Lager und Zelte, Unterkünfte und Mittelaltercamping

Erst gestern habe ich erzählt, dass wir bei unserem Hobby große Zelte aus Leinen mit hölzernen Stangen verwenden. Die Reaktion: "Na, da schaun die Leute auf dem Campingplatz aber sicher ganz schön ...."

Meine Erklärung, dass wir unser Lager nie auf einem Campingplatz aufschlagen (außer er wäre Teil des Marktgeländes), hat wieder einmal für Verwirrung gesorgt.

Daher hier für alle, die es interessiert, ein paar Worte zu Lager und Zelten.


Unser Lager

Unser Lager besteht im Moment aus bis zu acht Zelten, zwei Sonnensegeln, drei Sitzgarnituren und unserer Kochstelle.

Unser Lager Burg Prandegg im Jahr 2013
Unser Lager auf Burg Prandegg im Jahr 2013. Von den acht Zelten sind hier nur vier aufgebaut: Die beden Speichenradzelte, ein privates Doppelkegelzelt und das Materialzelt.

Derzeit besitzen der Verein und seine Mitglieder die folgenden Zelte:

  • 1 Speichenradzelt Ø 4,5 m - Wohnzelt
  • 1 Speichenradzelt Ø 3,5 m - Wohnzelt
  • 1 Doppelkegelzelt 7,5 x 5 m – Wohnzelt
  • 2 Doppelkegelzelte 6 x 4 m – Wohnzelte
  • 1 Kegelzelt Ø 5 m – Wohnzelt
  • 1 Kegelzelt Ø 4 m – Wohnzelt
  • 1 Kegelzelt Ø 4 m – Materialzelt

Die Speichenradzelte sind an ihrer höchsten Stelle über 4 m hoch, die Kegelzelte immerhin noch zwei bis drei Meter. Man kann also gut darin stehen und sich auch gut darin einrichten. Das große Doppelkegelzelt, das große Kegelzelt und das Materialzelt gehören dem Verein, alle anderen Zelte sind in Privatbesitz.

Unsere Sonnensegel haben eine Größe von 6 x 4 m und 4 x 4 m, wobei die Mittelstangen rund 3,5 m hoch sind.

Die Sitzgarnituren, die zu unserem Lager gehört, bestehen jeweils aus einem Tisch mit zwei Bänken. Wir können hier 18 Leute bequem unterbringen - wenn man zusammenrückt ist auch noch Platz für ein paar mehr.

Die Ausrüstung für unsere Kochstelle besteht aus zwei hölzernen Dreibeinen und einer langen Querstange. Es ist auch möglich, nur ein Dreibein aufzubauen, wenn das Lager kleiner oder der Platz sehr beschränkt ist. Die große Kochstelle hat aber Vorteile, die im Artikel Praktische Lagerküche näher beschrieben werden.

Jeder hier erwähnte Gegenstand ist aus massivem Holz und in mehrere Einzelteile zerlegbar.


Logistisches

Lagerplan zum Ausrechnen der Lagergröße
Ein Lagerplan, wie wir ihn zum Ausrechnen der Lagergröße verwenden.

Wenn man sich bei einem Markt anmeldet, muss man die benötigte Lagerfläche bekannt geben. Unter Umständen werden vom Veranstalter hier auch Beschränkungen vorgegeben. Je nachdem wie großzügig man das Lager aufbauen kann, verändert sich natürlich auch die Lagergröße. Allerdings sollte immer mindestens die Fläche des Sonnensegels plus die Flächen der Zelte plus Abspannung gerechnet werden. Wie viel man für die Abspannung rechnen muss, richtet sich nach der Zeltart. Kegelzelte zum Beispiel sind sehr platzsparend, weil sie nur direkt unten an der Zeltplane abgespannt werden. Speichenradzelte sind da etwas aufwendiger, weil sie zusätzliche Abspannseile besitzen. Vordächer muss man natürlich auch mit einplanen.

An Leichtesten tut man sich, wenn man sich vorher einen Plan des Lagers macht. Schickt man den bei der Anmeldung mit, dann hat auch der Veranstalter gleich eine Vorstellung davon, wie groß das Lager wird und wofür man den ganzen Platz braucht.


Die Zelte

Historisches Ambiente und wo man es kaufen kann

Ein markttaugliches Zelt besteht aus reinen Naturmaterialien – also Stoff, Holz, Hanfseilen und Leder. Es hat keinerlei Bestandteile aus Plastik und folgt auch in seiner Form einer historischen Vorlage. Die verwendete Form spielt durchaus eine Rolle, denn auch sie muss stimmig sein. Die von uns verwendeten Speichenrad- und Kegelzelte sind aus entsprechendem Bildmaterial belegbar und daher auch für unsere Darstellung geeignet.

Zelte, die zwar auch aus Naturmaterial sind, deren Form aber deutlich jüngeren Datums ist, wie die bekannten eckigen Landsknechts-Zelte oder div. Formen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg sind für uns ebenso unpassend wie ältere Formen (zum Beispiel Wikingerzelte).

Es gibt mehrere Hersteller für historische Zelte. Unsere sind von FamWest. Wir haben mit dieser Firma bisher sehr gute Erfahrungen gemacht und können diese Zelte nur weiterempfehlen. Über die Zeit, die der Verein besteht haben wir mit unseren Zelten schon eine Menge Regentage überstanden und wir können mit gutem Gewissen sagen, dass die Zelte dicht waren. Davon abgesehen fallen für uns bei FamWest keine Lieferkosten an. Die Firma liegt in der Nähe von Passau und daher für uns so günstig, dass wir unsere Zelte problemlos selbst abholen können.

Eine andere Bezugsquelle wäre die Firma Dichtl - hier variiert die Qualität, nach allem was man hört, sehr stark. Auch der Süd-West-Versand bietet markttaugliche Zelte an. Hier haben wir aber immer das Problem mit den sehr hohen Lieferkosten. Und schließlich kann man natürlich auch außerhalb des deutschsprachigen Raums Zelte kaufen. Empfehlenswert dafür z.B. die englische Firma Past Tent.

Alle genannten Anbieter sind relativ teuer. Mit anderen, billigeren Anbietern haben wir allerdings durchwegs schlechte Erfahrungen gemacht. Diese reichen von zu schwachen, unbrauchbaren Heringen bis hin zu falsch genähten Zeltplanen. Bei einem Zelt sind sogar zu viele Seitenteile eingenäht worden. Hier lohnt es sich also wirklich, etwas mehr Geld für deutlich mehr Qualität auszugeben.

Das Problem mit allen genannten Anbietern ist vielleicht, dass sie in der Verarbeitung nicht "A" sind. Der Zeltstoff besteht aus Baumwolle, ist chemisch imprägniert und maschinengenäht. Es gibt auch Anbieter für handgenähte und historisch korrekt imprägnierte Zelte aus reinem Leinen, allerdings sind diese Wunderwerke auch horrend teuer.

Man KANN Zelte auch selbst bauen. Entsprechende Vorlagen und Anleitungen gibt es zu kaufen oder auch im Internet zu finden. Dann heißt es mit der Hand nähen, selber imprägnieren, etc. Wir haben aber schon vor einiger Zeit beschlossen, dass wir so viele andere MA-Projekte haben, dass uns einfach keine Zeit für diese extrem aufwändige Tätigkeit bleibt.


Bauch an Bauch mit der Natur - oder vielleicht auch nicht:

Die von uns verwendeten Zelte haben keine Böden.

Ob man eine Bodenplane verwendet oder nicht ist einerseits eine A-Frage und hängt andererseits vom Wetter und dem Untergrund ab.

Will man das Zelt absolut A-tauglich einrichten, wird man keine Bodenplane verwenden, sondern stattdessen den Boden mit Stroh und/oder Fellen oder (im Fall einer entsprechenden Darstellung) mit Teppichen auslegen.

Wenn man es mit trockener Wiese zu tun hat, ist es, streng genommen, gar nicht notwendig den Boden irgendwie abzudecken. Ich persönlich mag es aber ganz gerne, eine Schicht Zivilisation zwischen mir und der nächsten Ameisenstraße zu haben.

Es kommt natürlich auch ein wenig auf das Schlafarrangement an. Wer direkt auf dem Boden schläft, zum Beispiel auf einer Luftmatratze oder sogar nur auf einer Isomatte, der wird dankbar dafür sein, wenn da doch noch ein 'Boden' ist. Wer ein Feldbett oder sogar ein A-taugliches Holzbett besitzt und dadurch weniger bodennah schläft, wird das Ganze wieder etwas anders sehen.

Wir verwenden für unsere Zelte Bodenplanen, die ganz und gar un-A aus Plastik sind. Bewährt haben sich feste Abdeckplanen, die man normalerweise zum Trockenhalten von Holzstößen verwendet. Gibt’s in jedem Baumarkt in verschiedenen Größen, eckig oder rund und kosten nicht die Welt. Diese Planen sind sehr strapazierfähig, wiederverwendbar und lassen sich recht klein zusammenlegen. Ersatzweise kann man auch Bauplastik verwenden – das hält dann aber nicht so lange.

Plastik hat natürlich den Vorteil wasserdicht zu sein. Außerdem isoliert es etwas, es darf schmutzig werden und es schimmelt nicht.

Allerdings achten wir sehr genau darauf, dass die Planen auch durch halb offene Zelteingänge nicht zu sehen sind. Dazu wird die Plane im Bereich des Zelteingangs umgeschlagen und der Eingangsbereich mit Stroh abgedeckt. Diese Vorkehrung hat auch noch den Vorteil, dass sich kein Regenwasser auf der Plane im Zelteingang fangen und dann ins Zelt rinnen kann. René und ich haben für unser Zelt zwei große Stierfelle gekauft, die im Eingangsbereich liegt.


Transport, Auf- und Abbau:

Die Stapel mit dem Material, bevor das Lager aufgebaut ist
So sieht ein Lager aus, bevor es aufgebaut ist.

Die Zelte sind dazu ausgelegt, trotz ihrer Größe transportabel zu bleiben. Die Stangen sind geteilt und werden beim Aufbau mit Metallmanschetten verbunden, die Speichenräder lassen sich völlig auseinander nehmen und die Planen kann man auf recht kleine Packen zusammenlegen. Alles in Allem kann man alle unsere Zelte samt Zubehör in einem größeren Auto mit Dachträger transportieren. Das ist uns schon mehr als einmal gelegen gekommen.

Zum Aufbau der Zelte braucht man – je nach Größe – zwei bis drei Leute.

  • Zum Aufrichten des großen Speichenradzeltes braucht es, hauptsächlich wegen des Gewichts, zwei Leute an der Mittelstange und einen weiteren, der die Plane richtet und von außen hilft. Wenn die Stange einmal aufrecht steht und die Plane so hängt wie sie soll, reicht einer, der den Mast festhält, bis ein zweiter das Zelt außen abgespannt hat.
  • Das kleine Speichenradzelt kann man gänzlich zu zweit aufbauen, das selbe gilt für das einfache Kegelzelt.
  • Für den Aufbau der Doppelkegelzelte braucht man mindestens drei Personen, wirklich gut geht es aber erst mit vier. Zwei müssen die Stangen aufrichten und halten und mindestens einer (besser zwei) spannen das Zelt ab.

Der Abbau ist etwas einfacher – zum kontrollierten Stürzen der Zelte reichen in allen Fällen zwei Leute. Aber: je mehr Helfer, desto leichter und schneller gehts – auch klar.

Ein Thema bei JEDEM Zeltaufbau sind die Heringe.

Zeltheringe werden je nach Wetter und Bodenbeschaffenheit gewählt. Auch hier gilt natürlich: keine modernen Hightech-Heringe.

  • Bei weichen Böden oder nassem Wetter verwendet man Holzheringe, weil das Holz etwas quillt und eine raue Oberfläche hat, die verhindert, dass sich die Abspannungen losreißen.
  • Für harte und steinige Böden empfiehlt es sich, lange Stahlheringe zu verwenden. Unsere sind aus massivem 1 cm dicken Vierkantstahl gemacht und bis zu 30 cm lang. Und sogar die haben vor dem Aggsteiner Granit aufgegeben...  sind also keine Garantie, wirklich mit JEDEM Boden fertig zu werden. Wobei man auf Aggstein wahrscheinlich einen Schlagbohrer oder sowas brauchte, um Löcher in diesen Boden zu kriegen. In so einem Fall hilft man sich dann mit Spalten im Stein und damit, dass im Allgemeinen nicht JEDES Abspannseil tatsächlich auch verwendet werden muss, damit das Zelt steht.

SEHR wichtiges Werkzeug: geeignete Hämmer zum Einschlagen der Heringe. Mauererfäustel haben sich dafür bewährt.


Nicht jeder Schimmel wiehert

Zelte aus Naturmaterialien müssen besonders sorgfältig gelagert werden.
Der große Feind heißt Schimmel.

Für gewöhnlich sind die verwendeten Stoffe nicht nur gegen Nässe imprägniert, sondern auch mit einem Antipilzmittel behandelt. Das hilft natürlich, ist aber kein Garant dafür, dass sich nicht doch was festsetzt, wenn man schlampig lagert.

Und wer schon einmal ein halb verschimmeltes Zelt voller schwarzer Stockflecken gesehen hat, der weiß, dass das alles andere als ansehnlich ist, von ungesund ganz zu schweigen. Solche Zelte kann man eigentlich nur noch wegwerfen, da man den Schimmel auch nie wieder los wird.

Wenn man nun noch bedenkt, dass unsere Zelte - je nach Größe und Ausführung - zwischen 400,-- und 1.300,-- EU kosten (und es gibt noch weit teurere) dann wird klar, warum wir besonders viel Wert darauf legen, unsere Zelte pfleglich zu behandeln.

Was ist also zu tun?
Zunächst einmal muss man darauf achten, die Zelte unbedingt trocken zu lagern.
Das erklärt die finsteren Blicke und farbigen Flüche der Lagergruppen, wenn es am Ende eines Marktes noch einmal kräftig regnet. Das heißt nämlich, dass man 'nass abbauen' muss. Davon abgesehen, dass es nicht besonders angenehm ist, kiloweise nassen Zeltstoff durch die Gegend zu schleppen, bedeutet das auch, dass man die riesigen, nassen Zeltplanen irgendwo aufhängen können muss.

Und zum Aufhängen braucht man Platz! Da reicht kein üblicher Trockenraum - nicht einmal ein normaler Keller ist groß genug.

Außerdem bedeutet es, dass man zusätzlich zum Ausladen und Umräumen der Ausrüstung auch noch besagte nasse und schwere Zeltplanen wieder aufbreiten und auf Wäscheleinen oder irgendeine Art von Ständer hochwuchten und einigermaßen glattziehen muss - unter Umständen spät in der Nacht, nach bereits anstrengendem Abbauen, weitem Heimweg und mit einem normalen Arbeitsmontag in Aussicht.

Erst wenn die Planen vollständig trocken sind, kann man sie zusammenlegen und verstauen. Das gilt natürlich ebenso für die Sonnensegel.

Würde es etwas nützen, würde jede Lagergruppe mit Freuden ein paar blutige Herzen opfern um trocken abbauen zu können ...


Die Zelteinrichtung

A - wieder einmal

Wie oben schon erwähnt ist die Zelteinrichtung eine Frage für sich. Nämlich A oder nicht-A – wie so oft.

In unserem Fall sind die Zelte NOCH nicht-A. Hauptsächlich, weil wir immer noch ein Lager- und Transportproblem haben. Daher ist jedes große Stück Ausrüstung zusätzlich etwas, das man sich gut überlegen muss. Holzteile für Betten, große Felle oder Teppiche für den Boden, schöne, beschlagene Holztruhen etc. sind sperrige und schwere Teile, die man erst einmal irgendwo unterbringen und irgendwie transportieren muss.

Im Moment heißen die Grundregeln noch:

  1. So praktisch wie möglich
  2. Zelte immer zumachen

Es ist wahrscheinlich der Traum jeden historischen Darstellers, sein Zelt einmal so einrichten zu können, dass man es bei Marktbetrieb offen lassen kann.


Es lebe das Plastik (für diese Überschrift werd ich bestimmt gelyncht ...)

Wobei ich hier die Gelegenheit ergreifen möchte um die Plastiktruhen zu verteidigen, die wir (René und ich) zum Transport verwenden. Wir haben uns stabile Werkzeugtruhen mit Rollen gekauft, die man bequem hinter sich herziehen kann. Sie sind stapelbar, sehr belastbar, wasserdicht, schließen gut und haben bisher noch jeden Markt ohne Schaden überstanden. Natürlich bleibt immer noch genug Zeug übrig, das dort nicht hinein passt (zum Beispiel Renés Rüstzeug oder mein Stickrahmen), aber die Markt-Grundausstattung ist dort vollständig und sicher verpackt.

Ich weiß nicht, ob ich mich von diesen Dingern jemals trennen möchte. Wir haben ja schon mit dem Gedanken gespielt, im Notfall aus leichten, zusammensteckbaren Holzplatten eine 'Tarnung' dafür zu zimmern - sollten wir jemals so weit sein, dass der Rest der Zelteinrichtung vorzeigbar ist.


Dachboden

Sehr, sehr praktisch bei einem Speichenradzelt übrigens: der 'Dachboden' – soll heißen, die Speichen des Speichenrades, das auf ca. 2 m Höhe im Zelt schwebt und der Plane ihre Form gibt.

Dieser Dachboden ist eine ideale weitere Ablagemöglichkeit für alles Mögliche – es darf nur nicht zu schwer sein. Bei uns liegen Waffen da oben oder Wäsche wird aufgehängt. An zwei Kleiderhaken hängen unsere Mäntel und empfindliche Ausrüstung ist dort oben gut vor Nässe und versehentlichem Drauftreten geschützt. An diesen Speichen ist auch der Vorhang befestigt, der unser Bett vor Zugluft und zufälligen Blicken schützt.


Wohnst du noch oder lagerst du schon?

Natürlich kommt es beim Lagern immer auch aufs Wetter an. Wenn es kalt und nass ist, hält sich die Gemütlichkeit in Grenzen. Um es dann längerfristig bewohnbar zu machen, müsste man noch einiges mehr an Ausrüstung (Innenzelt, Ofen) reinstecken.

Aber wenn das Wetter einigermaßen gnädig ist, lässt es sich in so einem Zelt sehr bequem leben. Wie bei allen kleinen Räumen muss man darauf achten, dass Ordnung gehalten wird und auf die Dauer wird man wahrscheinlich genug davon haben, dass eine Zeltwand eben aus Stoff und daher hellhörig ist. Aber ich habe mich auch längere Zeit (z. B. die Woche in Purgstall) sehr wohl darin gefühlt.


Sonnensegel

Hitze, Regen, Optik

Wenn man aus dem Zelt herauskommt sollte man – idealerweise – fast schon unter dem Sonnensegel stehen.

Für gewöhnlich wird das Lager so aufgebaut, dass das Sonnensegel den Mittelpunkt bildet und die Zelte in einem Halbkreis ringsherum gruppiert sind.

Ein Sonnensegel in einem Lager ist unbedingt notwendig. Es schützt vor Hitze und (wenn es gut imprägniert und richtig aufgebaut ist) auch vor Regen.

Wenn es heiß ist, kann man sich in den Zelten kaum aufhalten. Obwohl wir helle Zelte haben, wird es darin bei direkter Sonneneinstrahlung sehr heiß und stickig.

Man darf nicht vergessen, dass wir in unserer Darstellung nicht die Freiheit haben auch nur kurzärmelig herumzusitzen. Dazu ist die Gewandung in den meisten Fällen auch noch mehrlagig und beinhaltet irgendeine Form von Kopfbedeckung. Sonnenbrand können wir daher nur im Gesicht bekommen, aber hitzebedingte Kreislaufprobleme sind eine sehr reale Gefahr.

Für unsere Kämpfer nimmt das ganze noch einmal eine ganz andere Dimension an. Recht oft muss man nach dem Rüsten noch eine Weile auf seinen Einsatz warten. Es ist anstrengend genug während der Umzüge oder Gerichtsverhandlungen in der prallen Sonne sein zu müssen aber wenn man das bei Pausen oder Wartezeiten auch noch sein müsste, droht Hitzschlag.

Manchmal hat man das Glück unter Bäumen lagern zu können aber darauf kann und darf man sich nicht verlassen.

In den vergangenen Jahren haben wir einige Male mit heftigem Regen und Kälte zu kämpfen gehabt. Auch hier hilft das Sonnensegel. Essentiell sind hier die höheren Mittelstangen, die einen steilen 'Giebel' ermöglichen. Selbst wenn der Stoff dann nicht ganz wasserdicht ist, läuft das Wasser am Stoff entlang ab statt herunter zu tropfen.
Bei Gewitter und Sturm müssen die Steher zusätzlich abgespannt werden und dann hält auch das Sonnensegel einiges aus. Wenn es kalt ist, kann man auch eine Hälfte des Sonnensegels ganz auf den Boden spannen (sinnvollerweise die dem Wind zugewandte Seite). Wenn man dann an der offenen Seite noch ein Lagerfeuer anzündet kann man es zwischen Feuer und Sonnensegelwand vergleichsweise warm haben.

Und schließlich macht das Sonnensegel das Lager optisch komplett. Es macht aus den einzelnen Zelten eine Einheit und bildet einen Rahmen für das Lagerleben. Es schafft einen offenen Wohnraum – in Verbindung mit den Zelten fast wie ein Diorama -  in dem die Darstellung von mittelalterlichem Leben glaubwürdiger wird.


How to

Unsere ersten beiden Sonnensegel waren selbstgenäht. Aber mit beiden Versionen hatten wir massive Probleme bei schlechtem Wetter. Der Stoff war einfach nicht dicht.

Die Planen der jetzigen Segel sind gekauft. Sie bestehen aus imprägniertem Segeltuch. Alle Nähte sind doppelt genäht und überall dort, wo die Schlaufen für die Steher und Seile angebracht sind, ist der Stoff verstärkt worden.

Die Steher haben lange Stifte an den oberen Enden, die einfach durch die Schlaufen der Plane gesteckt werden. Über die selben Stifte kommen die Abspannseile. Jeder Steher wird zweifach abgespannt, bei Sturmwarnung können noch zusätzliche Abspannungen dazu kommen. Wenn es sehr stark regnet, werden zwei gegenüberliegende Ecken auch ganz auf den Boden hinunter gespannt, um das Dach noch steiler zu machen.

Die beiden Mittelsteher sind (wie oben erwähnt und erklärt) länger als die vier Ecksteher. Alle Steher sind aus handelsüblichen Rundhölzern. Um die beiden Mittelsteher besser transportieren zu können, bestehen sie aus zwei Teilen, die durch Holzdübel und Seile miteinander verbunden werden (wir hatten überlegt, wie bei den Zelten Metallhülsen für die Verbindung zu nehmen, uns dann aber doch für die authentischere Methode entschieden).


Mobiliar

Einer unserer Tische

Einer unserer Tische - zerlegt
Einer unserer Tische, aufgebaut und in zerlegtem Zustand.

Job Description

Wenn man nicht gerade auf Strohballen Platz nehmen und die Suppenschüssel auf den Knien balancieren will, wird man sich als MA-Verein schon sehr bald eine ambientetaugliche Sitzgarnitur anschaffen.

Markttaugliches Mobiliar muss ein paar Voraussetzungen erfüllen:

  • Es muss gut zu lagern und zu transportieren sein.
  • Es muss sich leicht zusammenbauen lassen (ohne Schrauben etc)
  • Es muss in historisches Ambiente passen.
  • Es muss stabil sein.
  • Es muss genug Platz bieten – auch für Gäste.


Tummelplatz

Unser Mobiliar kann als lange Tafel aufgebaut werden oder zu einem großen, fast quadratischen Tisch mit den Bänken rundherum. Beides hat seine Vor- und Nachteile und richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten.

Die Sitzgarnitur ist Küche, Werkstatt, Krankenzimmer, Wohnzimmer – alles in einem. Hier wird gearbeitet, gegessen, getratscht, gekocht, müde herumgelümmelt, Gäste bewirtet, versonnen in die Abendsonne geschaut (in die Morgensonne eher geblinzelt ...), Rüstung an- und abgelegt., Miniworkshops durchgeführt, Krisensitzungen abgehalten wenn wieder einmal jemand ausgefallen ist, Probleme gelöst, kleine Verletzungen verarztet, und noch vieles mehr.
Kurz: die Sitzgarnitur ist das Zentrum unseres Lagerlebens.


Praktisch und bequem (letzteres ist Luxus und daher nicht gottgefällig ... oder so ...)

Wie genau das Stecksystem unserer Möbel funktioniert und wie die Abmessungen aussehen, wird in einem Extraartikel erklärt werden.

Unsere ersten Möbel sind mittlerweile am Ende ihres Lebens angekommen. Auch das ist etwas, das man beim Mittelalter-Reenactment lernt: Authentische Ausrüstung ist pflege- und wartungsintensiv und hält nicht ewig.

Bei unserer neuen Generation Möbel, mit deren Bau wir 2011 angefangen haben, haben wir von unseren ersten Versuchen gelernt. Die neuen Tische und Bänke sind etwas schwerer und solider als die alten, stehen dafür aber auch sicherer und bieten z.B. mit breiteren Sitzflächen auch mehr Bequemlichkeit.

Wer schon einmal eine Weile auf einer Bierbank gesessen hat, weiß, dass so etwas nicht sehr bequem ist. Unsere Bänke sind breiter als Bierbänke, aber es hat sich trotzdem bewährt, sie zusätzlich mit Schaffellen zu polstern. Es hat sich gezeigt, dass es diversen sitzbeteiligten Körperteilen sehr gut tut, zwischendurch einmal auf so einem Fell Platz zu nehmen. Wobei für das historisch korrekte Aussehen eigentlich Sitzpolster passender wären - aber das ist ein anderes Projekt, von dem an anderer Stelle erzählt werden soll ...


Christa und René Schwab, 15.9.2014


Frühere Versionen dieses Artikels:
1.7.2009
16.12.2011

 

Borte (Seitenabschluß)