'Vertorxt' - Die Premiere des Kabarettprogramm von Torxes im Cembrankeller

Wir hatten gehört, dass im Linzer Cembrankeller ein Narr und anderes liederliches Volk sein Unwesen treibt. Angeblich sollte der Narr sich über die Mittelalterszene auslassen, ihr - in alter Narrentradition - den Spiegel vorhalten. Und das auch noch unterstützt von unserer neuen Lieblings-Boyband Rhiannon ... das konnten wir uns nicht entgehen lassen.

Also haben wir uns zusammengefunden und beschlossen uns das Treiben - natürlich aus sittsamer Entfernung - anzusehen.

Ingesamt waren fünf Via-Nostra-Mitglieder, plus unserer Gäste Nina, Stefan und Isolde anwesend. So stieg also eine achtköpfige, gewandete Gruppe mit gebotener Vorsicht in die uralten Keller hinunter. Ein überraschend hohes Gewölbe mit Wänden aus Ziegel und Stein erwartete uns. Auf dem leicht abschüssigen Boden waren Sessel aufgestellt, vorne, neben der Bar, eine winzige Bühne (Zitat Torxes: 'Die Bretter, die die Welt bedeuten ... oder sechs aufeinander gestapelte Paletten')

Alles in Allem war der Eindruck ... hm ... urig (man möge mir den nicht sonderlich literarischen Ausdruck verzeihen aber das trifft es wirklich am Besten).


Überraschungsgeschenk für Gewandete

Weil wir unsere Karten schon im Vorverkauf bestellt hatten, haben wir als Gewandete noch einen Gutschein für ein Glas Met bekommen. Eine schöne Idee des Veranstalters. Und ein ganz ausgezeichneter Met, übrigens.


Kommt noch jemand?

Voller Saal im Cembrankeller
Voller Saal im Cembrankeller.

Honigwein nippend haben wir uns also Plätze ausgesucht und uns erst einmal hingesetzt. So langsam füllte sich der Raum dann auch ... und füllte sich ... und füllte sich. Laut Alex vom Veranstalter Stupor Mundi, waren es ca 100 Gäste. Für eine Veranstaltung mit so speziellem Zielpublikum eine SEHR respektable Menge. Die Sesselreihen waren komplett gefüllt und so einige Leute hatten sich auch noch an den um die Ecke aufgestellten Tischen niedergelassen.

Wikinger, Kelten, Mittelalter, Fantasy und ungewandete Gäste - ich denke, die oberösterreichische Mittelalterszene war recht gut vertreten.


Begleitmusilk von Rhiannon ...

Mittelalter-Boygroup Rhiannon
Mittelalter-Boygroup Rhiannon mit Verstärkung.

Rhiannon haben den Abend schließlich eröffnet. Leider gab es am Anfang noch recht viel Hintergrundgemurmel, weshalb die zu Beginn leiseren Töne von Raban & Crew etwas untergegangen sind. Dabei hätte ich persönlich Laute und Gesang besonders interessant gefunden.

Aber es kann nun wirklich keiner behaupten, dass die jungen Herrn sich nicht gegen ein paar Hintergrundmurmler durchsetzen könnten. Spätestens wenn die Dudelsäcke zur Hand genommen werden und das Blumenrind aufgewacht ist, haben auch Hintergrundschreier kaum noch eine Chance.

Für den ganzen restlichen Abend gilt: Es war laut, wild und sehr gekonnt.

Falls nach dem gestrigen Abend jemand noch das eine oder andere Testosteron auf der Bühne im Cembrankeller findet, darf er es behalten - Rhiannon haben wirklich genug davon.


... und Angus von Ardingen.

Angus von Ardingen
Barde Angus von Ardingen mit Begleitung.

Torxes
Torxes

Ein Überraschungsgast war Angus der Barde, und er hat sich dann auch nicht lange bitten lassen und seinen Teil zur Unterhaltung beigetragen. Anders als bei Rhiannon hat er vor allem viel amüsanten Text zu bekannten Melodien geboten 'An der Nordeeküste' (bzw. 'The wild Rover') mit Mittelalterbezug? Geht nicht? Falsch. Angus' 'Sarazenenlied' beweist höchst unterhaltsam das Gegenteil.

Wenn auch nicht so tongewaltig wie die Rhiannonboys, zeigte Angus eine andere Facette der musikalischen Mittelalterszene. Eine gelungene Überraschung und Abwechslung.


Torxes!

Torxes. Was soll man dazu noch sagen? Du bist a Naahaaarr! Du bist a Naaahaarr!
Und das meine ich jetzt im ältesten und besten Sinne. Ein sehr gelungenes Programm, wie die Begeisterungsstürme des Publikums immer wieder bewiesen.

Ein paar kleine Kritikpunkte: Die Scherze um Styx waren ein bisschen ZU insiderlastig und vor allem etwas zu lang für meinen Geschmack. Es wäre besser gewesen, ein wenig mehr zu allgemeineren Themen zu sagen, wie zum Beispiel die Das-sollte-man-auf-einem-MA-Markt-nie-sagen-Rubrik.

Für die paar Leute im Publikum, die nicht zur Szene gehörten war das Programm wahrscheinlich sterbenslangweilig. Aber wir haben uns ganz wunderbar amüsiert.

Wir werden die Details zu 'Ritter S' natürlich sofort weitergeben - wahrscheinlich ist der Narr dann bald ein oder zwei Hörnchen kürzer.


Das i-Tüpfelchen: Mittelalterliches Essen

Die Brotteller der Narrenküche
Die Brotteller der Narrenküche. (Ob die auch Narren kochen?)

Eine Besonderheit, mit der wir nicht gerechnet hatten, war das mittelalterliche Essen von der Narrenküche. Die Preise waren absolut OK, der Geschmack ausgezeichnet und die wunderbaren Teller haben das Ganze wirklich über alles hinausgehoben, was ich bisher erlebt habe. Wir alle kennen ja die Suppen in Brot - aber hier gab es Teller aus festem Brotteig. Ein großes Kompliment an die Köche für die viele Arbeit und das wunderbare Ergebnis! (Und ich muss mir da dringend das Rezept für die Pastetenfüllung geben lassen.)


Fazit

Gute Musik, viel Spaß, gutes Essen, nette Leute - was kann man von einem Abend mehr erwarten? Vielen Dank, Stupor Mundi. Wir waren begeistert und wünschen uns eine baldige Wiederholung.

Christa Schwab, 4.4.2008


Die Fotos in diesem Artikel stammen von Florian Machl, der sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

 

Borte (Seitenabschluß)