Nadelbinden

Das Nadelbinden (oder auch Naalbinding) ist eine sehr alte Technik der Wollverarbeitung. Aus heutiger Sicht ist es vergleichbar mit Stricken oder Häkeln, allerdings besteht das fertige Gewebe nicht aus Maschen, sondern aus Knoten.

Das Nadelbinden gab es schon in der Bronzezeit und war in Europa bis ins Mittelalter verbreitet. Funde gibt es von Nordeuropa bis Ägypten. Erst im 14. Jahrhundert wurde die Technik durch Stricken, das aus dem arabischen Raum kam, verdrängt. In skandinavischen Ländern konnte das Naalbinding jedoch überleben und kommt nun auch in Zentraleuropa durch das Reenactment zu einem Comeback.

Im 12. Jahrhundert scheint man vorrangig Socken und Strümpfe, aber auch Fäustlinge in dieser Technik hergestellt zu haben. Es gibt auch einen Fund einer Mütze aus dieser Zeit. Aber wie immer sind die Funde spärlich.


Material

Alles was man braucht, sind eine Nadel und ein Wollfaden.

Eine Naalbinding-Nadel sieht aus wie eine überdimensionale Nähnadel und besteht meist aus Holz, kann aber auch aus Knochen, Horn oder Geweih sein. Es gibt keine fix vorgegebenen Größen, die eine solche Nadel haben muss, aber die Länge liegt in den meisten Fällen zwischen 8 und 10 cm, die Dicke auf der Höhe des Öhrs etwa bei 0,5 cm.

Für Nadelbinden geeignete Wolle
Für Nadelbinden geeignete Wolle

Im Prinzip bestimmt das Material die Größe und genaue Form von Nadel und Öhr, allerdings sollte die Nadel gut in der Hand liegen und das Öhr muss groß genug sein um einen Wollfaden mehrfach aufnehmen zu können.

Genadelt wird ausschließlich mit reiner Schafwolle, da man beim Nadelbinden keinen Endlosfaden verwenden kann (wie beim Stricken oder Häkeln) und daher immer wieder ein neuer Faden angefilzt werden muss. Moderne Wolle eignet sich nicht für das Nadelbinden. Meine ersten Trockenübungen um mich an die Technik heran zu tasten habe ich zwar mit moderner Wolle gestartet, aber vom Ansetzen des neuen Faden abgesehen wird auch das Gewebe nicht so dicht und fest wie mit Schafwolle.


Grundlagen und Stiche

Nadelbinden - Durchziehen der Nadel durch die Schlaufen

Nadelbinden - ein Stück fertiges Gewebe
Nadelbinden - Ein Detail zum Durchziehen der Nadel durch die Schlaufen und ein Stück fertiges Gewebe

Für den Ersteinstieg und detaillierte Beschreibungen der verschiedenen Stiche und des Anfügen neuer Fäden verweise ich an diese Stelle auf die Seite zum Thema Nadelbinden bei www.flinkhand.de, denn dort ist alles was man wissen muss, gut und verständlich beschrieben, ja man findet über das Forum sogar Videos die verschiedene Stiche in Bild und Ton veranschaulichen.

So viel sei aber gesagt:
Grundsätzlich wird der Faden durch Schlaufen geführt und so zu einer Reihe von Knoten geschlungen. Man arbeitet mit einem Wollfaden, dessen Länge man nach Geschmack und Geschick wählt (auch die längsten Arme sind irgendwann zu Ende). Hier kommt einem das große Nadelöhr zugute, denn es erlaubt einem, den Faden öfter durch das Öhr zu fädeln. Wenn man mehrere lange Schlaufen durch die Nadel führt, kann man längere Fäden verwenden und muss weniger oft neue ansetzen. Allerdings muss man darauf achten, dass man keine Knoten in die vielen Fäden bekommt, die man ja immer wieder durch die kleinen Schlaufen führen muss.

Ist der Faden erfolgreich zu einem festen Gewebe verarbeitet, wird ein neuer angefilzt. Ich selber verwende im Moment Fäden von ca. 3 Metern Länge, aber ich denke jeder muss selber herausfinden, womit er sich wohl fühlt und am schnellsten ist.

Es gibt verschiedene Stiche, wie zum Beispiel den Oslo-, den York- und den Aslestich, außerdem kann man ein Stück schmäler oder breiter werden lassen, man kann Löcher einarbeiten um z.B. eine Schnürung einzufädeln. Man kann das Werkstück als Schlauch nadeln (Socken und Stulpen) oder als Spirale (Ausgangspunkt für Mützen und Kappen). Es wird viel nach Gefühl und Augenmaß gearbeitet, weniger nach strikten Anleitungen.


Eigene Erfahrungen

Was ich an dieser Technik schätze ist das sehr schöne, dichte Gewebe. Außerdem hat Nadelgebundenes einen großen Vorteil Gestricktem oder Gehäkeltem gegenüber: es kann sich nicht auftrennen, da es ja aus einer Reihe von Knoten und nicht aus Maschen besteht. Es bleibt also auch stabil, wenn es ein Loch abbekommt.


Tina Papst / Christa Schwab

 

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