Färbetage bei Sectio Artificerum

4.7. - 5.7.2015

Sectio Artificerum haben zu einem Färbewochenende geladen. Da bin ich doch die Erste, die laut 'HIER' ruft.

Ganz besonders, weil wir alle noch keine Erfahrung mit dem Färben hatten, wollte ich unbedingt dabei sein. Gemeinsames Experimentieren ist lustig und verspricht interessante Ergebnisse.

Es war heiß an diesem Wochenende und wir hatten vor, Zeit an einem heißen Feuer mit heißem Wasser und heißem Dampf zu verbringen.
Verrückt? Ja, klar. Deswegen lieben wir doch alle dieses Hobby oder? ;)

Jedenfalls: zunächst hieß es, dass wir wohl nur zu dritt wären. Wäre auch OK gewesen - ich bin gern mit den Sectio-Leuten zusammen *nach Enns knuddel*. Aber es gab eine wirklich schöne Überraschung: Christine von Draconis Cognatio hat sich spontan auch noch angeschlossen. Wenn man bedenkt, dass sie dafür extra von Graz nach Enns gefahren ist, ist die Überraschung noch einmal schöner :) Vier Verrückte also bei über 30 Grad am Färben.

Max in dreckig
Max in dreckig, wenn wir auch das Schlimmste an Stall, Wiese und Exkrementen schon entfernt haben.

Max in sauber und fluuuuuffig
Max in sauber und fluuuuuffig. Wie hübsch so ein gewaschenes und gekämmtes Schaf doch sein kann.

Der verunglückte Versuch mit Roten Rüben, garniert mit den grünen Nüssen
Der verunglückte Versuch mit Roten Rüben, garniert mit den grünen Nüssen, die das Ganze später retten und schön hellbraun färben werden.

Färbung mit roten Zwiebelschalen
Färbung mit roten Zwiebelschalen. In der Sonne hat das Gelb-Braun einen sehr deutlichen, kräftigen Grün-Stich.

Aber was genau haben wir eigentlich gemacht. Ich fasse mich hier kurz: wir hatten vor mit roten Zwiebelschalen, roten Rüben und (weils spannend war) mit Henna zu färben. Warum und wie genau, könnt ihr bei Sectio Artificerum nachlesen. Vanessa war so lieb und hat einen ausführlichen Bericht zur 'experimentell-wissenschaftlichen' Seite des Wochenendes verfasst (Link siehe unten).

Am ersten Tag beizen, am zweiten färben, so wie sich das gehört. Der Plan ist auch genauso aufgegangen.

Natürlich haben wir nicht nur gebeizt und gefärbt. Das macht zwar Arbeit (besonders das Färben, wenn man drei verschiedene Gänge macht), ist aber nicht tagesfüllend. Es gibt dabei halt immer wieder längere Wartezeiten.

In den Pausen haben wir uns also auch sonst nützlich gemacht - wenn man schon in so einem mittelalter-intensiven Häufchen zusammen sitzt, stehen die Hände natürlich nicht still. Christine hatte Max mitgebracht. Also ... nicht den Ganzen (zum Glück, so ein Schafbock wäre im Kleinwagen wahrscheinlich nicht glücklich geworden) sondern nur sein geschorenes Vlies.

Wir haben Max also erstmal aussortiert, auch einiges weggeworfen, wie das beim Wolle sortieren eben ist. (Wer es nicht weiß: Ein rohes Schafsvlies kann man nie ganz verwenden.) Und dann haben wir Max gewaschen - heißes Wasser, Natron und Geduld haben die Hauptarbeit gemacht. Kaltes Wasser und Christines Füße dann den Rest (Zitat Christine, als sie in das Wasser mit Wolle gestiegen ist: "Hihi, fluffig!") Dann haben wir das triefend nasse aber sehr viel sauberere Wollgewurstel in der Sonne ausgebreitet. In dem Fall waren dann die über 30 Grad schon willkommen.

Am zweiten Tag dann hab ich Christine gezeigt, was sie mit Max anstellen muss, wenn er trocken ist: Es gab einen Mini-Workshop zum Thema Wolle kämmen und spinnen. Und auch sonst wieder: nähen, nadelbinden. Das alles natürlich nicht in mittelalterlich-gesittetem Schweig und bitterernst sondern mit GANZ viel Spaß und viel, viel Geplauder. Es ist schon erstaunlich, worüber man sich so unterhalten kann, wenn die Färbebrühe brodelt und die Finger geschäftig sind.

Und was ist bei der Färberei rausgekommen? Genaue Entwicklung, Ergebnisse, Spekulationen darüber und weitere, geplante Experimente sind wieder bei Sectio Artificerum nachzulesen.

Ich nehme hier nur kurz die letztlichen Ergebnisse vorweg: Zwiebelschale: WOW! Was für eine Farbe! Ein intensives Gelb-Grün, so komplex und vielschichtig wie viele Pflanzenfarben eben sind. Rote Rüben: Ähm. Nein. So gar nicht. Total untauglich. Woran es gelegen hat, haben wir noch nicht rausgefunden - vielleicht daran, dass die Rüben vorgekocht waren. (Wir haben dann spontan grüne Walnüsse und Walnussblätter dazu gegeben - das war toll!) Henna: Hm. Ein sehr dunkles Braun mit einem ganz leichten Rotton. Eigentlich wollten wir ein leuchtendes Kupfer-Orange.

Fazit: Was für ein geniales, herumpantschendes, hexenküchen-chemisch-brodelndes, überraschend-buntes, heiß-heißes, lustiges und lehrreiches Wochenende! Jederzeit SEHR SEHR gerne wieder!


Christa Schwab, 11.7.2015


Weiterführende Links

Bericht zum Wochenende von Sectio Artificerum


Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Christine Erber zur Verfügung gestellt.

 

Borte (Seitenabschluß)