Nein, das hier soll keine weitere Rezeptesammlung werden.

Es gibt genug hervorragende Bücher (einige werde ich im Anschluss aufführen) und sehr viele Seiten im Netz zum Thema 'Mittelalterliches Essen'.

Ich werde mich auf ein paar kleine, mehrfach bewährte Rezepte beschränken. Aber vor Allem möchte ich hier auf ein Thema eingehen:


Praktische Lagerküche

Grundvoraussetzungen in unserem Lager

Wir kochen auf fast allen Lagern selbst - Essen auf dem Markt zu kaufen wäre auf die Dauer viel zu teuer und nur sehr selten wird vom Veranstalter Vollverpflegung angeboten.

Gekocht wird einmal am Tag (abgesehen von Kleinigkeiten wie Eierspeise in der Früh oder zwischendurch ein paar Bratwürste vom Grill), die restliche Zeit verpflegen wir uns mit Brot, Wurst, Käse, frischem und getrocknetem Obst, Nüssen, etc.

Die Zutaten für eine kalte Jause stehen fast den ganzen Tag auf dem Tisch und werden nötigenfalls mit einem sauberen Leinentuch abgedeckt. Auf diese Weise kann man immer zugreifen, wenn man hungrig wird.

Wir haben für Transport und Lagerung nicht unendlich Platz - Geschirr und Lebensmittel sollten also aufs Notwendigste reduziert werden.

Wir kochen fast immer auch während der Marktzeiten - sehr oft sogar direkt vor den Augen der Zuschauer (unser Kochfeuer befindet sich dann also so nahe bei den Leuten, dass die uns auch in den Topf schaun können) - daher müssen Material und Methoden so passend wie möglich sein

Die Verpflegung im Lager sollte in einem vernünftigen finanziellen Rahmen bleiben, daher bemühen wir uns beim Planen und Einkaufen auch um kostengünstige Mahlzeiten - Spanferkel, gebratene Forellen etc. sind daher die absolute Ausnahme und für mich hier vernachlässigbar


Ausrüstung

Auch für geübte Köche kann das Kochen im Rahmen eines Mittelalterlagers zur Herausforderung werden.
Zunächst einmal muss man sich von einigen, für den modernen Koch selbstverständlichen, Hilfsmitteln und Geräten verabschieden.

Unsere Küchenutensilien beschränken sich auf:

  • wirklich scharfe Messer (Ich verwende ein Jagdmesser mit einem Holzgriff - das ist zwar nicht A aber durchaus ambientetauglich und bleibt einfach länger scharf als mein handgeschmiedetes Essmesser - davon abgesehen bevorzuge ich zum Kochen aus Hygienegründen trotz aller historischer Ambitionen immer noch ein rostfreies, leicht zu reinigendes Messer)
  • einige Schneidbretter
  • ein paar Holz- und Tonschüsseln
  • drei Kessel in verschiedenen Größen (emailliert, daher nicht A – aber praktisch)
  • einen einfachen Grillrost
  • Schöpf-, Koch- und Sieblöffel.

Das wars auch schon.


E-Herd ist überbewertet

Beim Kochen über offenem Feuer braucht man für längere Kochzeiten immer ein aufmerksames Auge aufs Feuer. Man muss natürlich regelmäßig nachlegen – eine gleichmäßige Hitze ist erwünscht. Die Temperaturegelung nimmt man vor, in dem man den Kessel höher oder niedriger hängt oder man schiebt das Feuer selbst etwas auseinander oder sogar ganz zur Seite, wenn die Hitze geringer sein soll.

Etwas Grunderfahrung beim Kochen ist unbedingt notwendig, weil man sich natürlich auf Kochbuch-Garzeiten und Temperaturangaben nicht verlassen kann. Man muss schon wissen, wie 'leicht köchelnd' aussieht oder wie sich ein fertig gebratenes Stück Fleisch anfühlt.

Allerdings gewöhnt man sich recht schnell an den Umgang mit dem offenen Feuer und noch schneller macht es richtig Spaß.


Kurzer Exkurs zum Thema Feuer

Ideal wäre es, ein normales 'hohes' Feuer und daneben ein Kochfeuer anzulegen. Auf diese Weise können die bereits gründlich brennenden Holzscheite unter den Kessel oder davon weg geschoben werden, was für die oben erwähnte gleichmäßige Hitze sorgt bzw. die Temperatur regeln lässt.

Besonders wenn die Witterung fürs Kochen nicht ideal ist - das Holz ist womöglich feucht oder starker Wind fährt immer wieder ins Feuer – ist ein zweites Feuer Gold wert. Auf diese Weise brennen die Scheite, die man für das Kochfeuer nachlegt bereits so wie man es braucht.

Fürs Braten und Grillen ist glühendes Holz am Besten geeignet. Das Prinzip ist bestimmt jedem vertraut, der schon einmal gegrillt hat. Höhere Flammen, wie man sie unter dem Kessel problemlos verwenden kann, sind unter Grillgut ein Garant für verbranntes Essen.

Natürlich ist es nicht immer möglich zwei Feuerstellen nebeneinander anzulegen. In diesem Fall muss man noch besser vorausplanen, auf das Feuer achtgeben und rechtzeitig nachlegen, damit die Hitze nicht zu stark variiert.


Vorbereitung ist alles

Wichtig:
Früh genug anfangen und gut vorbereitet sein!

Wenn man eine moderne Küche gewohnt ist, unterschätzt man leicht, wieviel länger das Kochen unter Lagerumständen dauern kann.

Dazu kommt, dass man dann nicht für die gewohnten zwei oder drei Leute kocht sondern doppelt oder dreimal so viele satt werden müssen.

Ein einfaches Beispiel: Man will Spätzle für 13 Leute kochen – dazu braucht man eine Menge Wasser, das sprudelnd kochen sollte, bevor die Spätzle hinein kommen. Schon auf einem E-Herd dauert es eine Weile, bis so viel Wasser kocht – auf einem offenen Feuer, das man ständig betreuen muss, kann das noch länger werden.
Es reicht also, wenn die Umstände nicht ganz günstig sind, und schon ist mehr Zeit vergangen als man geplant hat.

Also:

  • Rechtzeitig dafür sorgen, dass genug Feuerholz vorhanden ist.
  • Das Feuer rechtzeitig anzünden.
  • Vorsicht Verpackung! Während des Marktbetriebes dürfen keine modernen Verpackungen etc. in Sichtweite liegen. Also immer einen Behälter bei der Hand haben, damit man die Zutaten im Zelt umfüllen kann. Für Gewürze sind kleine Dosen aus Holz oder Ton oder Leinensäckchen in einem Korb praktisch. (Natürlich spricht nichts dagegen, diese Behältnisse mit Plastik auszukleiden, falls sie nicht ganz dicht sind oder man hygienische Bedenken hat.)
  • Die Zutaten zeitgerecht vorbereiten – alles schneiden, Gewürze mörsern und bereit stellen etc.- wenn man tatsächlich mit dem Kochen beginnt, sollten alle Vorbereitungsarbeiten bereits abgeschlossen sein, so dass man die Zutaten nur noch der Reihe nach verarbeiten muss.
  • Eine Küchenhilfe für Notfälle einteilen (die oder der kann gerne was anderes tun, soll aber in der Nähe bleiben und bei Bedarf helfen können)

Damit wären die Vorbereitungen abgeschlossen und es kann ans Kochen gehen.


Kochkunst mit Tücken

Ist einmal alles im Topf und die Hitze passend, ist der Kochprozess nicht anders als auf dem Herd auch – dachte ich.

Allerdings war ich daran gewöhnt mit beschichtetem Geschirr zu kochen – das wäre meiner ersten Portion gerösteter Speckwürfel fast zum Verhängnis geworden.

Dazu kommt, dass man in einem Kessel, der an einer Kette hängt, nicht normal umrühren kann. Man muss immer mit einer Hand den Kessel selbst festhalten und auch dann ist gründliches Umrühren (wie es zum Beispiel für Griesbrei notwendig ist) gewöhnunsbedürftig und anstrengend.

Sogar wenn man mit einem Kessel kocht, der auf einer ebenen Fläche (sprich Rost) oder direkt in der Glut steht, muss man immer damit rechnen, dass die Kochutensilien nicht stabil sind. Es empfiehlt sich auf jeden Fall immer, beide Hände zu Hilfe zu nehmen.

Und Kessel werden heiß wenn sie eine Weile über dem Feuer hängen. AUCH die Griffe!
Bei uns hat sich für den Umgang mit dem Kessel ein spezieller Schutzhandschuh bewährt, der die Funktion eines Topflappens übernimmt. Das Ding schützt vor Verbrennungen, sieht nicht allzu seltsam aus (wie ein dicker Wollhandschuh) und kann nicht runter (im schlimmsten Fall ins Essen oder ins Feuer) fallen. Man bekommt diese Handschuhe in jeder Haushaltswarenabteilung.


Infernalische Viereinigkeit

Hitze, Rauch, Asche und Funkenflug.

Vor Allem, wenn der Tag schon heiß ist, bedeutet die Hitze des Feuers eine nicht unbeträchtliche Zusatzbelastung. Da hilft nur, die Hauptmahlzeit auf den Abend zu verlegen und die Köchin oder den Koch immer mit Getränken zu versorgen.

Dazu kommt der ständige Rauch. Jeder, der an einem offenen Feuer kochen möchte, muss sich darauf eisntellen, gründlichst geräuchert zu werden. Spätestens hier wird man dann auch erkennen, dass es doch einen gravierenden Unterschied zwischen einem offenen Holzfeuer und dem heimischen, vergleichsweise rauchfreien, Kohlegrill gibt.

Sauberer Holzrauch schadet nicht, solang man nicht gesundheitlich vorbelastet ist und zuviel davon erwischt. Idealerweise begibt man sich zum Umrühren auf die dem Wind abgewandte Seite des Feuers. Sollte das nicht möglich sein (und es gibt auch Tage, da tut der Rauch, was er will und scheint einen auf ewig zu verfolgen... 'Stalkerrauch' nennen wir das) muss man darauf achten, zwischendurch immer mal durchzuatmen und sich beim Rühren ein wenig abzuwechseln.

Mit Funken muss man immer rechnen – besonders wenn man einen windigen Tag erwischt hat oder das Holz harzig ist. Tun kann man nichts dagegen. Nur vernünftig genug sein, die eigene Gewandung und die Zeltwände im Auge zu behalten.

Und schließlich die Asche. Flugasche geht oft ebenfalls mit windigen Tagen einher. Dann kann es durchaus sein, dass man das eine oder andere Ascheflöckchen in der Suppe findet. Da es verboten ist, lackiertes oder sonstwie verunreinigtes Holz zu verbrennen sollte man vom Veranstalter trockenes, sauberes Holz zur Verfügung gestellt bekommen. Wenn das so ist, muss man sich keine Sorgen machen – auch, wenn die schwarzen Flocken vielleicht nicht besonders hübsch anzusehen sind, ist noch niemand an ein wenig Asche gestorben.

Im Gegensatz zu Hitze, Rauch und Funken gibt es gegen diese Lagerküchennebenerscheinung aber tatsächlich ein Mittel: Kessel zudecken ... dass die Köchin deshalb trotzdem dem Aschenputtelsyndrom zum Opfer fällt, ist klar.


Das Schönste kommt zum Schluss ...

Was hier noch fehlt – und ja soooo gern von uns allen ignoriert wird: das Saubermachen und der Abwasch.
Wir verwenden dafür eine ganz neumodische Plastikschüssel, die hinter einer Barrier aus Strohballen zum Einsatz kommt.

Schmutzige Kessel vom Vortag füllt man in der Früh am Besten mit Wasser und hängt das Ganze zum Wärmen über das Feuer, bevor man sich mit Schwamm und Spülmittel darüber hermacht.
Warmes Wasser für Geschirr ist Luxus und man kann im Prinzip darauf verzichten. Allerdings geht es mit Wärme halt leichter.

Es ist nicht immer notwendig Essgeschirr und Besteck abzuwaschen. Solange noch nichts eingetrocknet ist, reicht es oft völlig, das Ganze gründlich mit Küchenrolle abzuwischen. Es kommt natürlich darauf an, wie glatt die Oberfläche des Geschirrs ist. Aber normale Tonschüsseln oder gut poliertes und geöltes Holz sollten da keine Probleme machen. Gerade bei handgeschmiedetem Besteck ist es ohnehin oft besser, nicht mit Spülmittel daran zu gehen. Lieber sauber wischen und dann mit einer Speckschwarte oder etwas Öl nochmal ein wenig fetten.

Lagerkochgeschirr bekommt an der Unterseite immer eine wunderbar authentische Rußschicht. Diese Schicht abzubekommen ist eine langwierige und schmutzige Arbeit – besonders wenn man sie hinter einem Strohballen mit kaltem Wasser tun muss.

Für die tägliche Reinigung im Lager und den Transport nach Hause reicht es, den Ruß mit Küchenrolle und etwas Wasser grob zu entfernen. (Ruß isoliert – fürs Kochen ist es also schon geraten, täglich zumindest ein wenig von der Rußschicht zu entfernen.)

Für den Transport kann man die Kessel erst einmal in einen Müllsack zu stecken. Zuhause, mit der Hilfe von heißem Wasser und einem bequemen Arbeitsplatz zum Putzen kann man die Töpfe dann vollständig reinigen. Für gewöhnlich wäscht man ohnehin alles Geschirr und Besteck zuhause noch einmal gründlich, bevor man es für den nächsten Markt wegpackt.


Kühlschrank, Keller, Speisekammer ... alles in einem Zelt.

Hmja. Noch ein paar Worte zur Vorratshaltung:

Wir wollen alle gesund wieder nach Hause fahren, daher ist es wichtig, auch im Lager auf hygienische Zustände und lebensmitteltaugliche Lagerung zu achten.

Am Besten ist es, wenn man sich schon bei der Essensplanung ein paar Gedanken zu verderblichen Lebensmitteln und deren Verwendung macht.

Kühlboxen sind eine gute Sache, ebenso Haltbarmilch und –schlagobers. Bei einigen Lebensmitteln hat man heute schon fast vergessen, dass sie auch ohne Kühlung gut einige Tage lagerbar sind. Eier, zum Beispiel oder auch Käse, harte Wurst oder Speck und auch Butter, solang sie gut verpackt ist (zum Beispiel altmodisch in einem Tontopf). Natürlich wird sie weich, aber an sehr heißen Tagen kann man den Tontopf dann auch eingraben und mit einer Grassode zudecken oder in ein wassergefülltes Becken stellen.

Unbedingt kühlen oder sofort verbrauchen muss man rohes Fleisch und Geflügel jeder Art (besonders Faschiertes oder anderes kleingeschnittenes Fleisch) sowie Fisch (den am besten noch gefroren mitnehmen und gleich am ersten Tag verwenden).

Mariniertes Fleisch hält länger, wenn die Marinade das Fleisch gründlich bedeckt. Aber auch da sollte man nicht zu lange mit dem Verarbeiten warten.

Vertraut eurer Nase und dem gesunden Menschenverstand.
Nahrungsmittel müssen 'sauber' riechen – also ohne sauren oder gar fauligen Geruch.
Ist man sich dann immer noch nicht sicher, gilt: im Zweifelsfall lieber wegwerfen, bevor sich das Lager wegen Lebensmittelvergiftung krümmt.

Und der gesunde Menschenverstand sagt: Je heißer das Wetter, desto gefährlicher für die verderblichen Sachen; Lebensmittel trocken und nicht unbedingt in unmittelbarer Nähe eines Ameisenhaufens lagern; Schimmel und anderen äußere Anzeichen von Verfall sind KEIN gutes Zeichen;

Zum Glück gibt’s in unseren Breiten keine naschhaften Grizzlys oder ähnliches, was ausgefallene Lagermethoden nötig machen würde. Aber auch eine Kolonie von Ameisen ist nicht unbedingt ein willkommener Zeltgenosse. Daher angebrochene Verpackungen immer gut verschließen.

Ansonsten gilt: Sauber lagern, sauber arbeiten – wie in jeder anderen Küche auch.


Burning bright ...

Ich hoffe ja, dass man das gar nicht extra erwähnen muss aber ich tue es hier trotzdem:
VORSICHT bei der Arbeit mit offenem Feuer!

Feuer ist Feuer – auch wenn es zahm in einer Feuerstelle brennt. Tütenärmel und Schleppen eigenen sich nicht für die Lagerköchin. Ebensowenig wie lange Schleier (obwohl ich mich in dieser Hinsicht auch schon versündigt habe). Weite Röcke lieber raffen und/oder nach hinten ziehen und in den Gürtel stecken, damit nichts irrtümlich ins Feuer hängen kann.

Wir haben außerdem immer einen Feuerlöscher, Brandsalbe und entsprechendes Verbandsmaterial mit im Gepäck, falls doch einmal was passiert.

Grundsätzlich gilt: Nicht ängstlich aber sicher respektvoll an die Arbeit gehen.


Fast ein paar Rezepte

So – und doch noch eine Handvoll Rezepte. Oder eher: Zutaten, denn ich werde keine Mengenangaben dazu schreiben. Die kann sich jeder nach Anzahl, Hunger und Vorlieben der Esser zusammenstellen.

Wie ich oben bereits erwähnt habe, möchte ich mich auf einfache, lageralltagstaugliche, praktische Speisen beschränken, mit denen man auch 12 Leute oder mehr gut satt und zufrieden bekommt.

Auch die Kosten für diese Gerichte halten sich in Grenzen. Ein Beispiel: Wir haben auf Aggstein Anfang Oktober drei warme Mahlzeiten für sieben bis neun Leute gekocht und konnten die Kosten auf unter 10 EU pro Person und Tag halten (einschließlich Frühstück, Jause und Getränken).


Also:

Gries – süss oder sauer

Gries ist – wie alle Getreideprodukte – enorm vielseitig.
Als Grundregel gilt: es wird immer VIEL mehr als man denkt.
Wir haben in Burghausen für sieben Leute ein Kilo Gries (als Hauptspeise!) gekocht und hatten zu viel. 750 g hätten gereicht.
Man rechnet bei Gries mit ca. der doppelten Menge an Flüssigkeit (oder etwas mehr), die auch vollkommen aufgesogen wird, damit der Gries weich wird.

Für alle Zubereitungsarten (außer beim Einkochen in eine Suppe) gilt:
Gries erst mit etwas Fett anrösten (meiner Meinung nach schmeckt er am besten mit Butter), mit der doppelten Menge Flüssigkeit aufgießen, würzen und dann so lange kochen und dabei ausgiebig rühren, bis der Gries weich ist.
Für süßen Gries kann man – abgesehen von Wasser - Milch oder sogar Schlagobers nehmen (auch in verschiedenen Mischungsverhältnissen), für salzigen passt Wasser bzw. Suppe besser.
Und dann kann man im Prinzip tun und lassen, was einem Spaß macht.

Geschmacksgeber für salzigen Gries: ausgelassene Speckwürfel, geröstete Zwiebeln, Lauch und/oder Knoblauch, jede Art von Wurzelgemüse, Salz, Pfeffer, alle möglichen Kräuter, Suppenwürfel (natürlich für total-A-Küche nicht geeignet – ansonsten fertig zerbröselt in eine a-taugliche Dose gefüllt), etc.
salziger Gries eignet sich auch hervorragend als Beilage zu Fleisch oder als Zugabe zu Eintöpfen (statt Brot).

Geschmacksgeber für süßen Gries: Zucker, Honig, Zimt, Nelkenpulver, Muskat, getrocknete oder frische Früchte, und zum dazu essen: Kompotte, Apfelmus, Holler- oder Zwetschkenröster, Fruchtsirup, etc.

Und dann noch eine völlig subjektive Beobachtung: süßer Gries schmeckt in noch leicht breiiger Konsistenz am Besten, salziger sollte kaum noch freie Flüssigkeit haben und eher wie Schmarrn aussehen. Wahrscheinlich sieht das aber jeder anders.


Ein Topf – viele volle Schüsseln

Ich habe oben schon das Lagerküchen-Zauberwort erwähnt: Eintopf.

Die große Familie der Eintöpfe bietet unendliche Möglichkeiten die Damen und Herren satt zu bekommen. Hier ein paar, die sich in unserem Lager schon bewährt haben:


Der Multifunktions-Eintopf:

Wurzelgemüse, Wurst oder Fleisch (geräuchert oder roh, in Stücken oder im Ganzen), Öl oder Butter, Zwiebeln, Knoblauch, Lorbeer, Pfeffer, Salz, Wacholder, diverse Kräuter und was man sonst noch drin haben möchte.
Sehr praktisch, weil man einfach nach günstigen Angeboten einkauft und weil man damit wirklich alles machen kann, was man will.

Hartes Gemüse (und Speck, falls man hat) klein schneiden, anrösten, aufgießen. Der Reihe nach Gewürze und die restlichen Zutaten (je nach Garzeit) dazugeben und köcheln bis alles weich (aber nicht zerkocht!) ist.
Nach Bedarf kann man auch Dinkel, Rollgerste, Gries, etc. einkochen damit das Ganze noch dicker und sättigender wird. Oder man serviert Brot dazu.


Fisch-Lauch-Eintopf:

Fisch (Sorte egal - was immer grade günstig ist – gepresste 'Ziegel' und weichfleischiger Fisch zerfallen halt eher als ganze Filets und festfleischiger Fisch. Es läßt sich aber durchaus darüber streiten, was besser schmeckt ...)
Lauch
Zwiebel
Knoblauch
Schlagobers
Salz, Pfeffer, Kräuter (evtl. Suppenwürfel)
etw. Öl

Lauch, Zwiebeln und Knoblauch nicht zu klein schneiden, im heißen Öl anrösten, aufgießen und würzen. Das Gemüse köcheln bis es gar ist. Das Schlagobers dazugeben, warten bis alles wieder heiß ist. Den Fisch dazu geben und gar ziehen lassen (nicht mehr zu stark und zu lange kochen!)


Geselchtes mit Beilagen:

gutes Selchfleisch (Teilsames zum Kochen)
Karotten
Sellerie
Zwiebeln
Dinkel, Zartweizen, Rollgerste o.ä.

Das Fleisch in Wasser kochen (dauert einige Zeit – je nach Größe der Fleischstücke bis zu zwei Stunden!). Nicht zu viel Wasser nehmen! Es braucht das Fleisch nicht einmal ganz bedecken, solang man einen Deckel hat und von Zeit zu Zeit einmal umrührt. Wichtig ist, dass man am Ende der Garzeit eine schöne, kräftige, geselchte Suppe hat. Wenn man das Gefühl hat, dass das Geselchte alleine das nicht schafft, kauft man einfach noch ein Kilo geselchte Ripperl dazu, schneidet sie vor dem Kochen auseinander und kocht die auch noch mit.

Das Fleisch herausnehmen, Getreide in die Suppe geben und kochen. Achtung: hier auch auf das Verhältnis Getreide/Flüssigkeit achten. Meistens braucht man die doppelte Menge Flüssigkeit oder etwas mehr. Mehr Flüssigkeit ist nicht tragisch – dann bekommt man halt einen Getreidebrei – aber zuwenig Flüssigkeit ist ein Problem und sollte vermieden werden.

Je nach Garzeit das Gemüse dazugeben, so dass das Gemüse nicht verkocht. Idealerweise ergibt das Ganze dann eine Getreide-Gemüse-Beilage zum Fleisch.

Auf Aggstein hatten wir plötzlich mehr Esser als geplant und haben dieses Gericht zu einem Eintopf umfunktioniert. Mehr Flüssigkeit dazu gegeben und das Fleisch kleingeschnitten und hinein gegeben.

Idealerweise sollte das Fleisch aber schon ordentlich in Scheiben geschnitten mit dem Getreide und Gemüse als Beilage serviert werden.


Bratwürste:

Klingt profan, ist aber sehr vielseitig und sehr praktisch.

Soll es A-tauglich sein, kauft man normal große Bratwürste und serviert mit Sauerkraut oder Krautsalat und Brot. Dazu Senf und Kren. Hat man etwas mehr Spielraum, kann man natürlich auch alle anderen Grillwürste verwenden.

Der große Vorteil: man braucht bloß einen Grillrost. Den kann man problemlos abwischen und einpacken. Dazu kommt, dass die typische Bratwurst eingeschweißt verkauft wird und daher schon einige Tage in der Kühlbox haltbar ist. Hat sich für das Essen am Abbautag sehr bewährt.

ACHTUNG: kauft man rohe, frische Bratwürste laufen diese unter 'Faschiertes' und sind sehr leicht verderblich. Wenn man sie nicht optimal kühlen kann, müssen sie am selben Tag noch aufgebraucht werden!


Sauerkraut:

Für den Fall, dass man das Kraut im Lager selbst machen möchte:

Sauerkraut (roh)
Speck
Nelken
Wacholderbeeren
Lorbeerblätter
Salz
Pfefferkörner

Rohes Sauerkraut noch zuhause ein- bis zweimal in kaltem Wasser wässern (je nachdem wie mild man es haben möchte), gut ausdrücken und einpacken.
Speck würfelig schneiden und anbraten. Das Kraut dazugeben, würzen. Mit Wasser soweit aufgießen, dass das Kraut nicht ganz bedeckt ist. Zudecken und weich köcheln lassen. Von Zeit zu Zeit umrühren.


Getränke

Mineralwasser ist – vor Allem im Sommer und bei Aufführungen – absolut notwendig.
Wir nehmen zu jedem Markt mehrere 6er-Packungen mit.
Je nach Geschmack wird dann noch Wein für Spritzwein und/oder Radler eingekauft.

In der Früh und wenn die Witterung nicht ganz so freundlich ist, wird viel Kaffee und Tee getrunken. Dann lassen wir unseren kleinen Kessel mit Wasser ständig über dem Feuer, damit man sich immer heißes Wasser für Instantkaffee oder Tee nehmen kann.

Harte Getränke kaufen wir nicht ein. Die tauchen auch so im Lager auf. Und zwar fast immer zu fortgeschrittener Stunde. Da muss irgendwo ein sehr anhängliches Nest von nachtaktiven Likören und Schnäpsen sein ...


Kämpferverpflegung

Viele Leute vertragen es nicht, vor einem Kampf viel oder fettig zu essen. Hitze und Anstrengung verlangen einen leichten Magen. Allerdings muss für genug Flüssigkeit und Zucker gesorgt werden.

Daher wird unsere große, tönerne 2,5 l-Wasserflasche vor jeder Aufführung aufgefüllt und für jeden Kämpfer steht ein voller Becher bereit.

Außerdem gibt es immer ein Körbchen mit Trockenobst für den Zuckerschub.


Lesen bildet

So – das soll es erst einmal an Rezepten sein. Wie gesagt: es gibt eine ganze Menge guter Bücher zum Thema mittelalterliche Küche.

Hier sind nur ein paar davon – die für mich Wichtigsten:


Petra Hildebrandt und Mela Eckenfels
Das LARP-Kochbuch

Die Rezepte sind natürlich nicht immer A-tauglich (obwohl es auch davon ein paar gibt), aber das Buch enthält sehr viele wertvolle Tips zum Thema Lagerküche - Planung, Küchenuntensilien, Lagerung, etc.

Mela hat sich große Mühe gegeben, ein benutzbares Buch zu schreiben, das für alle Eventualitäten vorbereitet (inkl. Checklisten, Bezugsquellen, etc.)

Besonders für Koch- und Lagerküchenanfänger sehr zu empfehlen!

Zu diesem Kochbuch gibt es eine Homepage mit weiterem Material. So gibt es die Checklisten im Buch auch zum Download.


H. J. Fahrenkamp
Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält

Der Klassiker. Soweit ich weiß, hat dieses Buch jeder, der sich für mittelalterliche Küche interessiert. Enthält außer Rezepten viel Information.

Man kann sich davon gut inspirieren lassen und es ist ein gutes Einsteigerbuch, um ein Gefühl für mittelalterliche Küche zu bekommen.

 

 

 


Peter Lutz
- Herrenspeis und Bauernspeis
- Mein new Kochbuch

Auch das Klassiker. Allerdings für die Lagerküche nicht immer tauglich, da für eine mittelalterlich eingerichtete Burgküche geschrieben. Vieles kann man aber adaptieren.

Lutz' Bücher sind vor Allem deshalb interessant, weil alle Rezepte auch tatsächlich ausprobiert wurden und auch einiges an Zusatzinfos (Warenkunde, Tischetikette, etc.) in die Bücher verpackt ist.

 

 

Christa Schwab

 

Borte (Seitenabschluß)