Bauanleitung für einen Bortenwebrahmen (Brettchenwebstuhl)

Vorbemerkung

Der hier vorgestellte Webrahmen (oder Brettchenwebstuhl) ist nicht historisch belegt. Er sieht gut aus, er ist für Vorführungen auf Märkten praktisch, aber er ist nicht historisch.

Es GAB im Mittelalter zwar definitiv Bortenwebstühle, aber die sahen völlig anders aus. In den uns bekannten Quellen haben sich zwei Bauarten überliefert.

Die erste war wohl nicht dazu gedacht, transportiert zu werden. Bei ihr bestand der Bortenwebrahmen aus zwei Holzsäulen auf Füßen. Um diese Säulen war die Bortenkette geschlungen. Die Weberin saß damit nicht vor der Kette (wie man es bei den heute gängigen Bortenwebrahmen tut oder auch wenn man am Gürtel webt), sondern quer zur Kette. Wahrscheinlich konnte man die Kette um die Säulen wickeln. Man kann so etwas natürlich rekonstruieren, aber wir denken, dass eine transportable Version zu leicht wäre, um eine stark gespannte Kette (zum Beispiel für Seidenborten) halten zu können. Davon abgesehen, dass es eine ziemlich sperrige Konstruktion wäre. Ein Beispiel für diese Sorte Brettchenwebstuhl ist der Fund aus dem Oseberg-Schiff in Norwegen.

Aus dem Spätmittelalter gibt es dann auch Bilder, die kleine kastenförmige Brettchenwebstühle zeigen, die von der Weberin auf dem Schoß gehalten wurden.

Möglicherweise wurden Borten auch sehr viel öfter am Gürtel gewebt als auf einem Brettchenwebstuhl.


Grundlagen des Entwurfs

Der Webrahmen sollte die folgenden Anforderungen erfüllen:

  • Kapazität für mindestens fünf Meter lange Borten
  • Breit genug für mindestens 30 Holzbrettchen
  • Stabil genug, um die hohe Kettspannung bei langen Seidenborten aushalten zu können
  • Schwer genug, um beim Anschlagen ohne zusätzliche Fixierung auf dem Tisch stehen zu bleiben
  • Stufenlose Spannvorrichtung am vorderen Ende des Webrahmens
  • Steile, rückenschonende Arbeitsfläche
  • Einfach zu schären
  • Transportabel (Borte durch den Webrahmen geschützt)

Die Forderung nach der steilen Arbeitsfläche und der vorne liegenden Spannvorrichtung ergab die grundlegende Form des Webrahmens mit den hinten liegenden Holmen für die Aufnahme der Borte.

Aus den Anforderungen für Größe und Stabilität und der Schutzfunktion während des Transports ergab sich, dass die Holme an beiden Enden gehalten werden müssen. Einfaches Aufschären setzt voraus, dass der Webrahmen auf einer Seite offen ist. Die Lösung besteht darin, eine Seite des Brettchenwebstuhls zum Schären abnehmbar zu gestalten.


Benötigte Materialien

Die Seitenteile und der Boden sind bei unserem Webrahmen aus Eichenholz, die Stäbe aus Buche. Der Körper lässt sich wahrscheinlich auch aus Weichholz (Fichte, Lärche) herstellen, die Stäbe müssen aber aus Hartholz sein, da sie sich sonst durch die Belastung verbiegen. Bei einem Versuch mit Weichholz sollte man aber auch bedenken, dass der Webrahmen immer noch schwer genug sein muss, um beim Anschlagen nicht zu springen. Sollte jemand von unseren Lesern hier den Webrahmen mit Weichholz nachbauen, bitten wir um Rückmeldung, wie sich die Konstruktion verhalten hat!

Wir haben das Eichenholz auch deshalb verwendet, weil in der Scheune meiner Eltern wunderbare abgelagerte Eichenbretter lagern, die sich für dieses Projekt einfach anboten.

  • Bretter:
    - 1 Stück 75 cm x 15 cm x 2,5 cm (Bodenteil)
    - 2 Stück 75 cm x 16 cm x 2,5 cm (untere Seitenwände)
    - 2 Stück 45 cm x 28 cm x 2,5 cm (obere Seitenwände)
  • Die Bretter für den Körper des Webrahmens
    Die Bretter für den Körper des Webrahmens.

  • Rundstäbe
    (Rundstäbe werden in einer Länge von 1m angeboten)
    - 1 Stück Ø 10 mm
    - 4 Stück Ø 20 mm
    - 1 Stück Ø 25 mm
    - 1 Stück Ø 30 mm
  • Geriffelter Rundstab (Länge 1m) Ø 8 mm ('Dübelstab')
  • 5 Holzschrauben 4 x 50 mm (Senkkopfschrauben)
  • ca. 300 mm Gewindestange M6
  • 2 Stück Doppelgewinde M6 / Holz
  • 4 Einschlagmuttern M6
  • 8 Holzschrauben 2,5 x 20 mm (Senkkopfschrauben)
  • Leim
  • (Für den Transport 4 Flügelmuttern mit Unterlegscheiben für Gewinde M6)


Benötigte Werkzeuge

Die Werkzeugliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe nur darauf geachtet, dass die nicht-gängigen Werkzeuge (große Bohrer, lange Schraubzwingen) aufgeführt sind.

  • Handsäge (Fuchsschwanz)
  • Gute Stichsäge
  • Raspel / grobe Feile
  • Schleifpapier
  • Schwingschleifer
  • Bohrmaschine
  • Holzbohrer 8 mm, 10 mm, 20 mm, 25 mm
  • Forstnerbohrer 25 mm
  • Metallbohrer 3 mm und 6 mm
  • Schraubzwingen (Länge mindestens 550 mm)
  • Schraubenzieher


Abmessungen

Die Maße für Länge, Breite und Höhe des Brettchenwebstuhls können verändert werden. Sie wirken sich auf die Länge und Breite der Borte aus, die aufgeschärt werden kann.

Wichtig ist, dass die Maße für die Rundstäbe und die Abstände der Bohrungen zueinander und zum Rand eingehalten werden, da diese Maße die Stabilität und die Handhabung beeinflussen. So wird zum Beispiel das Aufschären sehr schwierig, wenn die Holme dichter beieinander stehen oder weniger weit vom Bodenbrett entfernt sind.

Schärplan des Webrahmens (eine große DIN-A-4-Version davon finden Sie im PDF mit der Bauanleitung).
Schärplan des Webrahmens (eine große DIN-A-4-Version davon findet ihr im PDF mit der Bauanleitung).

Die Schlitzlänge für den Spannmechanismus (A) muss länger sein als der Abstand der beiden Stäbe B und C. Wenn beim Weben die Kettfäden allmählich kürzer werden, wandert der Holm des Spannmechanismusses nach hinten. Wenn er ganz hinten angekommen ist, wird die Borte von B nach C umgelegt und der Spannmechanismus wieder nach vorne gezogen. Dabei muss er die Bortenlänge aufnehmen können, die durch das Umlegen frei geworden ist.


Bauaneitung

Die vorbereiteten Holme und die Einzelteile der Spannvorrichtung
Die vorbereiteten Holme und die Einzelteile der Spannvorrichtung.

Die Bauteile des Rahmens vorbereiten.
Die Bretter zuschneiden und glatt schleifen.
Für die Schleifarbeiten auf jeden Fall einen Mundschutz und nach Möglichkeit ein Schleifgerät mit Staubabsaugung verwenden. Auch Holzstaub schadet der Lunge.

Die Stäbe und Dübel vorbereiten.
Auch die Stäbe und Dübel sollten jetzt schon vorbereitet werden. Diese müssen vor dem Einleimen alle fertig sein, weil das Einsetzen der Stäbe schnell gehen muss.
Die Teile auf die richtige Länge schneiden und die Köpfe der Holme und Dübel, die später durch die abnehmbabre Seitenwand gesteckt werden, an der Spitze rund schleifen. Das erleichtert später das Aufsetzen des Seitenteils.

Verbindungen Seitenteile - Bodenbrett vorbereiten.
Die Bohrungen für die Schrauben und die Stifte zwischen Seitenteilen und Bodenteil herstellen. Dazu das Bodenteil und das jeweilige Seitenteil mit Schraubzwingen aneinander fixieren und die Löcher in beiden Teilen gemeinsam bohren. So wird sicher gestellt, dass die Bohrungen passen.
Den Boden nicht bündig mit den Unterkanten der Seitenteile bauen! Lieber ein paar Milimeter über der Unterkante ansetzen (im Plan sind es 5 mm). Wenn das Bodenbrett etwas krumm ist oder sich verzieht, wackelt der Webrahmen sonst.
Die Teile noch nicht miteinander verbinden! Die folgenden Arbeitsschritte werden sonst deutlich schwieriger oder sogar unmöglich.

Seitenteile zusammen bauen.
In den oberen und unteren Seitenteilen jeweils die Löcher für die Dübel bohren. Die Dübel in die unteren Seitenteile einleimen und den Leim trocknen lassen. Dann die beiden Teile einer Seite zusammen leimen. Die Seitenteile während des Trocknens mit Schraubzwingen zusammenpressen.

Die Löcher für die Holme bohren.
Es erleichtert die Arbeit, wenn alle Stäbe (bis auf die Stäbe D und E mit den Gewindestangen) auf der abnehmbaren Seite durch die Wand gehen und herausschauen.
Die fertigen Seitenteile mit Schraubzwingen aufeinander pressen, und dann die Löcher für die Stäbe durch beide Teile gleichzeitig bohren. Auf diese Weise passen sie auf jeden Fall zusammen.
An der Bohrmaschine einen Abstandshalter verwenden, damit man nicht zu tief bohrt.
Zwei Schnitte durch den Webrahmen.
Zwei Schnitte durch den Webrahmen, links an der Spannvorrichtung, rechts an der hintersten Holmenreihe (in der Bauanleitung sind diese Schnitte in groß enthalten).

Schleifen eines Seitenteils des Webrahmens.
Schleifen eines Seitenteils. Man beachte den Mundschutz und die Absaugvorrichtung der Schleifmaschine.

Ausfräsen des Schlitzes für die Spannvorrichtung des Brettchenwebstuhls
Ausfräsen des Schlitzes für die Spannvorrichtung des Brettchenwebstuhls mit einer Oberfräse und einer dafür zugeschnittenen Führung.

Schlitze für die Spannvorrichtung aussägen.
Wir haben die Schlitze mit einer Oberfräse ausgefräst. Da dieses Werkzeug aber eher selten ist, hier eine andere Möglichkeit:
Jeweils am Ende des geplanten Schlitzes ein Loch bohren. Danach den Schlitz mit einer Stichsäge aussägen. Die Schlitzlänge für den Spannmechanismus (A) muss länger sein als der Abstand der beiden Stäbe B und C (siehe Schärplan oben auf der Seite und im PDF der Bauanleitung).

Festes Seitenteil an Boden befestigen.
Das Seitenteil und das Bodenbrett aneinander leimen und dann die Schrauben eindrehen.

Holme einleimen.
Die vorbereiteten Holme zunächst trocken einsetzen, um zu testen, ob alle Stäbe in die für sie vorgesehenen Löcher passen. Dazu auch das abnehmbare Seitenteil aufsetzen. Auf der festen Seite des Webrahmens dürfen die Stäbe schwergängig in die Löcher passen, dann halten sie später besser. Wenn ein Stab nicht in ein Loch passt, diesen etwas abschleifen.
Wenn alle Stäbe passen, die Holme in das feste Seitenteil einleimen. Die Holme dazu, wenn nötig, mit einem Hammer vorsichtig einschlagen. Das abnehmbare Seitenteil aufsetzen, um die Stäbe zu fixieren, während der Leim aushärtet.
Dieser Arbeitsgang muss zügig erfolgen, da das Seitenteil aufgesetzt sein muss, bevor der Leim anfängt, abzubinden.

Aufsetzen und Abnehmen des freien Seitenteils testen.
Nach dem Aushärten des Leims das Seitenteil mehrmals abnehmen und wieder aufsetzen, um zu schauen, wie schwer oder leicht das geht. Gegebenenfalls hakende Stäbe noch etwas nachschleifen.

Damit wäre der Webrahmen fertig. Weichholz sollte mit Öl oder Wachs eingelassen werden, je nach Wunsch kann man Verzierungen anbringen.


Griffe für Spannvorrichtung und Befestigungen des abnehmbaren Seitenteils

Eine funktionierende Lösung für die Griffe zu finden, war nicht einfach. Erst im dritten Anlauf habe ich eine Methode gefunden, die den auftretenden Belastungen standhält und trotzdem gut aussieht: In passende Holzgriffe werden Einschlagmuttern eingeschlagen. Da diese ohne weitere Befestigung nicht halten, sondern beim Festdrehen der Griffe wieder herausgezogen werden, müssen die Muttern zusätzlich durch zwei kleine Schrauben am Holz befestigt werden.

Da die Herstellung der Griffe also nicht so ganz einfach ist, beschreibe ich diese in einem eigenen Abschnitt.

Das Material für die Griffe der Spannvorrichtung des Brettchenwebstuhls
Das Material für die Griffe der Spannvorrichtung des Brettchenwebstuhls.

Griffhölzer vorbereiten
Sofern noch nicht geschehen, vom dem Rundholz mit 30 mm Durchmesser die Griffe abschneiden. Für eine gute Handhabung sollten sie eine Länge von 6 bis 8 Zentimetern haben.

Vertiefung für die Einschlagmuttern bohren.
Damit die Muttern (bzw. die Schrauben, die sie halten) nicht am Brettchenwebstuhl schaben können, müssen sie versenkt werden. Dazu mit dem Forstner-Bohrer in die Stirnseite der Griffe eine ca. 3 mm tiefe Eintiefung bohren. Die Vertiefung muss genau zentriert werden.

Loch für die Gewindestange bohren
Genau zentrisch ein Loch mit 8 mm Durchmesser bohren. Dieses Loch muss so tief sein, dass es den überstehenden Teil der Gewindestange aufnehmen kann.

Stirnseiten glätten
An der Stirnseite ohne Loch die Kanten abrunden. Beide Stirnflächen glattschleifen.

Einschlagmuttern einschlagen
Die Einschlagmuttern zentrisch in die Vertiefungen einschlagen.

Einschlagmuttern befestigen
In jede Mutter mit einem 3-mm-Stahlbohrer je zwei Löcher für die Schrauben bohren. Nach Möglichkeit die Kanten der Löcher anschrägen (kann man mit einem 6-mm-Stahlborer machen), damit die Schraubenköpfe in den Muttern versenkt werden können. Die Schrauben eindrehen.


Verbesserungsmöglichkeiten

Ich habe den Webrahmen so beschrieben, wie ich ihn gebaut habe. Mittlerweile sind mir einige Gedanken gekommen, wie man ihn verbessern könnte:

Bei den angegebenen Maßen lassen sich problemos noch zwei weitere Holme einbauen. Damit könnte man die maximale Länge einer Borte um weitere 50 cm erhöhen.

Schärt man den Brettchenwebstuhl mit voller Länge auf, muss man einmal die Borte umlegen. Man könnte ausprobieren, ob man dafür Stab B einsteckt, ohne ihn fest zu leimen. Dann könnte man ihn einfach heraus ziehen und müsste nicht das Seitenteil abnehmen.

Im Plan nicht eingezeichnet: Es ist vorteilhaft, die vordere obere Ecke abzurunden, da man sich beim Arbeiten mit dem Webrahmen erfahrungsgemäß ab und zu dagegen lehnt, und die Ecke sonst ziemlich unbequem ist.


Christas Meinung zum Webrahmen

Vorteile:

Der fertige Webrahmen mit einer Wollborte
Der fertige Webrahmen, offen und mit einer Wollborte aufgeschärt.

Er ist sehr schwer (wenn er aus Eiche gemacht ist, ganz besonders). Dadurch hüpft er beim Anschlagen nicht (leichtere Webrahmen muss man da schon mal mit einer Schraubzwinge am Tisch festmachen) und steht auch sehr stabil.

Mit den oben angeführten Abmessungen fasst er fast 6 Meter Borte.

Er ist trotz seines Gewichts relativ leicht zu tragen. Die Hartholzwände + Hartholzstäbe bedeuten auch, dass man ohne Probleme einen der Stäbe als 'Griff' verwenden und den Rahmen damit halten und herumtragen kann, ohne dass was kaputt geht.

Die Steigung der Borte beim Arbeiten ist (für mich) ideal, das heißt, relativ steil. Dadurch bekommt man nicht so leicht Rückenschmerzen, wenn man länger sitzt.

Der Brettchenwebstuhl hält auch dem größten Zug stand. Ich webe - gerade mit Seide - gerne mit Metall-Brettchen und sehr viel Zug. Da hat mein alter Ashford schon aufgesteckt.


Nachteile:

Er ist sehr schwer (wenn er aus Eiche gemacht ist, ganz besonders). ;) Das Ding IST ein Schlachtschiff von einem Webrahmen - es wiegt 10 kg! Das nur als Warnung! Wenn man den Rahmen oft hin- und herwuchten muss, kann das unter Umständen zum Problem werden. Möglicherweise könnte man etwas Gewicht verlieren, wenn man die Wände nicht massiv macht sondern Holz heraus nimmt. Das haben wir aber nicht ausprobiert und können daher auch nicht sagen, inwiefern das die Stabilität des Rahmens beim Weben (also unter Zug) beeinflusst.

Mit den oben angeführten Abmessungen ist er auch ziemlich groß. Das heißt leider nicht nur viel Borten sondern auch: Achtung sperrig! Für den Transport hat sich ein Ikea-Sack als Schutz für Rahmen und bereits geschärte Borte bewährt.

Die Optik könnte man sicherlich verbessern. Mein Baby wirkt ziemlich wuchtig. Man könnte evtl. versuchen, alle Ecken abzurunden oder ähnliches. Da wir an der Oberseite aber absichtlich die Eichenbretter naturbelassen haben (also nicht abgeschliffen) kam das für uns nicht in Frage.


Downloads

Bauanleitung (PDF, ca. 420 kByte
Seitenansicht als DIN-A 3 Plan (PDF, ca. 170 kByte)


René Schwab, 7.11.2013


Frühere Versionen dieses Artikels:
14.1.2012

 

Borte (Seitenabschluß)