Mit Rhiannon in der Mittelaltertaverne 'Zum dicken Ritter' in Passau

Nachruf auf den Dicken Ritter...

Ergänzung vom 20.5.2008

Dieser Artikel entstand im Februar 2008. Drei Monate später, am 19. Mai, schloss die Taverne 'Zum Dicken Ritter'. Man könnte den folgenden Artikel also als eine Art Nachruf auf ein wunderschönes, leider nicht mehr vorhandenes Szenelokal sehen.

Die Betreiber haben bekannt gegeben, dass sie ein neues Lokal etwas außerhalb von Passau er öffnen möchten. Wir werden sehen, was daraus wird.


Der blökende Nachfolger

Ergänzung vom 11.10.2008

Es gibt eine neue Mittelalter-Taverne. Nicht mehr in Passau, aber für uns Linzer noch günstiger gelegen, in der Nähe von Schärding. Die letzte Betreiberin des Dicken Ritters hat in Neuhaus am Inn die 'Schänke zum Schwarzen Schaf' eröffnet. Auch dort wird es wieder Abende mit Live-Musik und andere Veranstaltungen geben.

Die Eröffnung der Schänke war am 10.10.2008. Sobald wir es schaffen, das Lokal einmal zu besuchen, werden wir hier einen Bericht über die neue Taverne veröffentlichen.

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Spontanbesuch beim Dicken Ritter

Am Donnerstag, dem 14.2. habe ich mich sehr kurzfristig (so ca. eine halbe Stunde vor der Abfahrt) dazu entschlossen, nach Passau in die Taverne 'Zum dicken Ritter' zu fahren.

Eigentlich wollte ich nur mit Florian Machl abklären, wie ich einige Bücher von ihm bekommen könnte, für die ich Rezensionen schreiben soll. Als er mir dann erzählte, dass er in einer viertel Stunde mit Rhiannon nach Passau fahren würde, entschloss ich mich spontan, mitzufahren. Ein Entschluss, der sich defintiv gelohnt hat.
 

Musik von Rhiannon und 'Angus von Ardingen'

Musikalisch war der Abend ein erstklassiges Erlebnis. Rhiannon gehört zweifelsohne zu den besten österreichischen Mittelalterbands, und diese dann quasi an seinem Tisch zu haben, das ist klasse.

Zusätzlich war an diesem Abend auch 'Angus von Ardingen' da, der ebenfalls etliche seiner Stücke spielte. Auf diese Weise kamen wir zu einem sehr guten, sehr abwechslungsreichen Konzert, für das allein sich die Fahrt nach Passau schon gelohnt hat.

Rhiannon und Angus haben musikalisch ja nun eigentlich gar nichts gemeinsam. Aber gerade darum hat mir der Abschluss des Abends am Besten gefallen, als sie die leisen Töne auspackten und zusammen einige Improvisationen zum Besten gaben.
 

Gute Musik, kaum Publikum

Es war schade, dass an diesem Abend kaum Gäste anwesend waren. Andererseits kamen wir so in den Genuss, dass quasi jeder seinen 'persönlichen' Musiker hatte.
 

Die Taverne 'Zum dicken Ritter' - Mittelalter (nicht ganz) pur

Das Ambiente in der Taverne ist ausgesprochen schön. Sie besteht aus einem langgestreckten Raum, der durch Zwischenwände in mehrere Bereiche gegliedert ist. Jeder Bereich sieht etwas anders aus und hat auch seine eigene Atmosph äre.

Alles Moderne hat man so weit wie möglich beseitigt bzw. versteckt. Serviert wird nur in Tongeschirr und Tonbechern, Tische sind mit Leintüchern gedeckt. Lüftungsrohre und Heizkörper verschwanden hinter Jute-Vorhängen, die Beleiuchtung stammt - bis auf die gesetzlich vorgeschriebene Mindestbeleuchtung - von Kerzen und Öllampen. Manchmal ergeben sich daraus aber auch komische Details. So zum Beispiel, wenn aus einem Jutesack vorwitzig der Thermostat des dahinter versteckten Heizkörpers herausschaut.

Vor allem hat man nicht den Fehler gemacht, das Lokal mit 'Dekoration' vollzumüllen. Mit Waffen, Rüstungsteilen und alten landwirtschaftlichen Gerätschaften vollgestopfte Wände hat man anderen überlassen.
 

Am Abend ist's am Schönsten

Nach Möglichkeit sollte man das Lokal besuchen, wenn es draußen bereits dunkel ist. Viel zur Stimmung trägt nämlich die Beleuchtung aus Öllampen und Kerzen bei. Ich habe nicht darauf geachtet, wie die Fenster verteilt sind, aber einfallendes Tageslicht wird die heimelige Atmosphäre mit ziemlicher Sicherheit beeinträchtigen.
 

Preiswerte Getränke, teilweise überteuertes Essen

Das Getränkeangebot ist reichhaltig und hat für jeden Geschmack etwas dabei: Weine, eine große Auswahl an Bieren, Met, aber auch genügend nicht-alkoholische Getränke, und alle zu angemessenen Preisen. Bedauerlich fanden wir, dass kein Draco Noricum Met ausgeschenkt wird, aber das hatte weniger mit Geschmackals mit Eitelkeit zu tun...

Keine einhellige Zustimmung fand das Essen. Mir persönlich hat dort nicht alles geschmeckt, bzw. war mir für das, was geboten wurde, zu teuer. Andere waren von den angebotenen Speisen hellauf begeistert. Hier wird sich jeder selbst ein Urteil bilden müssen. Einhellig waren wir allerdings der Meinung, dass Tomaten in einer Mittelaltertaverne ein ziemlicher Faux Pas sind...
 

Fazit

Ein Besuch des 'Dicken Ritters' lohnt sich auf jeden Fall. Wer am Wochenende hin möchte, sollte seine Gewandung mitnehmen und reservieren. Eine der Bedienungen meinte, dass sie an diesen Tagen häufig ausgebucht seien.

Auch Donnerstags könnten sich Besuche lohnen, da an diesem Tag der Tag der 'Offenen Bühne' ist. Auch hier empfiehlt es sich, vorher anzurufen, ob und welche Spielleute sich für den jeweiligen Abend angemeldet haben.


René Schwab, 17.2.2008

 

Borte (Seitenabschluß)