Bürgerschmaus der Burgaere Lintze

Am Samstag dem 9.7. haben einige von uns sich auf den Weg ein Stück die Donau aufwärts gemacht. Die Burgaere Lintze haben zum Bürgerschmaus geladen und wir sind der netten Einladung sehr gerne gefolgt.

Beim Schlagerwirt, in der Nähe von Feldkirchen an der Donau haben wir uns erst einmal umgesehen. Das wirklich schön gelegene Ausflugsgasthaus bietet einen stimmigen Rahmen. Der alte, umgebaute Bauernhof liegt mitten in den Hügeln im Wald, erreichbar über eine knapp einspurige Straße. Sehr MA-tauglich also.

Was haben wir erwartet? Wir wussten auf jeden Fall schon vorher, dass es nicht eines von den üblichen Ritteressen wird. Keine Berge von Fleisch, die historisch kreativ mit Kartoffeln und Tomatensalat kombiniert werden. Die informativen 'Journalclubs' der Burgaere Lintze, das große historische Interesse also, und auch die Einladung selbst haben uns schon auf gut recherchierte Küche vorbereitet. Wir sind mit großem Interesse hingefahren. Ein Teil unseres Wissensdurstes (oder besser:  - hungers) wurde dann auch schon vor dem Essen gestillt. Es gab einen kurzen aber informativen Vortrag zur Quellenlage, als Einführung zum Essen.

Die Teilnehmer beim ersten Linzer Bürgerschmaus

Jeder von uns hat sich bis zu einem gewissen Grad mit mittelalterlichem Essen beschäftigt. Das ist bei unserem Hobby gar nicht anders möglich. Vor allem auch, wenn man im Lager selbst kocht und den Besuchern wenigstens Zutaten präsentieren will, die es im Mittelalter bereits bei uns gegeben hat. Im Lager ist es aber nur selten möglich, mehrgängige Menüs oder kompliziertere Gerichte aufzutischen. Mangels entsprechender Gerätschaften und auch mangels Zeit bleibt es meistens bei einfacher Küche (Stichwort Eintopf).

Die Burgaere sind für ihren Bürgerschmaus einen Schritt weiter gegangen. Nach historischen Rezepten (das Original ist auf Latein überliefert) wurden gewisse Gerichte erst zuhause probegekocht, wie mir Sandra und Christoph von den Burgaere erzählt haben. Die beiden haben versucht, Gerichte auszuwählen, die für einen breiteren Geschmack zugänglich sind. (Soll heißen, sie haben jene Gerichte schon einmal ausgeschieden, die ein moderner Mensch mit einem gezwungen lächelnden 'Interessant!' kommentieren würde ...)

Nach dem Probekochen haben sie sich mit der Köchin des Schlagerwirts einen Profi dazu geholt. Wir waren immerhin rund 20 Leute bei diesem Essen. Dazu braucht es dann schon eine entsprechende Infrastruktur und auch Erfahrung im Verköstigen von größeren Gruppen. Gemeinsam mit der abenteuerlustigen Köchin wurde also ein dreigängiges Menü geplant, das dann beim Schlagerwirt aufgetischt wurde.

Es war eine höchst spannende und lehrreiche Erfahrung. Und ich meine das jetzt nicht im Sinne des gefürchteten 'Interessant' - es hat nämlich ausgesprochen gut geschmeckt! Meine persönlichen Favoriten waren der geniale Linsenauflauf und die wunderbar cremig-würzige Käsesauce.

Zusammen mit angenehmer Gesellschaft und guten Gesprächen war das Ganze ein wirklich schöner Abend für den wir uns bei den Burgaere Lintze noch einmal sehr herzlich bedanken möchten.


Die Speisenfolge

Vorspeise

De brodio theutonico – Von deutscher Brühe

Eine kräftige, würzige Hühnersuppe, serviert mit Brot, stand am Anfang des Males. Sandra hat uns erzählt, dass die Köchin dafür sogar extra ein Bauern-Suppenhuhn aufgetrieben hat, damit es auch wirklich authentisch schmeckt.


Hauptgang

- Caro porcina assanda – Gegrilltes Fleisch vom Schwein
- Caseus decoctus – Gesottener Käse
- Salsa viridis - Grüne Sauce
- Salsa camelina - Camelina Sauce
- De foliis minutis – Von kleinen Blättern
- Lenticulas - Linsen

Ein saftiger Schweinebraten mit einem wunderbaren Gemüse aus Fenchel und Zwiebeln, dazu diese schon oben erwähnten genialen Linsen. Die Linsen werden dabei zerstampft und erhalten eine ähnliche Konsistenz wie Gries, dazu kommen verschiedene Kräuter und Käse.

UND die Käsesauce – ein bisschen wie Käsefondue, nur mit mehr Kräutern und die Konsistenz  ist ein bisschen grober. Die Sauce wurde zum Fleisch gegessen oder mit Brot direkt aus dem Topf getunkt.

Die Grüne bzw. Camelina Sauce verwendet man ähnlich wie Senf oder Chutney – also in kleinen Dosen als Würze.


Nachspeise

De Crispis – Von Palatschinken

Palatschinken aus Germteig, mit Honig und Minze. Ich habe sie angenehm ‚unsüß’ gefunden – sehr erfrischend mit der Minze und genau richtig als Abschluss für das reichhaltige Essen.


Alles in Allem war es also ein vielseitiges und luxuriöses Mahl. Aufgrund der vielen, zum Teil auch teuren, Gewürze und der großzügigen Portionen von Fleisch und Käse hätte dieses Menü auch auf den Tischen der reichsten Bürger und höchsten Edelleute seinen Platz gefunden.

Die private Übersetzung zu den Rezepten inklusive Anmerkungen findet sich auf der Homepage der Burgaere Lintze unter burgaere-lintze.jimdo.com.

Christa Schwab, 12.7.2011

 

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