Advent in alter Zeit

Dulamans Vröudenton präsentiert Vorweihnachtliches aus Mittelalter und Renaissance

4.12.2011

"Wir möchten, dass Sie so einiges hinter sich lassen. Alle Weihnachtsmärkte, die Sie besucht haben. Und White Christmas und Jingle Bells in den Kaufhäusern."

"Sie werden feststellen, dass unsere Arrangements recht karg sind. Wir haben den Zucker rausgenommen."

Zwei Zitate der Künstler am Anfang des Konzerts. So etwas macht Laune auf mehr, finde ich. Gerade wenn man von süßlichem Gesäusel aus dem Radio schon so ein bisschen überfüttert ist.

Also habe ich gespannt dessen geharrt, was da kommen mochte.


Dulamans Vröudenton

Dulamans Vröudenton sind seit 30 Jahren ein Ensemble, das sich der alten Musik verschrieben hat. Das gestrige Konzert war auch dahingehend etwas Besonderes, weil es genau ihr tausendstes war. 1000 Konzerte in 30 Jahren. Das spricht für eine große Hingabe, denn reich wird man mit sowas sicherlich nicht.

Die Liebe zur Musik spricht dann auch aus jedem einzelnen Ton. Aus der Art und Weise der Gestaltung, aus den Worten, die dazu gesungen und gesprochen werden, aus der Art wie die Instrumente gehalten werden und wie man dem Publikum die Kunst vermittelt.


Die Atmosphäre

Die Atmosphäre während des Konzerts lässt sich mit neugierig-nachdenklich-fröhlich-festlich beschreiben. Es war einfach kein normales Adventkonzert. Oder überhaupt ein 'normales' Konzert. Die faszinierte Neugierde mit denen die alten Instrumente beäugt wurden, spielte dabei sicherlich eine genauso große Rolle wie die Stücke selbst.

Wichtig dabei: dies war in keinster Weise ein Szene-Konzert. Die Besucher waren stark gemischt mit sehr vielen älteren Leuten und – nach allem, was wir mitgehört haben - sehr viele Konzert-Abonennten des Schlosses. Leute, die gern Musik hören also, aber keine Mittelalter-Fans als solche.

Und auch da wurde die Gruppe ihrem guten Ruf gerecht. Alle vier Mitglieder haben sich die Zeit genommen, in der Pause die Instrumente zu erklären, Fragen zu beantworten, mit den Leuten zu reden.

In diesem Zusammenhang auch noch einige Worte zum Veranstaltungsort: der Schönbergsaal im Schloss Traun ist ein sehr passender Rahmen für ein solches Konzert, auch wenn man das auf den ersten Blick vielleicht nicht glauben würde. Man darf nämlich (trotz Schloss) kein mittelalterliches Gewölbe mit Holzbänken und knarrendem Schiffbrettboden erwarten.

Statt dessen hat man es mit einem akustisch sehr schönen, professionell eingerichteten, kleinen Konzertsaal zu tun. An der Stirnwand hängt ein großes, modernes Gemälde, die Wände sind in einem warmen Pfirsichton gehalten, die Sitzreihen steigen steil nach oben.

Alles in Allem ist es ein kleiner, fast heimeliger Raum, der die Intimität des Konzerts wunderbar unterstrichen hat.


Das Programm

Die einleitenden Worte der Künstler haben sich mit jedem Stück verwirklicht und verdeutlicht.

Präsentiert wurde eine Mischung aus Weihnachts- und Winterliedern, durchbrochen immer wieder von rein instrumentalen Stücken und von Erklärungen zu Lebensumständen und Ansichten der Menschen des Mittelalters und der Renaissance.

Viele der Stücke waren für den Zuhörer neu, aber es wurden durchaus auch heute noch bekannte Stücke präsentiert, zum Beispiel 'Maria durch ein Dornwald ging' und 'Vom Himmel hoch, ihr Englein kommt'. Aber all das wunderschön entkitscht. Wenn man diese alten Melodien einfach atmen und leben lässt bekommen sie einen völlig neuen (oder besser: neu entdeckten) Aspekt. Man hört wieder zu. Worum geht es eigentlich? Was will das Lied aussagen? 

Das musikalische Niveau muss man bei dieser Gruppe wohl nicht herausstreichen. Die Virtuosität an den Instrumenten war bei allem Können aber ebenso ungekünstelt wie der Gesang. Alles war sehr schlicht gehalten, karg eben, wie der Winter und wie die Fastenzeit, die der Advent ursprünglich ja war.


Fazit

Die Stimmung des Programms wechselte dabei zwischen nachdenklich und fröhlich. Die Vorfreude auf das neu entstehende Licht (im natürlichen wie im religiösen Sinn) zog sich bei all dem durch das gesamte Konzert.

Das Erlebnis bescherte mir also einerseits neue Einblicke und andererseits ein warmes Bauchgefühl. Es war einfach rundherum ein gelungenes Konzert und sollten die Musiker diese Rezension zufällig einmal lesen, möchte ich mich auf diesem Wege noch einmal sehr herzlich dafür bedanken.


Christa Schwab, 10.12.2011

 

Borte (Seitenabschluß)