Nachtwächterführung durch Linz

23.9.2011

Nachtwächterführungen in Linz sind ausgesprochen beliebt. Das wusste ich schon. Meine Eltern haben eine mitgemacht und auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es viele, die sich so einer Führung schon angeschlossen haben. Tatsächlich sind – laut Aussage des Ersten Linzer Nachtwächters, Herrn Wolfgang Liegl – der Großteil der Interessierten Einheimische.

Da ist es doch klar, dass auch wir mit unserem historischen Interesse an so einer nächtlichen Führung unbedingt einmal teilnehmen wollten. Als sich Sandra von den Burgaere Lintze dann bereit erklärt hat, eine Führung zu organisieren, haben wir uns natürlich sofort und gerne angeschlossen.

Unsere Gruppe umfasste schließlich an die 30 Leute. Eine Gruppe quer durchs Mittelalter, könnte man sagen, denn wir hatten mit Furor Celticus das Frühmittelalter dabei, mit uns und den Burgaere Lintze das Hochmittelalter und mit einer Abordnung von Cognatio Draconis das Spätmittelalter. Und ja – fast alle waren in Gewandung! (Ich war eine von den Fast-Gewandeten, fürchte ich. Wegen fehlender Zeit bin ich dann doch, schweren Herzens, in 'zivil' hingegangen.)

Die Gruppe auf dem 'Alten Markt'

Die Führung sollte um 20.30 beginnen, hat sich dann aber etwas verschoben, so dass wir schließlich um 21.00 Uhr vor dem Alten Rathaus weggegangen sind.

Geführt wurden wir von dem oben bereits erwähnten Ersten Linzer Nachtwächter Wolfgang Liegl. Herr Liegl ist der erste Führer dieser Art, der sein historisches Hobby auch zum Beruf machen konnte.

Der Hinterhof mit dem Rest der alten Stadtmauer.Die Gruppe in einem der Höfe hinter dem Hauptplatz, in dem es den letzten Rest der ersten Linzer Stadtmauer gibt.

Im Vorfeld hatte er sich zwar darüber informiert, was für eine Gruppe er da führen wird, aber er war dann doch sowohl überrascht als auch begeistert als er die große Anzahl an Gewandeten gesehen hat. Entsprechend hat sich dann die Führung von geplanten 1,5 Std auch auf 2,5 Stunden verlängert. Herr Liegl hat ausführlicher erzählt als sonst, hat auch schon mehr Zeit für die Führung und auch eine kleine Besonderheit mit eingeplant. Aber dazu später.

Gegliedert ist die Führung durch den Verlauf der ehemaligen Linzer Stadtmauern und durch die dazugehörigen Tore. Leider sind von der Stadtmauer nur noch zwei Reste erhalten und von den Toren nur noch das des Landhauses.

Zunächst hat uns unser Weg also vom Hauptplatz aus die Hofgasse hinauf geführt und dann in einer kleinen Runde über den Alten Markt, den Tummelplatz und die Klosterstraße wieder zurück auf den Hauptplatz.

Dann durch einen Durchgang in einem der Häuser am Hauptplatz (der Durchgang wo auch El Greco und das Irish Pub sind)  in den Innenhof dahinter. Dort steht nämlich eines der beiden noch erhaltenen Stücke der Stadtmauer. Man muss wissen, dass es die Stadtmauer ist. Leider gibt es weder ein Schild noch eine Tafel mit einem Hinweis auf die historische Bedeutung dieser Mauer.

Schließlich sind wir quer über den Hauptplatz Richtung Stadtpfarrkirche gegangen, einmal um die Kirche herum und dann in die Kirche hinein. Regulär in der Führung enthalten ist ein Aufstieg in den Turm bis zu dem umlaufenden Balkon unterhalb der Uhr.

Für uns hat Herr Liegl hier die oben erwähnte Besonderheit eingebaut und wir durften  - eingeteilt in kleinere Gruppen – auch einen Blick in den Dachboden der Kirche werfen. Wobei Dachboden hier eigentlich missverständlich ist, denn es handelt sich lediglich um einen hölzernen Steg, der quer durch den Dachstuhl und über die Gewölbe des Kirchenschiffes hinweg führt. Seltene Einblicke in die Baukunst des Mittelalters.

Beendet wurde die Führung dann wieder außerhalb der Kirche bzw. vor dem Gasthaus, in dem wir dann noch gegessen haben.

Die Gruppe im Turm der StadtpfarrkircheDie Gruppe im Turm der Stadtpfarrkirche

Vier der sieben Glocken der Stadtpfarrkirche.Vier der sieben Glocken der Stadtpfarrkirche

Den ganzen Weg über hat Herr Liegl uns ausführlich und interessant alle möglichen Kleinigkeiten, Besonderheiten, historische Tatsachen und auch G'schichtln erzählt. Dazu kommt, dass er uns immer wieder die Zeit gelassen hat, Fragen zu stellen und diese so umfassend beantwortet hat, wie das in dem Rahmen eben möglich war.

Der Weg war letztlich nicht weit. Wer sich in der Linzer Altstadt ein bisschen auskennt, wird wissen, dass es – Alles in Allem – vielleicht 15 Minuten Fußweg sind, die wir zurück gelegt haben. Umso bezeichnender ist, dass die Führung 2,5 Stunden gedauert hat! Selbst wenn man die Wartezeiten abzieht, die sich ergeben, wenn man mit so einer großen Gruppe über enge Treppchen und Türchen in einen alten Turm einsteigt, kann man sich vorstellen, was dabei an Information vermittelt wurde und wie viel Zeit wir hatten, uns gründlich umzusehen.

Und dann natürlich die Sache mit der Gewandung. 30 Gewandete an einem angenehmen, sternenklaren Freitagabend in der Linzer Altstadt. Man kann sich vorstellen, wie amüsant es wieder einmal war, die Blicke und Kommentare der 'normalen' Leute mit zu bekommen.

Und ebenfalls wie immer waren nicht alle Kommentare schmeichelhaft. Aber einmal wurden wir auch sehr freundlich und höflich angesprochen und gefragt, warum wir so ausschauen, wie wir ausschauen. Dann outen wir uns natürlich auch gerne und das Interesse war sichtlich. Vielleicht wieder jemand angesteckt?

Zum Abschluss ging es dann zu unserem Nachtwächtermahl. Das Essen kann mitgebucht werden und findet im Anschluss an die Führung statt. Bis zum Essen war es dann schon fast Mitternacht und die Gulaschsuppe war ein Lebensretter.

Wir sind noch ein wenig sitzen geblieben und haben uns miteinander und mit dem Herrn Nachtwächter unterhalten. Dann hat sich die Gruppe aber recht schnell aufgelöst. Da auch einige Kinder dabei waren, die dann schon mehr oder weniger im Sitzen eingeschlafen sind, war das auch nur zu verständlich. 

Mir persönlich hat es ausgesprochen gut gefallen. Gefehlt hat mir nur ein wenig die zeitlich genaue Einordnung mancher Ereignisse, Bräuche und Tatsachen. Aber das hat wohl vor Allem damit zu tun, dass unsereins eben den Begriff 'Mittelalter' weit differenzierter sieht als der Durchschnittsteilnehmer an so einer Führung. Diese Details ständig zu vermitteln hätte wohl auch den Rahmen gesprengt aber Herr Liegl hat uns angeboten, dass wir ihn natürlich zu allem noch einmal kontaktieren und genauer nachfragen dürfen.

Mit € 13,- für die Führung und das Essen war das Alles auch sehr leistbar und ist wirklich empfehlenswert.

Leider hatten von unserem Verein nur René und ich Zeit, die Führung mitzumachen aber wir wollen demnächst versuchen, eine weitere Führung – diesmal durch die Linzer Innenhöfe - zu organisieren und hoffen, dass wir dann einen günstigeren Termin zustande bringen, bei dem auch mehr Via-Nostra-Leute mitkommen können.


Christa Schwab, 27.9.2011

Borte (Seitenabschluß)