Zehnjähriges Jubiläum der Bockschen Werkstatt

Am 28. und 29. März feierten Renata und Fritz Bock auf ihrem Handwerkshof das Jubiläumsfest zum zehnjährigen Bestehen der Bockschen Werkstatt.

Auch wir waren zu diesem Fest eingeladen und hatten unseren Besuch zugesagt. Leider bröckelte die Besuchermenge in den letzten Tagen vor dem Fest ziemlich ab, teils aus Krankheitsgründen, teils, weil die Arbeit einen dicken Strich durch die Rechnung machte, teils wohl auch aus akuter Unlustitis. So blieben zum Schluss leider nur Gregor und René übrig, die sich auf den Weg nach Oberfellabrunn machten.

Das Wetter am Samstag war ideal. Strahlender Sonnenschein, der erste schöne Frühlingstag in diesem Jahr, und angenehme 15 bis 20 Grad waren ein guter Grund zur Vorfreude auf ein schönes Fest in Oberfellabrunn. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Wir sind froh, dass wir hingefahren sind. Der Besuch hat sich in jeglicher Hinsicht gelohnt.


Anreise

Die Anreise aus Linz gestaltete sich für uns problemlos. Nach gut zwei Stunden entspannter Autofahrt erreichten wir den Handwerkshof der Bockschen Werkstatt.

Da es sich mehr um eine interne Veranstaltung mit eingeladenen Gästen handelte, hatten die Bocks keine Ausschilderung vorgenommen. Aber der Hof war trotzdem einfach zu finden - dank der bestimmt fünfzig oder sechzig Fahrzeuge, die sich bei unserer Ankunft gegen 13:00 Uhr bereits an der Straße aufreihten.

Dem Hof selbst sieht man von außen nicht an, was einen im Innern erwartet. Ein gewöhnliches Wohnhaus auf der einen Seite, eine Scheune auf der anderen, dazwischen die Toreinfahrt mit Gartentor - mehr sieht man nicht. 'Ein ehemaliger Bauernhof, der von einem Städter umgebaut wurde.' Das wäre wohl die Meinung, die man auf den ersten Blick hätte.


Heimreise

Dieser Eindruck änderte sich in dem Moment, in dem man durch das Tor kam. Von einem Schritt zum nächsten war man in einer anderen Welt. Mein erster Gedanke beim Anblick der Stände, dem Rauchgeruch der Lagerfeuer und der Gewandeten war: "Ich bin wieder zuhause." Gregor ging es ähnlich. Anscheinend hatten wir über Winter doch einen erheblichen Mittelalter-Entzug.

'Schuld' an diesem Heimatgefühl waren natürlich auch die Anwesenden. Es herrschte eine angenehme, ruhige Stimmung, und man war, auch als Nicht-Handwerksgildenmitglied, sofort Teil der großen Familie, die sich dort versammelt hatte.

Die ganze Veranstaltung war als kleines Fest für Freunde geplant. Und das war es auch. Auf der Wiese hinter dem Haus präsentierten sich die Stände der Handwerksgilde und einiger Gäste, eine Lagerwiese gab es keine. Trotzdem hatte man das Gefühl, einen kompletten Markt vor sich zu sehen. Die Anordnung der Stände und das Gelände erzegten ein derart stimmiges, geschlossenes Bild, dass die Veranstaltung deutlich größer wirkte, als sie tatsächlich war.

Im Hof des Anwesens, umgeben von drei alten Scheunen, war die Gastronomie samt Sitzgelegenheiten untergebracht. Hier konnte man sich in den warmen Sonnenschein setzen, Essen und Trinken genießen und sich unterhalten.


Handwerker und Händler

Ulf der Schmied.

Der Schmiedestand und die getarnten Esse.
Ulf mit seinem Schmiedestand und der getarnten Esse.

Der Stand von Martin Ruzicka.
Der Stand von Martin Ruzicka.

Die Handwerksgilde war fast komplett vertreten. Neben den Bocks mit ihrem neuen Laden waren das Zinnmeister Stefan Dörr, Ulf der Schmied (Franz Kuster) und die Pheilsniczer (das wird tatsächlich so geschrieben).

Wie schon in einer Kurznachricht bei Huscarl erwähnt, ist 'Pheilsniczer' der neue Name der früheren Pilemäker. Sie haben sich für den neuen Namen entschieden, weil dieser räumlich besser passt als das aus dem preußischen Bereich stammende Pilemäker. Belegt ist die Bezeichnung Pheilsniczer aus einer Wiener Gildenordnung von 1445. Die Jubiläumsfeier war die zweite Veranstaltung, auf der sie mit dem neuen Namen aufgetreten sind.

Ein sehr schönes Detail (neben vielen anderen) fanden wir bei Ulfs Stand: Die Esse. Während andere Schmiede eine moderne Esse aufstellen, die dann mehr der weniger geschickt verborgen ist, besteht seine Esse nur aus einem dünnen Metallrahmen mit Schamottplatten. Das Ganze ist auf einen kleinen Leiterwagen montiert, der auch den Blasebalg trägt. Man muss schon zweimal hinsehen, um die paar modernen Teile zu entdecken, die verbaut wurden.

Als weitere Gäste waren Andrea "Gloria" Eberl als Kerzenzieherin, ihr Mann Ole als Drechsler, Monika Spannbruckner mit Glasmalerei, René Berends mit seinen wunderschönen Lederarbeiten und Martin Ruzicka mit Kräutern und historischen Gemüsesorten dabei.

Die handgefertigten Glasmalereien von Monika Spannbruckner zeigen Motive aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, vor allem Biedermeier und Jugendstil. Man sieht den Motiven an, wie viel Arbeit dahinter steckt. 5 bis 10 Stunden arbeitet Frau Spannbruckner an einem Glas.

Martin Ruzicka betreibt eine Gärtnerei, in der er vor allem Heilkräuter zieht. Auf Märkten zeigt er neben diesen Kräutern dann auch historische Gemüsesorten. So gesehen dürfte er auf jedem beliebigen Mittelaltermerkt der einzige 'authentische' Händler sein, denn Gemüsehändler gab es damals ja wirklich, das, was man heutzutage auf Mittelaltermärten sieht, wohl eher nicht.


Gastronomie

Für das leibliche Wohl der Aussteller sorgte die Gildenküche mit allerlei leckeren Dingen, für das der Gäste Roland Heinzle. Roland hatte seinen bekannten Metstand aufgebaut, bot aber neben seinem üblichen Repertoire noch Surschnitzel und Bratwürste mit Brot und Röstzwiebeln an. Als besondere Metspezialität hatte er naturtrüben Met dabei, der noch nicht gefiltert war, und daher noch alle Trüb- und Schwebstoffe enthielt. Prädikat: Absolut lecker!


Unterhaltung

Arnulf das Schandmaul.

Abendabschluss: Feuershow von Feuermatrix
Unterhaltung: Arnulf das Schandmaul und Feuermatrix.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte Arnulf das Schandmaul, der wieder einmal seine Stärke zeigen konnte: Als Walking Act, der sich zu seinen Zuhörern setzt und sie mit Liedern und Geschichten unterhält. Premiere hatten bei diesem Fest auch einige neue Stücke von ihm, die wir in dieser Saison hoffentlich noch häufiger zu hören bekommen.

Ein schönes Jubiläumsgeschenk für die Bocks war Werner Kößler, der in der Mittelalterszene als Sunday Mountain Highländer von den freien Recken bekannt ist. Er löste sich den ganzen Nachmittag über mit Arnulf ab und gab immer wieder Stücke auf seinem Dudelsack zum Besten.

Stimmungsvoller Abschluss war nach Sonnenuntergang eine schöne Show der Feuermatrix, die an diesem Abend mit drei Personen vertreten war. Obwohl es um diese Zeit schon recht kühl geworden war, waren immer noch rund fünfzig Darsteller und Gäste als Zuschauer anwesend.


Eintritt und Besucher

Apropos Gäste. Schon am Beginn des Artikels wurde die große Zahl an Autos erwähnt, die vor dem Bockschen Anwesen standen. Insgesamt waren am Samstag wohl zwischen zweihundert und dreihundert Besucher anwesend, wie Ranata Bock schätzt. Eine sehr beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass das Fest als Jubiläumsfest für Freunde und Bekannte der Bockschen Werkstatt geplant war, und nicht z.B. als Mittelaltermarkt.

Der Eintritt zum Fest war frei. Wer wollte, konnte am Eingang eine Spende hinterlassen.

Offiziell ging das Fest am Samstag von 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr, und am Sonntag von 10:00 bis 20:00 Uhr. Inoffiziell wurde am Samstag bei sternenklarem Himmel allerdings bis spät in die Nacht gefeiert. Am Sonntag wurde wegen des schlechten Wetters das Fest bereits um 18:00 Uhr beendet. Auch an diesem Tag fanden noch einmal ca. 50 bis 100 Besucher den Weg nach Oberfellabrunn.


Wir fühlten uns zu hause

Gregor und ich saßen lange mit verschiedenen Leuten zusammen. Arnulf, Zinnmeister Dörr, Roland Heinzle und andere Gäste waren angenehme Gesprächspartner, die mit zum Teil spannenden Geschichten aufwarten konnten. Natürlich waren auch die kommende Saison und die diversen geplanten Veranstaltungen ein Thema, über das ausgiebig geredet wurde.

Erst gegen Mitternacht verabschiedeten wir uns von Zinnmeister Dörr und gingen (als letzte) ins Bett. Die Bocks hatten den Dachboden ihrer Scheune als Schlaflager zur Verfügung gestellt. Ein Angebot, das von bestimmt einem Dutzend Besuchern auch genutzt wurde.

Bedanken möchten wir uns noch für den heißen Kakao und das leckere Frühstück, mit dem uns die Gildenküche am Sonntag Morgen nach kalter Nacht verwöhnte.


Kuchen

Eine Überraschung für die Bocks gab es dann am Sonntag Morgen: Einen Jubiläumskuchen samt Geburtstagskerzen, den die Tochter von Renata und Fritz, Theresa, gebacken hatte. Der Kuchen kam bei allen Anwesenden gut an und wurde mit Begeisterung vernichtet.


Handwerksladen

Morgenkaffee am kalten Sonntag Morgen.
Der Sonntag Morgen war kalt und unfreundlich.

Erwähnt werden muss auch der neue Handwerksladen, in dem die Bocks die von ihnen hergestellen Repliken und Handwerksstücke präsentieren. Der Laden ist ein einfacher kleiner Raum mit pastellfarbenen Wänden und einfachen Regalen. Um so beeindruckender sind dafür die zahlreichen Ausstellungsstücke, die dort gezeigt werden. Und auch im Laden fällt auf, dass die Bocksche Werkstatt Wert auf Information legt. Alle Stücke sind zeitlich eingeordnet, und wenn es nicht dabei steht, dann kann Renata zu fast allen sagen, wo sie gefunden wurden, und wo man sich die Originale ansehen kann.


Fazit

Die Jubiläumsfeier war ein gelungenes familiäres Fest mit angenehmer Stimmung und guter Unterhaltung. Die niedrigen Temperaturen und der Regen am Sonntag drückten die Stimmung natürlich, und zumindest bis zu unserer Abfahrt gegen Mittag gab es auch kaum Besucher. Aber das gute Frühstück der Gildenküche und Arnulfs Lieder ließen die Gesichter auch an diesem Tag nicht allzu lang werden.

René Schwab, 30.3.2009

Die Fotos in diesem Artikel stammen von Andrea 'Glora' Eiberl, die sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

 

Borte (Seitenabschluß)