer sehr beliebt. Tee und Kaffee wurde viel getrunken an diesem Wochenende. Daher hier ein großes DANKE an unsere Sabine, die sich die gesamte Zeit über um das Feuer gekümmert hat und es - zum Teil mit pädagogischen Methoden (streng sein!) - am Brennen gehalten hat. Danke auch an alle, die ein Auge auf den Holzvorrat gehabt und bei Bedarf neues geholt haben.


Schaukampfprogramm

Wir hatten in Aggstein auch dieses Mal wieder ein großes Programm mit Schaukampf und Gerichtsverhandlung.

Es war ja immer unser Ziel, den Leuten auch beim Schaukampf etwas mehr zu bieten als zwei Leute, die aufeinander einprügeln. Daher haben wir uns jetzt für einen Kurs entschieden, der sich, so ähnlich, in Aggstein im April schon gut bewährt hat. Wir haben das Konzept noch erweitert und werden es auch weiterhin ausbauen.

Wir erklären, womit ein Anfänger beginnt, kommen dann zu Vor- und Nachteilen diverser Waffenkombinationen und enden mit einigen reinen Freikampfsequenzen um auch die Schnelligkeit und Wucht eines sportlichen Kampfes zu zeigen. Im Anschluss konnte man natürlich wieder die Ausrüstung genauer anschauen und uns Fragen stellen.

Das Programm kommt bei den Zuschauern gut an und ist sehr flexibel. Es kann an die gewünschte Dauer ebenso angepasst werden wie an vorhandene Ausrüstung und zur Verfügung stehende Kämpfer.
Die Moderation haben sich an diesem Wochenende René und Michael geteilt.


Gerichtsverhandlung

René hatte ja ohnehin sehr bewegte Tage, denn für ihn stand nicht nur Moderation und Teilnahme als Kämpfer beim Schaukampf auf dem Programm, sondern auch die Gerichtsverhandlung.

Wie immer haben wir uns dafür einige externe Helfer geholt. Die Herren vom Ordo Teutonicus haben uns dabei tatkräftig sowohl als Darsteller im Fall mit der zu hohen Tür als auch als Wachen zur Seite gestanden.

Außerdem konnten wir diesmal zwei neue Fälle präsentieren. Einmal einen neuen Zechpreller-Fall, bei dem Meister Kolk für uns den Wirt gespielt hat und ein ausgesprochen überzeugender Magnus Wernersson vom Mjöllnir-Clan den Zechpreller.

Außerdem - passend zum diesjährigen Programm von Aggstein - gab es einen sehr ernsten Fall von falschem Gesang, wunderschrecklich vorgetragen von Christian von Haslau, der dafür dann über die Burgmauer gehängt wurde (am Sonntag hat ihn dann aber tatsächlich eine weichherzige Zuschauerin freikaufen wollen - es war sehr lustig).

Apropos Zuschauer: die waren in Aggstein reichlich blutrünstig. René wird wohl in Zukunft darauf verzichten, die Zuschauer nach ihrer Meinung zu fragen, denn die wollten schon einmal die Hand des Zechprellers abgeschlagen sehen und haben sich dann grundsätzlich über zu wenig Blut beschwert. Gut, dass unser Herr Reinhard von Wilenstein normalerweise ein recht milder Richter ist - außer natürlich man stört ihn beim Essen oder begeht ähnlich Unverzeihliches.

Außerdem haben wir diesmal noch den Fall von der geerbten Bibel gezeigt. Ich glaube, am meisten gelitten hat dabei Michael als mein Sohn. Ich entschuldige mich auf diesem Wege noch einmal für die etwas heftige Kopfnuss am Sonntag. Vielleicht sollten wir extra dafür einmal einen Stuntkurs für Schauschlägereien besuchen. Oder er trägt in Zukunft einen Perückenhelm. Ja, ich bin eine Rabenmutter ...


Zuwachs und Improvisationsessen

Im Laufe des Samstags hat sich unsere Lagermannschaft fast verdoppelt. Barbara und Robert aus dem Mittelalter-Treff-Forum haben sich und uns wieder die Ehre gegeben, außerdem Manuela und Jakob und schließlich - wie schon erwähnt - abends noch Markus und Michi. Ich hoffe jetzt, ich habe niemanden vergessen.
Jedenfalls war unser Tisch voll besetzt und ich habe aus Fleisch mit Beilage recht spontan Eintopf mit Fleischeinlage improvisiert, damit auch alle hungrigen Leute etwas zu essen bekommen. Die Nacht war kalt und sternenklar und wir haben uns gut unterhalten, bis die Kälte dann doch unter die (in meinem Fall sechs Schichten dicke) Kleidung gekrochen ist.

Der Sonntag war vergleichsweise warm, mit viel Sonnenschein und etwas Wind. Auch am Sonntag hatten wir viel Besuch: Nina und Michaela, die diesmal in Begleitung von Ninas Momo da waren. Und ja, Momo hat Augen! Ich kann es bestätigen, ich habe zumindest eines gesehen! Nach langen, komplizierten Grabungen in haufenweise schwarzem Fell.

Abgesehen von viel Fell mit Nina dran waren dann noch Andy mit seiner Familie da, auch diesesmal begleitet von Griffin.


In Nomine Patris ...

Ein Höhepunkt am Sonntag war noch die Feldmesse, organisiert vom Ordo Teutonicus. Eine sehr ambientige Angelegenheit, wie ich finde, die ruhig hätte länger sein können. Und es hat ein wenig die Musik gefehlt.
Und ausgesprochen großzügig von den edlen Rittern, dass auch wir Damen das heilige Abendmahl einnehmen durften, wo das ganze doch eine Messe für die Streiter des Herrn war.


Von verschwundenen Wegen und seltsamen Fragen

Das Publikum war - wie schon im April - so ein bisschen gruselig. Irgendwann wäre es wahrscheinlich sinnvoll gewesen, eine Tafel aufzustellen - mit der Aufschrift "Nein, hier gibt es wirklich keinen Wanderweg, der perfiderweise mit unseren Zelten verbaut wurde!"
Und der Kommentar des Tages:
Touristin zu ihrer kleinen Tochter, auf unseren Tisch deutend: "Nein, ich glaub, die verkaufen da nix zu essen. Das ist die Jausenstation für die Ritter."
Michael "Ja, auch 'Esstisch' genannt."
Aber alles in allem waren die Leute sehr begeisterungsfähig und grade am Sonntag hatten wir bei Schaukampf und Gerichtsverhandlung viele Zuschauer.


Markt?

Und dann der Markt. Welcher Markt?
Die Händler waren dünn gesät und für unsereins war - abgesehen von ein paar Kleinigkeiten - kaum Lohnendes dabei. Isi mit ihren Süßigkeiten wurde, wie immer, frequentiert und natürlich der Wilde Wikinger. Eine Fellhändlerin war da und viel üblicher Ramsch. Naja.


Minnesängerwettstreit

Der Minnesängerwettstreit war, so weit wir das mitverfolgen konnten, für die Zuschauer sehr amüsant und wurde vom Publikum auch gut angenommen. Am Samstag nahmen fünf (reguläre) Sänger teil, am Sonntag kam dann noch Arnulf dazu.

Eine witzige Idee für die Abstimmung fanden wir die Wa(h)lnüsse, die die Zuschauer den einzelnen Sängern als Bewertung geben konnten.

Gewonnen hat - unseren Informationen zufolge - Arnulf das Schandmaul.


Endgültig Saisonende

Unbedingt noch erwähnenswert: wir konnten trocken abbauen! Nur die Bodenplanen der Zelte waren noch vom Freitag nass. Es ist schon seltsam, wenn man die Zeltplanen in die Säcke stopft und daran denkt, dass es jetzt einige Monate dauert, bis man sie wieder auspackt.

Den Abbaublues hat man ja ohnehin auf jedem Markt aber auf dem letzten der Saison ist das noch einmal ein wenig heftiger.

Dafür freuen wir uns jetzt schon auf das nächste Jahr.

Was bleibt über Aggstein noch zu sagen? Es war wieder einmal außergewöhnlich.
Kälte und Regen, eine im Nebel versunkene Ruine, matschiger Boden, sonniger Sonntag und endlich wieder einmal trocken abbauen, ein gelungenes Programm und immer wieder Kälte. Wir haben schon beschlossen, jedes Jahr ab jetzt ein Aggstein-Veteranen-Treffen zu veranstalten. Unter dem Motto "Ich war auch dabei!"


DANKE

Und auch hier ein großes Danke an alle, die uns bei der Gerichtsverhandlung unterstützt haben:
Matthäus und Hartwig vom Ordo Teutonicus als Hausbesitzer
Die restlichen Herren des Ordens, die uns als Marktwachen zur Seite standen.
Christian von Haslau vom Ordo Teutonicus und der Bruderschaft der Ordensritter - jener Sänger, der sich brav zweimal zum Tode verurteilen ließ
Meister Kolk als Wirt mit durchaus gutem und gut eingeschenktem Met der Tränke zum wilden Wikinger
Magnus Wernersson vom Mjöllnir-Clans als Zechpreller, dem der Richter seine Hand gelassen hat - aber wahrscheinlich hat er sich beim Abwaschen die Finger wundgearbeitet
... und an Christine Jäger, dass sie uns für den Herbstmarkt nach Aggstein eingeladen hat.

Christa Schwab, 11.10.2008

 

Borte (Seitenabschluß)