Stickerei im 12. Jahrhundert - Beispielsammlung

Vorbemerkungen

Dies ist die Beispielsammlung zum Artikel Stickerei im 12. Jahrhundert - Techniken und Materialien. Hier habe ich aufgelistet, was ich an Beispielen finden konnte. Nicht alle sind schlüssig, was Materialien und Techniken angeht.

An manchen Stellen habe ich (deutlich erkennbar) meine eigene Meinung dazu geschrieben. Zum Beispiel, wenn keine genaue Technik genannt wird, sich aber Schlüsse aus den Fotos ziehen lassen. Und manchmal war keinerlei zusätzliche Information ersichtlich.

Ich würde mich über jede Art von Information oder konstruktiver Kritik zu diesen 'Problemfällen' freuen.


Vorbemerkung zu Beispielen aus "Das Stickereiwerk" von Schütte und Christensen

Hier wird als Stickgrund oft ein 'Seidenköper' angegeben, der sich in neueren Publikationen als Samitbindung herausstellt.


Vorbemerkung zum 'Bildindex für Kunst und Architektur'

Leider kann man zu Bildern im Bildindex nicht direkt verlinken. Ich versuche anderweitig Bilder/Links zu den Objekten zu finden. Ich gebe aber – falls vorhanden - die Bildnummer des Bildindex an, die dann im dortigen Suchfeld eingetragen werden kann.

Beim Bild gibt es dann einen Link zum Dokument, wo auch weitere Bilder zu einem Objekt zu finden sind.


Die Beispiele

1. Der Krönungsmantel (Krönungsgewänder)

Das wohl berühmteste Stück wurde in den königlichen Werkstätten in Sizilien für Roger II gefertigt.
Datierung: 1133/34 für die ursprüngliche Herstellung.
Im Laufe der Zeit wurden kleinere Änderungen vorgenommen. Der Großteil des Mantels ist aber im Originalzustand erhalten.
Der Mantel befindet sich zur Zeit in der Weltlichen Schatzkammer in Wien

Grund: rote Seide, gemustert, Samitbindung, Kermesfärbung
Material: Goldlahn (massives Gold um Seidenseele), Seidengarn in Rot, Hellblau, Gelb, Dunkelbraun, Schwarz, Perlen, Email, Edelsteine
Technik: versenkte Anlegetechnik (Faden 2fach), lineare Perlenstickerei, Kettstich in Farbe für Füllungen

 

Krönungsmantel der Römisch-Deutschen Könige
Bildquelle: Wikimedia Commons

2. Die Tunicella/Dalmatika (Krönungsgewänder)

Ebenfalls in den königlichen Werkstätten hergestellt.
Datierung: 1130 – 1140
Das Kleidungsstück an sich besteht aus violetter Seide in Samitbindung,
Färbung in Waid + Krapp
Die Tunicella befindet sich zur Zeit in der Weltlichen Schatzkammer in Wien

Grund: der selbe Seidensamit wie beim Krönungsmantel
Material: Goldlahn (massives Gold um Seidenseele), Goldröhrchen, die dann platt gehämmert wurden, Perlen, Goldblättchen, Email, Würmchenfiligran
Technik: versenkte Anlegetechnik

 

Detail der Tunicella der Krönungsgewänder der Römisch-Deutschen Könige
Bilder: Christa Schwab

Beschreibung und Bild beim KHM Wien

3. Die Alba (Krönungsgewänder)

Ebenfalls in den königlichen Werkstätten hergestellt.
Datierung: 1181
Das Kleidungsstück an sich besteht aus weißer/cremefarbener Seide, die aber sehr viel jünger ist als die Verzierungen der Alba.
Nur die violetten Teile der Ärmelborten sind Originale aus dem 12. Jhd. Die anderen Stickereien wurden später dazu gefügt.
Die Alba befindet sich zur Zeit in der Weltlichen Schatzkammer in Wien

Grund: violette Seide, Samitbindung
Material: Golddraht (nach d. Sticken flachgehämmert), Perlen, Gimpenfäden (Konturen)
Technik: versenkte Anlegetechnik, Flachstich (Plattstich) und Spaltstich

 

Alba der Krönungsgewänder der Römisch-Deutschen Könige
Bildquelle: (Wikimedia Commons)

4. Die Strümpfe (Caligae) (Krönungsgewänder)

Datierung: 1166 – 1189 (Zeit Wilhelms II)

Grund: kermesrote Seide, Samitbindung
Material: Golddraht (nach dem Sticken flach gehämmert)
Technik: Anlegetechnik

 

KHM Wien (Bild)

5. Mantel Karls des Großen
(Chape de Charlemagne)

Entgegen des Namens hat dieses Stück mit Karl dem Großen gar nichts zu tun.
Datierung: wahrscheinlich Anfang des 13. Jahrhunderts. Bei Schütte und im Ausstellungskatalog zu "Die Zeit der Staufer" wird der Mantel noch mit "um 1200" bzw. "Ende 12., Anfang 13. Jahrhundert" datiert. Die neueste Datierung richtet sich nach der Motivik des Adlers, der eher mit Friedrich II als mit seinen Vorgängern assoziiert wird. Der Mantel gelangte aber auf jeden Fall erst um 1212 mit dem Bischof von Metz zu Friedrich II.
Entstehungsort: Sizilien oder Spanien

Grund: rote Seide, ungemustert, Samitbindung
Material: Goldlahn (vergoldeter Silberfolie, Seidenseele), rote, weiße, blaue, hellgrüne, grüne, hellblaue, schwarze Seide (sowohl Floss, als auch gezwirnt), Gimpenfäden (Pflanzenfasern, fast waagrecht umwickelt mit Flossseide)
Technik: Goldlahn in Anlegetechnik (nicht versenkt, Fäden paarig),
Strukturierung: bei großen Flächen durch die farbigen Überfangungsfäden, bei kleinen Flächen (den Tierdarstellungen): durch gezieltes Hin- und Herführen der Goldfäden. Enden der Metallfäden werden an der Oberfläche untergeschlagen und mit Überfangstichen gehalten.
Seide in Anlegetechnik (schwarz, Flächen mit roten Überfangfäden) bzw. Plattstich
Seide auch in: Spalt-, Platt-, Kett-, und Stielstich - nach der Goldstickerei eingefügt

 


Homepage zur Ausstellung "Die Staufer und Italien" (Bild)

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: fr00345a07

6. Mantel Philips von Schwaben

Datierung: Ende 12. Jhd.
Im Gegensatz zum Krönungsornat und dem Mantel Karls des Großen ist der Mantel Philips von Schwaben Teil einer Grablege. Philip wurde damit im Dom zu Speyer begraben. Daher ist der Mantel auch längst nicht so gut erhalten wie die anderen bereits vorgestellten Stücke.
Der Mantel war ursprünglich aus goldgelber oder gelber Seide, ungemustert, in Samitbindung. Davon sind nur noch wenige Fragmente erhalten.
In diesem Fall wurde nicht direkt auf die Seide des Mantels gestickt sondern es wurden Medaillons separat gestickt und dann appliziert.

Grund: Seide, einfarbig, ungemustert, Samitbindung (Reste von rot, jetzt braun)
Material: violette und braune Seide, Seidenfloss
Goldlahn (vergoldetes Silber, Seidenseele), Überfangungsfäden: Leinenzwirn, weiß;
Seide als Anlegefaden, 2facher Zwirn (keine Drehung der Einzelfäden),
Überfangung für Seide: Seide
Technik: Spaltstich, Stielstich, flächenfüllend 0,1 – 0,5 mm
Anlegetechnik mit Gold, an den Enden versenkt, im Verlauf nur überfangen, Einzelfaden, V-förmig ineinander gesetzte Vorstiche
Anlegetechnik mit Seide als Anlege- und Überfangfaden

 

Bilder nur in "Die Zeit der Staufer" und "Des Kaisers letzte Kleider"

7. Caligae (Strümpfe) Phillips von Schwaben

Datierung: Das Gewebe der Strümpfe wird mit Ende 11. Jhd datiert und ist in sich gemusterte Seide. Im 12. Jhd wurde das Gewebe mit Stickereien nachbearbeitet.
Interessanterweise wurde dabei kein neues Muster aufgestickt sondern das bestehende Muster des Seidengewebes nachgestickt.

Grund (Schäfte): Seide, einfarbig, gemustert, Protolampasbindung
Material: Goldlahn (Gold und Seidenseele), Seide
Technik: Anlegetechnik, nicht versenkt, Einzelfäden
Seide in Plattstich

 

Bilder nur in "Des Kaisers letzte Kleider"

8. Mantel Ottos IV.

Datierung: um 1200
Entstehungsort: Byzanz (Seide), wahrscheinlich England (Stickerei)

Grund: rote Seide, Samitbindung, Leinenfutter (leider geht weder bei Siede/Stauffer noch bei Schütte aus der Beschreibung hervor, ob durch das Leinenfutter durchgestickt wurde, das Leinen also als Verstärkung gedient hat oder ob es lediglich als 'normales' Futter eingenäht ist)
Material: Goldlahn (reines Gold und vergoldetes Silber um Seidenseele)
weiße und schwarze Seide (Seidenzwirn), Leinenzwirn als Anlegefaden
Technik: Anlegetechnik versenkt, Stiel- und Flachstich, Spaltstich

 

Mantel Ottos IV.
Bildquelle: Kulturerbe Niedersachsen

Homepage zur Ausstellung "Die Staufer und Italien" (Bild)

9. Die Löwendalmatika

Datierung: Ende 12. Jhd / um 1200
Entstehungsort: Byzanz (Seide), wahrscheinlich England (Stickerei)
Das Stück steht in enger Verbindung mit dem Mantel Ottos IV.

Grund: Roter Seidensamit
Material: Goldlahn (vergoldetes Silber, gelbliche Seidenseele), Seide in schwarz und weiß
Technik: vers. Anlegetechnik, Stiel- und Flachstich (Plattstich)

 

Bilder nur in "Das Stickereiwerk"

10. Kasel

Datierung: Ende 12. Jhd
Entstehungsort: Byzanz (Stoff), England (Stickerei)
In Material, Technik, Größe und Motiven stimmt die Kasel aufs Engste mit dem Mantel Otto IV. überein.

Grund: purpurfarbener Seidensamit
Material: Goldlahn
Technik: Anlegetechnik, versenkt

 

Bilder nur in "Heinrich der Löwe und seine Zeit"

11. Kasel v. Papst Bonifatius VIII

Datierung: Ende 12. Jhd
Enstehungsort: Sizilien.

Grund: Rote Seidenköper
Material: Goldlahn (2-fach verwendet), Seide in Rot, Weiß, Blau
Technik: Anlegetechnik (ob versenkt oder nicht wird leider nicht angegeben), Spaltstich als Füllstiche, Kettstich (evtl – ist aus der Beschreibung nicht klar ersichtlich)

 

Bilder nur in "Das Stickereiwerk"

12. Kasel von Thomas Becket

Datierung: 1116
Entstehungsort: Almeria, Spanien
Zur Zeit in Fermo (Umbrien)

Grund: Blauer Seidenköper (lt. Von Wilckens Samit)
Material: Goldfaden (Häutchengold), Seide in Rot, Blau, Weiß und Braun
Technik: Anlegetechnik (auch hier keine genaueren Angaben), Kettstich, Spaltstich

 

Bilder nur in "Das Stickereiwerk"

13. Glockenkasel aus St. Paul im Lavanttal

Datierung: Ende 12. Jhd
Entstehungsort: Südwestdeutschland

Grund: Leinen
Material: Seide in Senfgelb, Blaurot, Hellgrün, Zartlila, Hellblau und Braun
Technik: Zopfstich (auch 'geschlossener Kreuznahtstich' – eine frühe Variante des Kreuzstichs),
Kettstich für Binnenzeichnung und Konturen

 

Universität Klagenfurt

14. Nonnenkrone (Bortenkrone mit gestickten Medaillons)

Datierung: Erstes bis zweites Drittel 12. Jhd.
Entstehungsort: Wahrscheinlich Deutschland

Grund: Seide, Lampasbindung
Material: Goldlahn um Seidenseele, Silberlahn um Seidenseele, rotbraune und beigerote (ursprünglich leuchtend rote) Seide (ungezwirnt und gezwirnt), gezwirnter Leinenfaden
Technik: Anlegetechnik (Einzelfäden - versenkt und nicht versenkt),  Fäden wurden später flachgehämmert um eine einheitlichere Oberfläche zu erhalten, Strukturiert durch die versenkten und nicht versenkten Anlegefäden; Es wurden auch Goldfäden über farbige Ausstickungen gesetzt.
Stielstich für sämtliche Konturen. Stielstich wurde auch ÜBER die flachgehämmerte Oberfläche gestickt um die Binnenkonturen zu formen. Ansonsten: Flachstich
Vorzeichnung: in rot, linear

 


Abegg-Stiftung Bern

15. 2 Handschuhbesätze aus Grabfunden im Trierer Dom (Bischofsgräber)

(Im Zusammenhang mit der Nonnenkrone erwähnt)
Datierung: Erstes bis zweites Drittel 12. Jhd

Grund: weiße Seide, Lampasbindung
Material: Seide
Technik: Stiel- und Spaltstich
(Eingefasst mit kleiner, seidener Flechtborte)

 


Kein Bild

16. Stola mit dem Martyrium der Hl. Katharina

Datierung: ca. 1200
Entstehungsort: Rheinland, Deutschland

Grund: Seide mit unterliegendem Leinen
Das sind alle Angaben, die das Museum zu diesem Stück macht. Die folgenden Details habe ich mir selbst aus dem Bild (das man sehr groß zoomen kann) herausgesucht:
Meiner Meinung nach ist das Leinen kein bloßes Futter sondern wurde als Verstärkung der Seide verwendet. Es wurde also auch durch das Leinen durchgestickt. An manchen Stellen kann man sehen, dass der Faden im Leinengewebe verschwindet.
Die rote Seide selbst ist inzwischen fast völlig verschwunden (ich habe sie beim ersten Mal ansehen für rote Stickerei gehalten)
Material: Seide in Hellblau, Mint/Hellblau-Grün, Grün, Weiß/Creme, Hellgold
Technik: Anlegetechnik, nicht versenkt, Spaltstich für Flächen
Die Überfangfäden sind farbig und tragen stark zur Gestaltung der Stickerei bei.
Ich kann auf der gesamten Fläche keine Konturstiche oder Binnenzeichnungen erkennen. Wo die Konturen normalerweise wären, scheint die rote Seide des Stickgrundes durch. Evtl. sind diese Fäden völlig verschwunden? Evtl. wurde die Fläche auch ganz bewusst frei gelassen und der Stickgrund statt eines Konturstiches eingesetzt. Das wäre aber sehr ungewöhnlich im Vergleich zu anderen Stücken.
An den Gesichtern kann man erkennen, dass es zumindest dort Binnenzeichnungen gegeben haben muss.

 

Stola mit dem Martyrium der Hl. Katharina
Bildquelle: Metropolitan Museum of Art

17. Gestickte Besätze aus dem Mainzer Dom

Datierung: nicht ganz klar, aber wahrscheinlich Ende 12., Anfang 13. Jhd,
Entstehungsort: Werkstätten von Palermo

Grund: Seide, Samitbindung
Material: Goldlahn (vergoldetes Silber, Seidenseele), Seidenfaden als Anlegefaden, gezwirnt, Gimpenfäden f. Konturen
Methode: Gold in Anlegetechnik (paarig geführt, nicht versenkt), Spaltstich, Seide in Anlegetechnik bzw. Flachstich
Vorzeichnung: in Grau

 

Bilder nur in "Textile Kostbarkeiten Staufischer Herrscher"

18. Mitra des Kardinals Konrad von Wittelsbach

Darstellung der Steinigung des Hl. Stephanus und der Ermordung des Hl. Thomas Becket
Datierung (Seidengewebe): 12. Jhd
Datierung (Stickerei): um 1200
Entstehungsort: Vorderer Orient/Byzanz (Seide), England (Stickerei)

Grund: Seide in Samitbindung
Material: Goldlahn um Seidenseele, farbige Seide
Technik: Anlegetechnik, versenkt

 

Bayerisches Nationalmuseum
(Keine Permalinks möglich - bitte bei der Suchfunktion
Inv-Nr. T 17 eingeben)

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi07419e08

19. Alba des Thomas Becket

Datierung: 1160 – 1170

Grund: Seide
Material: Goldlahn
Technik: soweit ich das sehen kann, versenkte Anlegetechnik und etwas, das aussieht wie Plattstich in Goldlahn (ich nehme aber an, die Enden sind versenkt und der Stich wurde nicht an der Hinterseite weiter geführt, wie das bei einem klassischen Plattstich der Fall wäre.)

 

Alba von Thomas Becket
Bildquelle: Genevra Kornbluth Photography

Detail der Alba von Thomas Becket
Bildquelle: Genevra Kornbluth Photography

20. Stola – Reliquie des Hl. Bernhard von Clairvaux

Datierung: 1101 – 1200

Vorinformation: dieses Bild habe ich der sehr wissenden Community in der Facebook Gruppe "A-Fraktion Textilverarbeitung" vorgelegt, weil ich das Ganze - entgegen der Bildbeschreibung - eher für eine broschierte Brettchenborte gehalten habe. Die folgenden Informationen sind aus dieser Konversation entstanden:
(An dieser Stelle meinen Dank an Silvia Aisling, Marled Mader, Andrea Wagner-Neumann und natürlich alle anderen, die sich mit Ideen und Gedanken beteiligt haben :))

Grund: Seide (sehr wahrscheinlich Brettchengewebe)
Material: Seide
Technik: KÖNNTE durchaus tatsächlich Stickerei sein. Andere Meinungen sprechen von Sumak-Technik (eine spezielle Technik im Brettchenweben, die z. b. auch beim Gürtel Philips von Schwaben zur Anwendung gekommen ist)

 


Die Stola des hl. Bernhard v. Clairvaux
Bildquelle: Belgian Art Links and Tools

21. Gesticktes Reliquienkissen

Datierung: 1. Hälfte, d. 12.  Jhd.
Entstehungsort: Deutschland

Grund: Weißes Leinen, Köperbindung
Material: in Weiß, Rot, Blau, Gelb (seltsamerweise wird weder im Ausstellungskatalog zu "Die Zeit der Staufer" noch bei Schütte/Christensen die Art des Materials angegeben. Ich gehe vorsichtig von Seide aus.)
Technik: Spaltstich, bedeckend
Vorzeichnung: rot

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi02919b12

22. Fragment Wandbehang

Datierung:  1160 - 70 (Schütte/Christensen setzen 1180 – 1200 an)
Entstehungsort: Niedersachsen, Deutschland

Grund: grobes Leinen, (Leinenbindung?)
Material: Seide (mattgrün, mittel-, dunkelblau, mittel-, dunkelbraun, mattviolett, gelb, gelblich weiß)
Technik: Kettstich, bedeckend

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi09256i13

23. Altardecke

Datierung: 1170-80
Entstehungsort: Rheinland, Deutschland
Das Stück ist leider im 2. Weltkrieg verbrannt! Es sind nur Zeichnungen und Beschreibungen davon erhalten.

Grund: Feines Leinen
Material: Leinen, etwas Seide (teilweise Füllungen)
Technik: Kettenband (Ich nehme an Schütte/Christensen meinen einen offenen Kettstich), Kettenstich, ursprünglich Weißstickerei. Opus Teutonicum (weißes Stickmaterial auf weißem Grund)

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi00186a11

24. Altardecke

Datierung: Ende 12. Jhd
Entstehungsort: Lombardei

Grund: Weißes Leinen
Material: weißes Leinen (soweit das zu erkennen ist. Seeberg hat aber darauf hingewiesen, dass viele Leinenfäden, die heute weiß erscheinen ursprünglich wenigstens teilweise farbig waren)
Technik: Ketten- und Stielstich (Weißstickerei)
(Leider kann man nicht erkennen, was für ein Kettstich das ist)

 

Bilder nur in "Das Stickereiwerk"

25. Seidenstickerei (Zweck leider nicht mehr fest zu machen)

Datierung: 12. Jhd.
Entstehungsort: Rheinland

Grund: Seide
Material: Seide (nehme ich an, da man wohl mit keinem anderen Material – abgesehen von Gold - auf Seidengrund gestickt hätte), weiß
Technik: Offener Kettstich (meiner Meinung nach und nach einer Umfrage in den Facebook-Gruppen "Historische Stickerei", "Historic Hand Embroidery" und "A-Fraktion Textilverarbeitung")

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi01602e09

26.

Tasche
Datierung: 11. – 12. Jhd
Entstehungsort: Frankreich

Grund: Leinen
Material: Seide in Blau, Grün, Rot und Gelb
Technik: Spaltstich

 

Bilder nur in "Das Stickereiwerk"

27. Tasche

Datierung: 1170 – 90
Entstehungsort: ?
Befindet sich zur Zeit im Museé Municipal Alfred Bonno in Paris

Grund: rotes Leinen
Material: Seide
Technik: Für mich sieht es nach Kettstich und Stielstich aus

 

Leider kein verlinkbares Bildmaterial

28. Standarte des San Oth

Datierung: 12. Jhd
Entstehungsort: Nordspanien

Grund: Leinen
Material: Seide in weiß, rot, dunkelblau
Technik: Ketten- und Stielstich

 

Bilder nur in "Das Stickereiwerk"

29. Gestickter Einband eines Evangeliars

Datierung: Mitte 12.
Entstehungsort: Hirsau (Benediktinerkloster Alspach)

Grund: Leinen (Leinenbindung?)
Material: weiße, rote, violette, grüne, gelbe Seide
Technik: Stielstich, Spaltstich, Flachstich, bedeckend
Vorzeichnung: Braune Tusche

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi02984g02

30. Einband eines Epistolars

Datierung: 1. Hälfte d. 12. Jhd.
Entstehungsort: Schwaben (Benediktinerabteil Zwiefalten)

Grund: 
Vorderdeckel: grün/gelber Halb-Seidenstoff, gestreift, Schussköper
Rückendeckel: weinrot
Ursprüngl. eingeschlagene Seitenteile: kariert (violett, grün, rosa, weiß)
Material: Seide, Brokatfaden
Technik: Anlegetechnik, Spaltstich, Stilstich

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi03004e12

31. Fragment eines Wandbehanges oder Altartuchs

Datierung: 1150 – 60
Entstehungsort: Niedersachsen

Grund: Leinen
Material: Seide, Wolle (diverse Farben)
Technik: Kettstich

 


Fragment eines Wandbehanges oder Altartuchs
Bildquelle: Victoria & Albert Museum

32. Fragment eines Wandbehanges oder Altartuchs
(evtl. vom selben Stück wie obiges Fragment)

Datierung: 1150 – 60
Entstehungsort: Niedersachsen

Grund: Leinen
Material: Seide
Technik: Kettstich
(Bei dem obigen Fragment ist auch von Wolle als Material die Rede. Hier scheint die Wolle zu fehlen. Ob das dann tatsächlich das selbe Stück ist?)

 

 

Fragment eines Wandbehanges oder Altartuchs
Bildquelle: Victoria & Albert Museum

33. Fragment (evtl. von einem liturgischen Gewand)

Datierung: 1160 – 90
Entstehungsort: England

Grund: purpurne Seide (einfache Bindung – Leinwandbindung?)
Material: Goldlahn (vergoldetes Silber)
Technick: Anlegetechnik (versenkt), Stielstich

Man kann das Foto leider nicht weiter vergrößern aber es scheint tatsächlich so, als wäre an der unteren Kante mit Goldfaden im Stielstich gestickt worden.
Das ist das erste Mal, dass ich etwa anderes als diverse Anlegetechniken im Zusammenhang mit Goldlahn finde.

 


Fragment (evtl. von einem liturgischen Gewand)
Bildquelle: Vicoria & Albert Museum

34. Band / Borte

Datierung: 1150 – 1200
Entstehungsort: England

Grund: Roter Seidenköper
Material: Goldlahn, Seide
Technik: Anlegetechnik (versenkt), Spaltstich, Stielstich

 

Band oder Borte

Detail des Bands / der Borte
Bildquelle: Vicoria & Albert Museum

35. Zwei Fragmente

Datierung: 12. Jhd
Entstehungsort: Spanien / Byzanz

Grund: Leinen (Leinwandbindung)
Material: rote Seide
Technik: Spaltstich (soweit ich das erkennen kann, könnte auch ein Stielstich dabei sein)

 

Réunion des Musées Nationaux

36. Fragment mit 2 Medaillons

Datierung: 12. Jhd
Entstehungsort: Spanien / Byzanz

Grund: Leinen (Leinwandbindung)
Material: bunte Seide
Technik: flächig ausgeführte Spaltstiche, Stielstich als Konturen (soweit erkennbar)

 

Réunion des Musées Nationaux

37. Stickerei (Apostel)

Datierung: 12. Jhd
Entstehungsort: nicht genannt

Grund: evtl. blaues Leinen (schwer zu erkennen)
Material: bunte Seide, Goldlahn
Technik: Anlegetechnik (ich glaube, nicht versenkt), Technik für Seidenfäden nicht erkennbar

 

Réunion des Musées Nationaux

38. Pontifikalschuhe

Datierung: letztes Viertel 12., erstes Viertel 13. Jhd
Entstehungsort: England / Spanien / Frankreich / Byzanz

Grund: gemusterte Seide (Samitbindung)
Material: Gold- und Silberlahn, bunte Seide
Technik: Anlegetechnik (versenkt), Technik für die Seide (außer als Überfangfaden) nicht erkennbar

 

Réunion des Musées Nationaux

39. Altartuch

Datierung: 1150 – 60
Entstehung: Niedersachsen
(s. Fragmente Nr. 31 und Nr. 32 bezüglich Ähnlichkeiten)

Grund: Leinen
Material: Seide
Technik: falls mit den anderen beiden Fragmenten ident: Kettstich flächig

 

Réunion des Musées Nationaux

40. Pontifikalschuhe

Genau genommen nur teilweise eine Stickerei, aber ein interessantes Stück, das ich euch nicht vorenthalten möchte.
Datierung: 1101 – 1200
Entstehungsort: Italien

Grund: (ursprünglich) dunkelrotes Leder
Material: vergoldetes Leder, Seide
Technik: Applikation mit Stielstichen, Ziernähte

 

Pontifikalschuhe
Bildquelle: Genevra Kornbluth Photography

Pontifikalschuhe (Detail)
Bildquelle: Genevra Kornbluth Photography

Bilder und Beschreibung bei Belgian Art Links and Tools

41. Reste einer Kopfbedeckung

Datierung: spätes 12. Jhd
Enstehungsort: Sizilien

Grund: Seide
Material: Seide
Technik: Wird nicht genannt
(Interessantes Detail: es wird hier unter anderem von gemalten Verzierungen gesprochen!!)

 

Reste einer Kopfbedeckung
Bildquelle: The British Museum

42. Fragment einer Börse oder Tasche

Datierung (unsicher): 12. oder 13. Jhd.

Grund: Leinen
Material: Leinen (meine Annahme! Die Unregelmäßigkeit des Fadens deutet darauf hin)
Technik: leider nicht genau zu erkennen, aber auf jeden Fall eine Zählstickerei

 

Fragment einer Börse oder Tasche
Bildquelle: Belgian Art Links and Tools

43. Dalmatika

Datierung: 1101/1200
Halberstadt, Domschatz

Grund: Seide
Keine weiteren Informationen

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi00773a08

44. Stola

Datierung: um 1200
Aachen, Domschatz

Grund: Seide
Keine weiteren Informationen

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi00011b05

45. Pluviale

Datierung: 1101 – 1200
Halberstadt, Domschatz

Grund: rotes Leinen
Keine weiteren Informationen

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi00773a10

46. Pontifikalschuhe

Datierung: 1146-1155
Hildesheim Domschatz

Grund: Leder
Material: Goldlahn
Technik: Soweit ich das sehen kann, gibt es Ziernähte mit Goldlahn. Die genaue Technik wird nicht erwähnt. Die restlichen Verzierungen halte ich für die in der Beschreibung erwähnte Goldfarbe.

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: dmhds87_01

47. Kasel Bischof Bernhards I

Datierung: um 1200
Entstehungsort: Sizilien (?)
Hildesheim, Basilika St. Godehard

Grund: Seide, Leinen
Material: Goldlahn

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi05773e11

Beschreibung und Bild in der Deutschen Digitalen Bibliothek

48. Kasel (Marienkrönung)

Datierung: 1186-1200
Soest, Kirche

Grund: Seide
Keine weiteren Informationen

 

Bildindex für Kunst und Architektur
Bild-Nr.: mi02919b13

49. Stoffstück von einer Alba

Datierung: 1170 – 1199

Leider keine weiteren Angaben und die Beschriftung unter dem Stück auf dem Foto kann man leider nicht lesen.
Ich lasse es trotzdem – der Vollständigkeit halber – hier stehen.

 

Victoria & Albert Museum

50.

Ausschnitt einer Stickerei

Datierung: 12. Jhd.

Leider keine weiteren Angaben und die Beschriftung unter dem Stück auf dem Foto kann man leider nicht lesen.
Ich lasse es trotzdem – der Vollständigkeit halber – hier stehen.

 

Victoria & Albert Museum

51. Mitra

(Hier bin ich recht unsicher, ob das Stück nicht eher gewebt ist. Zumindest der Bildausschnitt, der in Großaufnahme zur Verfügung steht sieht für mich nicht nach Stickerei aus. Ich hab sie aber dazu genommen, weil es ein österreichisches Stück ist)

Datierung: 12. Jhd
Entstehungsort: möglicherweise Tirol, Österreich

Grund: Seide
Material: Goldlahn

 

Metropolitan Museum of Art

52.

Reitermantel Heinrich II

Datierung: 12. Jhd
Bamberger Domschatz


Grund: Blauer Samit
Material: Goldfaden, bunte Seidenfäden
Technik: Anlegetechnik

Leider machen weder Schütte/Christensen noch von Wilckens genauere Angaben zu dem Stück. Auch findet man ihn keinem der beiden Werke Bilder.


 

2 Bilder bei Wikimedia Commons
Gesamtansicht
Detail

53.

Häubchen König Stefans von Ungarn

Dieses Stück wird bei Siede/Stauffer erwähnt, allerdings gibt es auch dazu kaum Details.

Es ist auf jeden Fall eine Stickerei in Goldlahn und sollen in der Schatzkammer in Wien liegen - dort konnte ich aber nichts dergleichen finden. Ich bleibe dran ...

 

Kein Bildmaterial

54.

Borte

Datierung: sehr vage zwischen 1100 und 1499

Grund: Leinen (Leinwandbindung)
Material: Seide
Technik: Gobelinstich (das und die Tatsache, dass es sich um eine Zählstickerei handelt, was im 12. Jhd selten auftaucht, halte ich persönlich das Stück für jünger als das 12. Jhd.)

 

Rijksmuseum Utrecht

 

Ergänzung Beispiele per 31.07.2016

 

55.

Mitra von Erzbischof Wichmann

Datierung: Leider gibt es hierzu noch keine offizielle Publikation also auch noch keine fixe Datierung. Bei Ausgrabungsarbeiten im Dom von Magdeburg wurde 2010 ein Grab entdeckt, in dem mit größter Wahrscheinlichkeit Erzbischof Wichmann bestattet ist. Er gehörte zu den mächtigsten Kirchenfürsten seiner Zeit und starb 1192.
Es ist also anzunehmen, dass die Mitra ins 12. Jhd datiert werden kann.  Nebenstehend eine Rekonstruktion der Stickerei von Katrin Kania.

Grund: Seide
Material: Goldlahn
Technik: Im Gegensatz zu den sonst üblichen Anlegetechniken wird der Goldlahn in diesem Fall tatsächlich durch den Stoff geführt. Da das nur an vier Stellen notwendig ist, wird der Lahn kaum belastet.
Die restliche Wirkung wird durch das Verflechten des Goldlahns in sich erzielt.
Die Technik ist bisher einzigartig in meiner Beispielsammlung

Diese Art der Stickerei hat Ähnlichkeit mit Flechtstichen, wie sie später, großflächiger, auch in der Renaissance auftauchen. (Beispiel aus dem Victoria & Albert Museum)
Eine etwas entferntere Verwandtschaft besteht wohl auch zu Possamenten, wobei diese komplett unabhängig vom Stickgrund hergestellt und fertig aufgenäht werden.

Weitere Informationen zur Ausgrabung hier: Archäologie Online

 

Nachfertigung eines Ornaments der Mitra des Bischofs Wichmann
Veröffentlichung des Bildes mit freundlicher Genehmigung von Katrin Kania. Aus "Mittelalterliche Goldstickerei - Anleitung für Einsteiger"

56.

Mitra d. Hl. Otto I. von Bamberg

Datierung: gestickte Borte: 4. Viertel 12. Jhd
Entstehungsort: Wahrscheinlich Sizilien (Ähnlichkeiten in der Stickerei zu den Krönungsgewändern)
Liegt zur Zeit im Diözesanmuseum Bamberg

Grund: Roter Seidensamit
Material: Silbervergoldeter Lahn um Seidenseele, Seidengarn in Schwarz für Konturen, Leinenzwirn, weiß, als Anlegefaden, Leinenzwirn, weiße Flussperlen, blaue Glasperlen
Techniken: Spaltstich, Anlegetechnik (welche wird nicht genannt, ich gehe aber den Bildern nach von versenkter Technik aus. Außerdem wird mehrfach auf die Ähnlichkeit zu den Krönungsgewändern hingewiesen, deren Goldstickereien ebenfalls versenkt gestickt sind)
Perlenstickerei über relativ groben Leinenfäden – die Perlen waren also auf die Leinenfäden genäht.

 

Bilder nur in "Die Mitren des hohen Mittelalters"

57.

Mitra aus Kloster Neustift

Datierung: Ende des 2. Drittels 12. Jhd
Entstehungsort: wahrscheinlich Sizilien
Metropolitan Museum of Art

Grund: Gelber Seidensamit
Material: Silbervergoldeter Lahn um Seidenseele, Silberlahn um Seidenseele
Seidengarn in Schwarz
Technik: versenkte Anlegetechnik, Stielstich

 

Bilder nur in "Die Mitren des hohen Mittelalters"

58.

Gestickter Bortenstreifen (Amiktbesatz?)

Datierung: 2. Hälfte 12. Jhd.
Entstehungsort: England (?)
Abegg Stiftung – sehr ähnlich zu einem Streifen, der im Victoria & Albert Museum liegt (s. Beispiel Nr. 34) Eventuell handelt es sich um zwei Teile der selben Borte.

Grund: Ungemusterter Samit, braunrot
Material: Seidenfäden, schwacher Zwirn aus 2 Fäden ohne Drehung in hellrosa, hellgrün, graugrün, hell- und mittelblau, Zwirn auf zwei gedrehten Fäden beige, Zwirn aus zwei gedrehten Fäden, naturweiß (Heftfäden f. Anlegetechnik)
Goldlahn um Seidenseele
Technik: Spaltstich – als Füllstich (0,2 cm Stichlänge), Stilstich – als Konturstich; Versenkte Anlegetechnik, versetzte Überfangstiche

 


Bilder nur in "Mittelalterliche Textilien III"

59.

Manipelfragment mit Christus und zwei Heiligen

Daterung: 2. Hälfte 12. Jhd – frühes 13. Jhd
Entstehungsort: Süditalien, Sizilien (?)
Abegg Stiftung

Grund: 2 Seidengewebe in Kettköper, blau bzw. orange – ursprünglich sicher rot (der orangene Teil ist an einem Ende des Fragments angesetzt)
Material: Seidenfaden, schwach gedreht, in beige, braun, grün, dunkelrot bzw. Seidenzwirn aus 2 Fäden, gedreht, beige (Überfangfaden?)
Silberlahn um gelbe Seidenseele (Der Metallfaden ist stark beschädigt - evtl. handelt es sich auch um vergoldeten Silberlahn – die gelbe Seele würde darauf hindeuten – es lässt sich aber nirgends eine Goldauflage nachweisen.)
Technik: Spaltstich (Stichlänge 0,1 – 0,15 cm) als Füll- und Konturstiche, Spannstiche als Füllstiche.
Anlegetechnik, paarweise mit Überfangfaden fixiert als Konturstich und Füllstich

 


Bilder nur in "Mittelalterliche Textilien III"

60.

Zwei Ausschnitte mit Brustbildern männlicher Heiliger

Datierung: 12. – 13. Jhd
Entstehungsort: Venedig (?)
Abegg Stiftung

Grund: Leinen, vermutlich in Leinwandbindung (lässt sich nicht sicher feststellen), naturweiß
Material: Seidenfäden, schwach, bzw gar nicht gedreht, naturweiß, beige, hell-, mittel-, und dunkelbraun, rot, hell- und mittelblau
Seidenfaden Zwirn aus zwei gedrehten Fäden, beige und braun (als Heftfäden)
Silberlahn vergoldet um Seidenseele
Technik: Spaltstich (Stichlänge 0,05 cm)
Anlegetechnik, paarweise mit Überfangfäden, teilweise in Flechtwerk bzw. Rautenmuster fixiert

 


Bilder nur in "Mittelalterliche Textilien III"

61.

Pontifikalschuh d. Hl. Desiderius

Datierung: 12. Jhd
Entstehungsort: ?
Delémont

Grund: Leder
Material: Lederriemchen, 0,1 cm, vergoldet, Rote Seide ohne Drehung
Technik: Lederriemchen: Anlegetechnik, Seide: Kettstich

 

Bilder nur in "Textilien in Kirchen und Klöstern der Schweiz"

62.

Pontifikalschuh d. Hl. Germanus

Datierung: 12. / 13. Jhd
Entstehungsort: ?
Delémont

Grund: Leder
Material: Rote Seide ohne Drehung
Technik: Kettstich

 

Bilder nur in "Textilien in Kirchen und Klöstern der Schweiz"

63.

Fragment einer Decke

Datierung: romanisch – wird von Schmedding auf Grund der Ähnlichkeit in der Motivik mit der Glockenkasel aus dem Lavanttal verglichen, die Ende des 12. Jhd entstanden ist.
Entstehungsort: evtl. Engelberg

Es wird von Schmedding darauf hingewiesen, dass solche Textilien kaum erhalten sind, weil es sich dabei um Gebrauchstextilien handelt, die man selten aufbewahrt hat.

Grund: Leinen
Material: Leinen, weiß
Technik: Hexenstich (geometrische Muster), Stielstich (vegetabile Muster)
Leider wird hier nicht erwähnt ob es sich um einen normalen Hexenstich oder um den eng verwandten Kreuznahtstich handelt.

 

Bilder nur in "Textilien in Kirchen und Klöstern der Schweiz"

 

64.

Albe des Heiligen Hugo

Datierung: 12. Jhd
Entstehungsort: ?
La Valsainte bei Charmey

Grund: Leinen, leinwandbindig, weiß
Material: Weißstickerei: Leinen, weiß
Durchbrucharbeit: Leinen, weiß
Seidenstickerei. Seide, gelb und grün
Technik: Weißstickerei: Steppstich (Rückstich) in 2 oder 3 parallelen Reihen (nebeneinander gesetzt) lineare Motive (Zwickel oberhalb der Geren, Nacken- und Schulterlinie, um den Ausschnitt herum) Rückstich als Stickstich kommt nur bei diesem Stück vor und ist damit einzigartig unter den bisherigen Beispielen.

Durchbrucharbeit: Schlingenstiche – je 3 Kett- und Schussfäden zusammengezogen, so dass ein durchbrochenes Gitter mit breiten Stegen und schmalen Öffnungen entsteht. (auf den Ärmelmanschetten) – leider gibt es keine Großaufnahme der Ärmel, so dass der genaue Effekt nicht ersichtlich ist.
Bei moderner Durchbruchstickerei wird für gewöhnlich ein Teil des Gewebes entfernt, zum Beispiel in dem Fäden gezogen werden oder Teile des Stoffes nach dem Sticken herausgeschnitten werden. In der Beschreibung der Albe kommt nichts dergleichen vor, daher gehe ich davon aus, dass tatsächlich nur durch das Zusammenziehen der Fäden Durchbrüche erzeugt wurden.
Auch diese Art der Stickerei ist bisher einzigartig unter meinen Beispielen.

Seidenstickerei: wird leider nicht genauer beschrieben. Es sind nur noch wenige Reste am Halsausschnitt erhalten

 

Bilder nur in "Textilien in Kirchen und Klöstern der Schweiz"


Literatur und Bildmaterial

  • Luckardt, Jochen, Franz  Niehoff (Hrsg.), "Heinrich der Löwe und seine Zeit - Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125 - 1235" Katalog der Ausstellung Braunschweig 1995, Band 1 - Katalog, Hirmer Verlag, München, 1995
  • Blöcher, Heidi "Die Mitren des hohen Mittelalters", Abegg-Stiftung, 2012
  • Brüggen, Elke "Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts", Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg, 1989
  • Grönwoldt, Ruth "Stickereien von der Vorzeit bis zur Gegenwart: aus dem Besitz des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Schlösser Ludwigsburg, Solitude und Monrepos", Württembergisches Landesmuseum Stuttgart und Hirner Verlag, München, 1993
  • Historisches Museum der Pfalz Speyer (Hrsg.) "Des Kaisers letzte Kleider – Neue Forschungen zu den organischen Funden aus den Herrschergräbern im Dom zu Speyer" Begleitbuch zur Ausstellung, Historisches Museum der Pfalz Speyer, 2011
  • Kania, Katrin "Mittelalterliche Goldstickerei - Anleitung für Einsteiger", Eigenverlag, 2015
  • Keupp, Jan "Mode im Mittelalter", Primus Verlag, Darmstadt 2011
  • Siede, Irmgard, Annemarie Stauffer (Hrsg.) "Textile Kostbarkeiten Staufischer Herrscher – Werkstätten, Bilder, Funktion", Tagungsband zum internationalen Kolloquium im Rahmen der Ausstellung ,Die Staufer und ltalien" am 20. und 21. Januar 2011 in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2014
  • Haussherr, Reiner, Christian Väterlein "Die Zeit der Staufer – Geschichte - Kunst – Kultur" Katalog der Ausstellung Stuttgart 1977, Band 1, Würtembergisches Landesmuseum, Stuttgart, 1979
  • Wieczorek, Alfried, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.) "Die Staufer und Italien – Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa" Band 1
  • Egan, Geoff "The Medieval Houshold – Daily Living c. 1150 – 1450" Medieval Finds from Excavations in London, Boydell Press, Museum of London, London, 2012
  • Egan. Geoff, Frances Pritchard "Dress Accessories 1150 – 1450" Medieval Finds from Excavations in London, Boydell Press, Museum of London, London 2002
  • Walton Rogers, Penelope "Textile Production at 16-22 Coppergate" The Archaeology of York – Volume 17: The Small Finds, Council of British Archaeology, York, 1997
  • Ottaway, Patrick, Nicola Rogers "Craft, Industry and Everyday Life: Finds from Medieval York." The Archaeology of York – The Small Finds 17/15, Published for the York Archaeology Trust by the Council for British Archaeology, 2002
  • Von Wilckens, Leonie "Die textilen Künste. Von der Spätantike bis zum 1500", C.H.Beck, 1991
  • Wetter, Evelin "Mittelalterliche Textilien III. Stickereien bis zum 1500 und figürlich gewebte Borten" Textilsammlung der Abegg-Stiftung Band 6, 2012
  • Schuette, Marie, Sigrid Müller-Christensen "Das Stickereiwerk", Verlag Ernst Wasmuth, Tübigen, 1963
  • Schmedding, Brigitta "Mittelalterliche Textilien in Kirchen und Klöstern der Schweiz", Schriften der Abegg-Stifung, Stämpfli Verlag, 1978
  • Seeberg, Stefanie "Textile Bildwerke im Kirchenraum - Leinenstickerei im Kontext mittelalterlicher Raumausstattungen aus dem Prämonstratenserinnenklsoter Albenberg/Lahn", Michael Imhof Verlag, 2014
  • Staniland, Kay "Medieval Craftsmen - Embroiderers", British Museum Press, 1993
  • Green, Monica H. (Ed.) "The Trotula - An English Translation of the Medieval Compendium of Women's Medicine" University of Pennsylvania Press, Philadelphia, 2002
  • Bayerisches Nationalmuseum
  • The Metropolitan Museum of Art
  • The Victoria and Albert Museum
  • Staatliche Museen Berlin
  • Réunion des Musées – Bildarchiv der Französischen Nationalmuseen
  • The British Museum
  • Deutscher Bildindex für Kunst und Architektur
  • Rijksmuseum – Museum der Niederlande
  • Historical Needlework Resources
  • Deutsche Digitale Bibliothek – Kunst und Kultur Online
  • Kulturelles Erbe Köln
  • Genevra Kornbluth Photography
  • Die Staufer und Italien (Homepage)
  • Bildindex des Kunsthistorischen Museums Wien
  • Universität Klagenfurt
  • Wikimedia Commons


Christa Schwab, 31.7.2016

 

Borte (Seitenabschluß)