Handarbeitstag am 10.03.2012

Gemeinsam geht Vieles leichter. Das ist kein leerer Spruch, wenn es um die Ausrüstungen geht. Einige von uns können gut mit Holz umgehen, für andere ist Stoff das bevorzugte Handwerksmaterial.

Im vergangenen Sommer haben wir unser Mobiliar aufgestockt, diesmal hat sich unser Basteltag ganz und gar um Stoff und Handarbeiten gedreht.

Gewandung nähen war also das Hauptthema.


Die Location

Christian war so nett, uns für dieses Treffen einzuladen und so haben wir uns mitten in der wilden Gegend nördlich von Perg getroffen. Wir haben uns darauf geeinigt, den Weg das nächste Mal auszuschildern. ALLE haben sich mehr oder weniger oft verfahren. Aber letztlich sind dann doch die Meisten von uns zwischen zehn und elf Uhr vormittags vor Ort gewesen um wirklich genug Zeit zum Arbeiten zu haben.


Gewandung in Teamarbeit

Ein Übergewand für die Handwerkerdarstellung von Julian war ein Ziel. Antje hat sich dieser Aufgabe angenommen. Was aber ganz und gar nicht bedeutet hat, dass Julian nur daneben gesessen wäre. Abgesehen von Hilfe beim Zuschneiden hat er sich mit Todesverachtung der Aufgabe gewidmet, alle sichtbaren Nähte mit der Hand zu nähen! Eine Mission, die man am Ende des Tages auch als erfolgreich abhaken konnte – wenn Julian auch sichtlich gelitten hat …

Ein weiteres Projekt galt einem Untergewand für die lange Cotta von Christian. In diesem Fall hat Sabine die Nähmaschine beim Schopf gepackt und sich um die Umsetzung gekümmert. Obwohl die Maschine zickig war, gab es doch ein sehr schönes Endprodukt, das sich sehen lassen kann! Auch in diesem Fall war das gute Stück eine Teamarbeit – gemeinsames Zuschneiden und dann hat sich Christian sogar an die Nähmaschine getraut und sich erfolgreich mit ihr angefreundet.

Christian beim Zuschneiden seines neuen Untergewands. Christian beim Nähen seines neuen Untergewands.
Christian beim Zuschneiden und Nähen seines neuen Untergewands...


Ein paar ganz und gar züchtige Gedanken über Männerunterhosen

Außerdem gab es an diesem Handarbeitstag ein Bruchen-Versuchsstück für René nach einem Schnitt von den Burgaere Lintze. Ein gewaltiges Stück Stoff ist das!

Die ausgelegte Bruche.
Ausgelegt sieht man die gewaltige Größe der Bruche. Eher zweifelnd betrachten wir das Stück. Ob das wirklich stimmt?

Die Bruche - noch nicht ganz fertig aber schon mal angezogen.
Angezogen kann man die zukünftige Form erahnen, auch wenn sie noch nicht ganz fertig ist und noch einige Änderungen gemacht werden müssen.

Und ich frage mich ehrlich gesagt immer noch, warum diese Bruchen so geschnitten sind, wie sie geschnitten sind. Im Mittelalter hat man Stoff gespart, wo es nur ging. Man hat extra Schnittmethoden entwickelt, um so wenig Stoff wie möglich zu brauchen. Und dann wird bei der Unterhose (!) die vierfache Stoffmenge von dem verbraten, was man eigentlich brauchen würde.

Alle Bruchen-Schnitte, die ich kenne, haben versucht, Abbildungen zu rekonstruieren – also bleibt das Ganze immer Spekulation. Auch bei Katrin Kania wird lediglich ein Fund erwähnt, der aber in keinster Weise in unsere Darstellungszeit passt. Aber Tatsache ist, dass es eine Menge Stoff war, die stark gefältelt im Schritt gelegen hat – auf welche Weise auch immer die Bruchen dann tatsächlich geschnitten waren.

Ich nehme an, dass es auch keinen einheitlichen Schnitt im heutigen Sinn gegeben hat. Wichtig war auf jeden Fall der Bruchengürtel, der dann mit dem oberen Teil der Bruche zusammen nach unten gerollt wurde und an dem man dann die Beinlinge befestigt hat. Diese Vorgehensweise scheint mir logisch, weil man den Gürtel irgendwie abpolstern musste und die Beinlinge trotzdem guten Halt haben mussten. Dazu eignet sich der Stoffwulst um die Mitte recht gut.

Das erklärt aber immernoch nicht die gewaltige Menge an Stoff im Schritt. Bei Katrin Kania ist immer wieder die Rede davon, dass viel Stoff eben auch als Zeichen des Reichtums gegolten hat, was man ja auch bei den langen, prachtvollen Obergewändern des Adels sieht. Aber: die Bruche bekommt doch normalerweise niemand zu Gesicht. Warum also mit etwas angeben, was keiner sehen kann? Kann es andere Erklärungen geben?

Wollte man das beste Stück einfach gut verpackt und gepolstert wissen? Wollte man zeigen, was man hatte (oder gern hätte) – was aber angesichts der Männermode unserer Zeit wirklich VIEL Polsterung gebraucht hätte bis man überhaupt etwas sieht. Oder wollte man die sündigen Teile wegsperren?

Zu bedenken ist dabei auch noch, dass man die Unterwäsche ja bei Weitem nicht jeden Tage gewechselt hat. Hat es irgendwie damit etwas zu tun? (Wenn mir im Moment dafür auch kein Grund einfallen will.)

Und wie war das mit der Notdurft? Sich aus diesen Massen an Stoff auszupacken ist alles andere als einfach. Die innen offenen Beinschlitze lassen ja gewisse Tätigkeiten noch recht einfach zu – aber alles andere… Wobei mir ein Gedanke kommt und man möge mich dafür bitte nicht steinigen, ich spinne nur herum: Was, wenn die Massen an Stoff im Schritt verbergen sollten, dass es einen strategisch platzierten Schlitz gab? Später in der Geschichte ist das nämlich durchaus üblich.


Viel, aber nicht nur Gewandung

Antje erklärt Christa das Netzen.
Christa beim Spinnen.
Christa bei ihren ersten Versuchen im Netzen und beim Spinnen.

Ich habe mich an diesem Tag zwei verschiedenen Projekten gewidmet: zunächst einmal dem Lernen einer neuen Handarbeitstechnik. Antje hat mir gezeigt, wie das Filetnetzen funktioniert. Es war ausgesprochen interessant und ich habe ein zwar noch nicht sehr ansehnliches aber zumindest technisch korrektes Probestück zustande gebracht.

Dazu wird es bald auch einen separaten Artikel geben. Sobald der Artikel steht, verlinken wir ihn hier natürlich auch nochmal.

Und dann habe ich es mir zum Ziel gesetzt, an meiner Fasertafel weiter zu arbeiten, weil ich auf dem Markt gerne verschiedene Arten von Fasern und die daraus entstehenden Fäden präsentieren möchte. Dazu braucht es natürlich aus jeder Faser geeignete 'Ansichtsfäden', die für diesen Zweck gesponnen werden wollen. Ich bin ein gutes Stück weiter gekommen und sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Und schließlich doch noch ein kleines bisschen Holzarbeit: Eigentlich wollte René sich von Christian Werkzeug leihen und einige Holzheringe schneiden und anspitzen. Aber nach einem kurzen Gespräch hat Christians Vater die Sache kurzerhand übernommen und hat die Arbeit für uns erledigt! Ein großes DANKE dafür!


Produktivität + Spaß = Gute Ergebnisse

Es war ein ausgesprochen produktiver und auch lustiger Tag. Gute Stimmung, gute Zusammenarbeit und gerade Renés Bruche hat vermehrt für Heiterkeitsausbrüche gesorgt.

Die Erfahrung zeigt jedes Mal wieder, dass solche Tage eine wirkliche Bereicherung sind. Sowohl für den Verein als Ganzes als auch für unsere Ausrüstung.

Daher danke an alle, die dabei waren. Und: macht euch nichts draus, an die, die keine Zeit hatten. Wir werden das vor dem Sommer sicher noch einmal wiederholen.


Christa Schwab, 12.3.2012


Zu dieser Veranstaltung gibt es auch Fotos in unserer Fotogalerie.

 

Borte (Seitenabschluß)